Wie fange ich es an?

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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neptun
Inventar - wird täglich mit abgestaubt
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Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Wie fange ich es an?

Beitrag von neptun »

Hallo Kerzenlicht

Hier zum einen der Link auf eine Seite, die das Thema der Schwerbehinderung umfassend beleuchtet mit all den Regelungen .
http://www.rae-hoss.de/51015496010d3570 ... /index.htm

Dann gab es für mich einen wesentlichen Grund, die Schwerbehinderung zu beantragen.
Der lag darin, daß ich nach Jahren der Betriebszugehörigkeit durch mehrere schwere Schübe immer mehr Probleme aufgrund meines imperativen Stuhldranges bekam. Der Prozeß war schleichend.
Ich muß also in Sekunden eine Toilette erreicht haben.
Damit bekam ich aber Probleme bei Teilen meiner Arbeit, die auch in Messungen bei Firmen bestand und auch in Besprechungen bei Firmen und Behörden.
Da ich also eingeschränkt war, so brauchte ich etwas in der Hand, um meinem Arbeitgeber zu zeigen, solch Arbeit ist nicht mehr möglich, Du mußt es akzeptieren und darauf eingehen. Und die Regelungen zur Schwerbehinderung, die können dann wirklich helfen, dem AG und dem AN im Zusammenwirken mit Schwerbehindertenvertretung, dem Betriebsrat und vor allem auch dem Integrationsamt.
Meiner Ansicht nach sollte die eingeschränkte Tätigkeit nicht in Arbeitsverweigerung umgemünzt werden können.
Und ein einfaches Attest des behandelnden Proktologen erschien mir nicht zielführend.

Letztlich wurde dieses Verfahren (dauerte 4 Jahre) dann vom Rentenverfahren überholt, das ich 3 Jahre später anstrengte, weil ich weitere schwere Schübe bekam trotz Reha und morgens dann auch nicht mehr regelhaft zur Arbeit kam.

Im speziellen Fall kann also auch ein gewichtiger Grund vorliegen und nicht nur Nachteilsausgleiche das Ziel sein.
Mir wurde übrigens als Rentner dann später gekündigt mit der Begründung, ich würde ja nicht mehr arbeiten. Obskur, aber ich hatte dadurch keinen Nachteil mehr.

Den erweiterten Kündigungsschutz durch den GdB, den sehe ich auch als in vielen Fällen wirkungslos an. Selbst Abfindungen sind heute nicht mehr die Regel. Es gibt andere Mittel und Wege, Mitarbeiter los zu werden.
Und ich war aufgrund Betriebszugehörigkeit schon nur noch nach § 626 BGB kündbar, also mit außerordentlicher Kündigung.

LG Neptun

fatalia
neu hier
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Registriert: So 23. Dez 2012, 16:40

Re: Wie fange ich es an?

Beitrag von fatalia »

Thilo hat geschrieben:
Uwe7 hat geschrieben:.....die Krux an der Sache ist: Es ist klar belegbar, dass Schwerbehinderte nicht öfter, sondern seltener krankheitsbedingt fehlen im Job.
Hallo Uwe,

..... und trotz belastbarer Zahlen und Statistiken bestehen hartnäckig die Vorurteile gegenüber schwerbehinderten Menschen.

Genauso hartnäckig wird weiterhin die Mär vom unkündbaren Schwerbehinderten, den "enormen" steuerlichen Vorteilen, dem vorzeitigen Rentenbeginn, usw., verbreitet.

Zum Thema Schwerbehinderung existiert viel Halbwissen in den Köpfen. Wer eine Schwerbehinderung beantragt sollte sich vorher gründlich mit dem Thema beschäftigen. Wir hatten schon Betroffene hier im Forum, die erst nach der Bescheiderteilung anfragten, wozu eine Schwerbehinderung denn überhaupt nützlich sei. Nach dem Motto: Einfach mal beantragen und mal sehen was dabei herauskommt. Zugegeben, auch eine Möglichkeit mit dem Thema umzugehen.

LG Thilo
Eigentlich ist es doch ein Armutszeugnis für Deutschland wenn Gesetze ,welche zum Schutz und zur Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderung geschaffen wurden, sich ins Gegenteil verkehren.

Noch Seltsamer ist die Tatsache, dass sich Behinderte verstecken und und abducken, statt selbsbewusst und aufrecht um sein Recht zu kämpfen.

Die Vorschläge hier im Forum doch lieber keinen Antrag zu stellen, zeigen einen komischen vorauseilenden Gehorsam, der keiner Gesellschaft gut tun kann.

Nur ein offener Umgang mit jeder Andersartigkeit wird die (große und kleine) Welt retten.

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Thilo
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Registriert: Sa 22. Dez 2012, 21:17

Re: Wie fange ich es an?

Beitrag von Thilo »

fatalia hat geschrieben:Eigentlich ist es doch ein Armutszeugnis für Deutschland wenn Gesetze ,welche zum Schutz und zur Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderung geschaffen wurden, sich ins Gegenteil verkehren.
So ist es.
fatalia hat geschrieben:Noch Seltsamer ist die Tatsache, dass sich Behinderte verstecken und und abducken, statt selbsbewusst und aufrecht um sein Recht zu kämpfen.
Viele Behinderte können aufgrund ihrer erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen nicht "selbstbewußt und aufrecht" um ihre Rechte kämpfen. Die "Gesellschaft" sollte behinderten Menschen den Stellenwert zukommen lassen, der ihnen gebührt. Oft erkennt man den Zustand eines Staatswesen daran, wie die Gesellschaft mit den Schwächsten umgeht.
fatalia hat geschrieben:Die Vorschläge hier im Forum doch lieber keinen Antrag zu stellen, zeigen einen komischen vorauseilenden Gehorsam, der keiner Gesellschaft gut tun kann.
Jeder kann in einem offenen Betroffenenforum seine Meinung äußern und andere an seinen Erfahrungen teilhaben lassen. So kann man auch Menschen auf die doch geringen "Vorteile" einer Schwerbehinderung hinweisen. Ob der/die Einzelne einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung stellt, bleibt doch am Ende jedem selbst überlassen.

Für sich selbst zu prüfen, ob ein Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung sinnvoll erscheint oder dies aus bestimmten Erwägungen heraus zu unterlassen, hat nach meiner Auffassung nichts mit "vorauseilendem Gehorsam" zu tun und schon gar nichts mit dem Wohl oder Verfall einer Gesellschaft.
fatalia hat geschrieben:Nur ein offener Umgang mit jeder Andersartigkeit wird die (große und kleine) Welt retten.
In einem Bewerbungsgespräch offen über eine bestehende Schwerbehinderung zu sprechen, führt in der Regel zu einer Ablehnung. Das sind leider die Fakten. Arbeitgeber wollen olympiareife Belegschaften und keine Mitarbeiter, die vielleicht morgen schon durch Krankheit, etc. ausfallen (könnten). Vieles ist hier durch unhaltbare Vorurteile geprägt. In den letzten Jahren hat sich hier nicht viel zum Besseren geändert.

Lippenbekenntnisse über die "Inklusion" von schwerbehinderten Menschen helfen nicht weiter, solange die Beschäftigungsquote Schwerbehinderter immer weiter sinkt. Sogar im wirtschaftlichen "Aufschwung" der vergangenen Jahre waren schwerbehinde Menschen wiederum die Verlierer.

Jeder darf einer Utopie folgen, im Wunschdenken verharren und an hohe Ideale glauben. Die Realität ist (leider) eine andere.

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