Widerspruch Landesamt

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Widerspruch Landesamt

Beitragvon Stine » Mo 20. Mär 2017, 11:18

Hallo in die Runde, hoffe auf Rat...

Ich habe nach Jahren der starken Einschränkungen einen Antrag auf Anerkennung eines GdB gestellt.
Dabei habe ich detailliert geschildert, wie sich mein fistulierender Morbus Crohn mit imperativem Stuhldrang und mittlerweile größerer Kontinenzprobleme einschränkend auf meinen Alltag und auch auf meine seelische Verfassung auswirkt. Ausführliche aktuelle Befunde habe ich beigefügt. Es wurde mir ein Grad der Behinderung von 40 zuerkannt. Begründung: Morbus Crohn, Psychische Störung (??) und mein "Nebenschauplatz" Ohr. Dagegen habe ich Widerspruch eingelegt und Akteneinsicht gefordert, da laut CED-GdB-Tabelle meine Stenose,die Fisteln und der teilweise Funktionsverlust des Schließmuskel hätten zusätzlich bewertet werden müssen... ebenso meine Gelenkprobleme.
Nun wird mir mitgeteilt, dass ich entweder die Kopien der Akte bezahlen (wahrscheinlich bekomme ich dann die ganzen Befunde wieder zurück, die ich hingeschickt habe) oder zur Akteneinsicht anreisen muss (eine Strecke 175 km, unmöglich).
Außerdem soll ich den Namen meines FA für Neurologie und Psychiatrie angeben :roll: Ich habe keinen... da meine seelische Verfassung durch den MC leidet und ich mich ansonsten noch immer selbst wieder aufrichten kann, vor allem eben auch an guten Tagen.
Nun bin ich schon fast am Aufgeben, da mich das Ganze stresst und auch in keinem Verhältnis zum erwarteten Ergebnis steht (geringfügigster finanzieller Nachteilsausgleich über die Steuer).

Meine Fragen... Muss ich die Akte als Kopie bezahlen (wollte eigentlich nur wissen, aufgrund welcher Einschätzung sie zu diesem Ergebnis gekommen sind)??
Macht die ganze Sache überhaupt Sinn ??

Vielleicht hat jemand einen Rat für mich, würde mich freuen.

Gruß, Stine
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Re: Widerspruch Landesamt

Beitragvon Thilo » Mo 20. Mär 2017, 12:18

Stine hat geschrieben:.......Meine Fragen... Muss ich die Akte als Kopie bezahlen (wollte eigentlich nur wissen, aufgrund welcher Einschätzung sie zu diesem Ergebnis gekommen sind)??
Macht die ganze Sache überhaupt Sinn ??


Hallo Stine,

lässt du dir von der Behörde Kopien anfertigen, wirst du diese zahlen müssen. In der Regel werden 50 Cent pro Kopie verlangt.

Aber wozu benötigst du die gesamte Akte als Kopie? Auf dem Feststellungsblatt der Behörde siehst du ganz genau, mit welchen Einzel-GdB`s deine Behinderungen bewertet wurden, die dann zu dem Gesamt-GdB von 40 führen. Das wäre ein Blatt !

.....Dabei habe ich detailliert geschildert, wie sich mein fistulierender Morbus Crohn mit imperativem Stuhldrang und mittlerweile größerer Kontinenzprobleme einschränkend auf meinen Alltag und auch auf meine seelische Verfassung auswirkt.....


Das Problem: Die Behörde wertet persönliche Schilderungen als subjektive Darstellungen nach der Logik: "Wer seine Erkrankung nicht durch einen (Fach-)Arzt behandeln lässt, kann die Krankheit auch nicht haben". Deswegen sollst du auch den Namen "deines" Facharztes für Neurologie und Psychiatrie angeben, den du aber nie konsultiert hast.

Du benötigst einen Rat: Mache dir keinen weiteren Stress, der dich offensichtlich doch belastet. Sozialverbände, der Sozialrechtsschutz der DCCV, etc., pp. kennen sich gut in den formalen Erfordernissen eines Widerspruchsverfahrens aus, nehmen Akteneinsicht und übernehmen sämtlichen Schriftverkehr mit der Behörde, etc. bis zu einer Entscheidung.

Ich würde jetzt keinesfalls aufgeben und erst dann zufrieden sein, wenn aufgrund deiner erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen ein dem Krankheitsstand angemessener GdB erreicht würde.

