Medikamente für gesamten Rehaaufenthalt mitbringen

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Behrli
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Registriert: Di 2. Jun 2015, 14:01

Medikamente für gesamten Rehaaufenthalt mitbringen

Beitrag von Behrli »

Hallo,
ich habe eine stationäre Reha bewilligt bekommen und nun teilt mir die Rehaklinik mit, dass alle Medikamente für den gesamten Rehaaufenthalt mitzubringen sind.
Angeblich wäre der Hausarzt dazu verpflichtet.
Es ist nicht das Problem alles mitzunehmen, aber mich würde doch mal interessieren, ob es dafür eine Rechtsgrundlage gibt, wenn es von der Rehaklinik so vehement gefordert wird, oder wollen die nur sparen?

Liebe Grüße Behrli

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Thilo
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Beiträge: 1062
Registriert: Sa 22. Dez 2012, 21:17

Re: Medikamente für gesamten Rehaaufenthalt mitbringen

Beitrag von Thilo »

Hallo Behrli,

bei Leistungen während einer Rehabilitations-Maßnahme ist der Kostenträger entscheidend.

Werden Rehabilitationsmaßnahmen zu Lasten des Rentenversicherungsträgers durchgeführt, - stationär oder ganztägig ambulant -, hat der Rentenversicherungsträger im Zusammenhang mit der Erbringung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation für die vollständige medizinische Versorgung des Rehabilitanten aufzukommen. Dies umfasst neben den ärztlichen, diagnostischen und therapeutischen Behandlungen auch die Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln, Heilmitteln und Hilfsmitteln.

Es ist dabei unerheblich, ob das betreffende Arzneimittel im Zusammenhang mit dem Heilbehandlungsleiden benötigt wird. Auch Arzneimittel, die bereits vor der Maßnahme verabreicht wurden, sind hiervon erfasst.

Grundlagen: § 26 Abs. 2 Nr. 3 SGB IX in Verbindung mit § 4 Abs. 2 SGB IX (Grundsatz der einheitlichen Leistungserbringung anlässlich einer Leistung zur medizinischen Rehabilitation).

Werden Rehabilitationsmaßnahmen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung durchgeführt, hat die Reha-Einrichtung die Kosten der medizinischen und auch medikamentösen Versorgung für das zur Rehabilitation führende Behandlungsleiden zu übernehmen. Darüber hinaus benötigte Medikamente, die nicht Anlass des Rehabilitationsaufenthaltes sind, verordnet ein ambulant tätiger Arzt, z. B. der betreffende Hausarzt oder ein am Ort der jeweiligen Reha-Einrichtung niedergelassener Vertragsarzt.

Grundlagen: Bundesmantelverträge Ärzte (§ 2 Abs. 2 BMV/Ä bzw. EKV)

Gruß

Thilo

Sabbel
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Registriert: Do 9. Jul 2015, 15:53
Diagnose: MC seit 2014

Re: Medikamente für gesamten Rehaaufenthalt mitbringen

Beitrag von Sabbel »

Hallo zusammen,

das ist ja interessant...ich fahre nächste Woche auch zur Reha, Träger ist die Rentenversicherung. Ich nehme Humira und mir wurde von der Klinik gesagt, dass ich das Medikament aufgrund der hohen Kosten unbedingt selbst mitbringen muss.
Im Prinzip kann es mir ja egal sein, ich zahle es ja so oder so nicht selbst, aber dann sollte es doch unerheblich sein, wie teuer ein Medikament ist und müsste in meinem Fall ja theoretisch von der Rentenversicherung bezahlt werden...

Mfg
Sabbel

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Thilo
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Registriert: Sa 22. Dez 2012, 21:17

Re: Medikamente für gesamten Rehaaufenthalt mitbringen

Beitrag von Thilo »

Hallo Sabbel,

heutzutage ist vieles zu einem großen "Verschiebebahnhof" geworden. Nach dem Motto: Versuche immer den Zug auf ein anderes Gleis zu fahren bzw. versuche immer einer anderen Institution die Kosten hinzuschieben - Hauptsache mein Geldbeutel bleibt verschont.

Rechtsgrundlagen interessieren oft nicht, es sei denn man beharrt darauf und fordert die Rechte mit dem nötigen Nachdruck auch ein. Aber wer will während einer Reha-Maßnahme, die einer Verbesserung des Gesundheitszustandes dienen soll, noch mit den Klinikärzten darüber streiten, wer die Medikamente zahlt? Die stehen alle wegen der Sparzwänge und des enormen Kostendruckes mit dem Rücken zur Wand. ;)

Gruß

Thilo

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