gutachterliche Untersuchung

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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Nicola
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gutachterliche Untersuchung

Beitrag von Nicola »

Hallo,
Ich führe einen Prozeß gegen das Sozialgericht wegen der Ablehnung eines Verschlimmerungsantrages GDB bei Crohn.
Nächste Woche habe ich einen Termin bei einem Gerichtsgutachter. Kann mir jemand Tipps geben, wie man sich als Kläger bei diesem Arzt verhält. Hat irgendwer schon eigene Erfahrungen sammeln können?

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Thilo
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Re: gutachterliche Untersuchung

Beitrag von Thilo »

Nicola hat geschrieben:.......Ich führe einen Prozeß gegen das Sozialgericht wegen der Ablehnung eines Verschlimmerungsantrages GDB bei Crohn....
Hallo Nicola,

du wirst sicher keinen Prozeß gegen das Sozialgericht führen, sondern wirst dich im Wege des Widerspruchverfahrens in einen Prozeß vor dem Sozialgericht gegen die ablehnende Versorgungsbehörde befinden.

Der Richter des Sozialgerichtes sieht sich als medizinischer Laie und hat daher eine gutachterliche Untersuchung angeordnet. Mit dem Ergebnis dieser Untersuchung wird sich der Richter sein Urteil bilden und dann "Recht sprechen". Es liegt also auch an dir, ob du dem Gutachter Gründe vermitteln kannst, die dein Begehren auf einen höheren Grad der Behinderung untermauern.

Deine Einlassungen vor dem Gutachter sollten also argumentiv in sich schlüssig sein und die bisherigen Atteste, Arztbriefe, etc. stützen. Nichts beschönigen, keine übermässigen Übertreibungen. Ein gewiefter Gutachter hat in der Regel auch eine gewisse Menschenkenntnis und merkt recht schnell, ob die vorgetragenen Beschwernisse mit den Krankheitsdiagnosen übereinstimmen. Bleibe während der Untersuchung so natürlich wie möglich und schildere alle deine Beeinträchtigungen durch die Erkrankung(en) im Berufs-und Alltagsleben.

Interessehalber: Welchen GdB besitzt du derzeit und welchen GdB strebst du an?

Ich wünsche Dir alles Gute und drücke dir die Daumen.

Gruß

Thilo

Nicola
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Re: gutachterliche Untersuchung

Beitrag von Nicola »

Hallo Thilo,

vielen Dank für deine Antwort.
Ich bin seit 32 Jahren erkrankt und habe in 2015 die 4. OP hinter mich gebracht.
Für die Crohn Erkrankung habe ich 50 und für andere Beeinträchtigungen 10.
Das schon seit 1995 ohne Aufschlüsselung. Hiermit hatte ich einen Anspruch auf die Sonderparkgenehmigung. Diese mußte 2015 verlängert werden und plötzlich muss man für den Crohn alleine 60 haben und schon bekam ich eine Ablehnung.
Meine Klage ziehlt also darauf, dass mir für den Crohn 60 und für Begleiterkrankungen 10 zugesprochen werden.
Nach der 4. OP spritze ich mir nun HUMIRA und die Nebenwirkungen sind wirklich heftig.
Ich hoffe, dass der Gutachter mir die Gelegenheit gibt, meine Situation darzulegen, bin gespannt.
Viele Grüße
Nicola

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Thilo
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Registriert: Sa 22. Dez 2012, 21:17

Re: gutachterliche Untersuchung

Beitrag von Thilo »

Hallo Nicola,

der Gutachter wird sich überwiegend an den ärztlichen Befunden orientieren. Aber auch die Tatsache, dass eine langwierige und schwere Erkrankung meist Auswirkung auf das psychische Befinden hat, könntest du ansprechen. So z. Bsp. kann imperativer Stuhldrang (häufige Durchfälle mit Vorwarnzeiten im Sekundenbereich) mit dessen Auswirkungen schwere und belastende Situationen hervorrufen, die Erkrankte häufig in die soziale Isolation treiben. Auch dies muss bspw. bei der Zumessung eines GdB berücksichtigt werden. Du solltest dich also keineswegs scheuen, dem Gutachter auch "peinliche" Situationen und Begebenheiten im Umgang mit deiner Erkrankung zu schildern.

Berichte, wie es dir ergangen ist und wie dein Verfahren am Ende ausgegangen ist.

Gruß und alles Gute !

Thilo

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