Gruß

Thilo
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Re: Widerspruch Landesamt

Beitragvon neptun » Mo 20. Mär 2017, 12:30

Hallo Stine,

meines Wissens kann die Akte auch z.B. an das Rathaus in Deiner Nähe, wo Du sicher auch gemeldet bist, geschickt werden und dort kannst Du dann Akteneinsicht nehmen.

Ein wesentlicher Grund für die Schwerbehinderung liegt aber auch darin, Du kannst früher in die Schwerbehindertenrente wechseln. Eben auch ohne Abzüge. Ist zwar für junge Leute vollkommen uninteressant, weil noch so lange und es kann viel passieren bis dahin, aber für Dich doch ein Grund, oder?

Der GdB40, es ist die alte Leier. Sie machen etwas, aber eben nicht viel. Dazu weiß im Landesamt ohnehin niemand, was eine CED ist und bedeutet. Du weißt, ich habe geklagt, nur hat sich bei mir dann aufgrund der langen Laufzeit dieses Verfahren mit dem Rentenantrag überschnitten.

Warum nicht klagen, wo Du doch über die DCCV den Sozialrechtsschutz hast. Selbst, wenn Du Dich da nicht so intensiv einbringst, wie ich mich damals. Gründe für die Bewilligung eines GdB50 oder höher hast Du doch.

LG Neptun
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Re: Widerspruch Landesamt

Beitragvon Stine » Mo 20. Mär 2017, 15:22

Vielen Dank Euch beiden!
Eure Antworten haben mir schon mal geholfen - ich fühle mich verstanden :). Auch meine ich herauszulesen, dass Ihr es mit dem GdB von 40 ähnlich seht wie ich, und es bestärkt mich darin, nicht aufzugeben.

@Thilo
Natürlich benötige ich nicht die ganze Akte als Kopie, zumal ich wie schon gesagt vermute, dass ich dann alle Befunde in Kopie, die mir hier auch vorliegen und die ich weitergereicht habe, zurückbekomme... Ich wollte nur gern nachvollziehen können, aufgrund welcher Einschätzung (meiner behandelnden Ärzte z. B.) man zu dieser Entscheidung gekommen ist. Mir hat man nur die berücksichtigten Gesundheitsstörungen genannt, aber nicht wie sich der Gesamt-GdB zusammensetzt. Insofern ein guter Rat von Dir, das Feststellungsblatt anzufordern.
Auch werde ich mir überlegen, den Sozialrechtsschutz der DCCV in Anspruch zu nehmen, da ich das Ganze leider nicht emotional unbeteiligt angehen kann. Man schreibt die intimsten peinlichsten Dinge auf und Menschen an Schreibtischen in weit entfernten Städten entscheiden so, dass man denkt, entweder haben sie es alles nicht richtig gelesen und verstanden oder sie glauben nicht, was man aufgeschrieben hat...

@Neptun
Auch Deinem Hinweis werde ich mal nachgehen, ob ich die Akte hier vor Ort einsehen kann.
Eine vorzeitige Rente habe ich leider nicht zu erwarten, würde jetzt hier zu weit führen... ich hatte es Dir auch schon mal erklärt, aber natürlich kannst Du das nicht alles behalten.

Danke nochmal und liebe Grüße!
Stine
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Re: Widerspruch Landesamt

Beitragvon Stine » Mi 16. Aug 2017, 19:57

Hallo,
spät, aber besser als nie wollte ich mal Rückmeldung geben, vor allem denen, die mir damals geraten haben.
Das angeforderte Feststellungsblatt hatte ergeben, dass mir für den MC ein GdB von 30 (!!) zuerkannt wurde. Die ganzen unangenehmen Begleiterscheinungen, unter denen ja durchaus nicht jeder von MC betroffene zu leiden hat und die auch laut Tabelle zusätzlich zu berücksichtigen sind, wurden demzufolge völlig unter den Tisch fallen gelassen. Nach meinem Widerspruch und nochmaliger Schilderung aller Umstände wurde mir ein GdB von 50 zuerkannt, unbefristet.
Ob das nun angemessen ist, weiß ich nicht so genau. An manchen Tagen fühle ich mich doch schwerer beeinträchtigt, dann gibt es wieder annehmbare Tage, im Durchschnitt kommt es wohl hin ;).

Vielleicht hilft es dem einen oder anderen ja ein bisschen... nicht gleich aufgeben!

Liebe Grüße, Stine
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