Dickdarmentfernung und GDB

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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peterpan65
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Dickdarmentfernung und GDB

Beitrag von peterpan65 »

Hallöchen beisammen,

Ich habe im Juni 2015 einen Schwerbehindertenausweis auf anraten meines Hausartztes gestellt.
Ich litt an einer CU und war zu diesem Zeitpunkt auch schon längere Zeit arbeitsunfähig geschrieben. Anfang November wurde bekam ich einen GDB von 40.
Da sich mein Zustand verschlechterte und mir nach eingehenden Untersuchungen gesagt wurde, dass mir der komplette Dickdarm entfernt werden müsste
und die OP noch im Dezember 2015 erfolgen sollte, habe ich sofort Widerspruch gegen den Bescheid erhoben, mit dem Hinwei, dass der Dickdarm entfernt soll und ich
vorerst ein Stoma bekommen sollte, der aber ca. im April 2016 zurückverlegt werden sollte.
Nun bekam ich Bescheid, dass der GDB von 40 auf 50 angehoben wurde.

Kann das sein, dass ich nur von 40 auf 50 angehoben werden kann? Zwar wird die Rückverlegung erfolgen, aber immerhin ist mein ganzer Dickdarm entfernt worden.
Und wie es dann weiter geht weiß ich auch noch nicht. Hat jemand von Euch auch den Dickdarm entfernt bekommen und einen höheren GDB bekommen?
Ich weiß nicht, ob es sich lohnt gegen diesen Bescheid zu klagen, deshalb möchte ich mich vorab etwas informieren.

Herzliche Grüße aus Ostholstein hp :-)

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Thilo
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Re: Dickdarmentfernung und GDB

Beitrag von Thilo »

Hallo Hans-Peter,

über die Entfernung des Dickdarmes und den ggf. damit verbunden Grad der Behinderung (GdB) kann ich dir nur allgemeine Informationen geben.

Die Frage, ob eine Behinderung vorliegt, richtet sich nicht nur an wirklichen oder vermeintlichen körperlichen Defiziten, sondern vor allem an der eingeschränkten Möglichkeit der Teilhabe in den verschiedenen Lebensbereichen. Ein Behinderung und damit ein GdB besteht, wenn zunächst eine Abweichung von dem für das Lebensalter typischen Zustand vorliegt. Hinzukommen muss, dass funktionelle Auswirkungen im Sinne körperlicher Funktionsbeeinträchtigungen bestehen müssen (bspw. Gehbehinderung, Beeinträchtigung der seelischen Gesundheit, u.v.m.).

Heutzutage werden die Begutachtungen in aller Regel nach Aktenlage durchgeführt. Nach Einholung und Sichtung von Befundberichten trifft die Versorgungsverwaltung die Feststellung des GdB. Meist beschränken sich die Ärzte darauf Diagnosen mitzuteilen, machen keine Angaben zu den Auswirkungen der Gesundheitstörung. Ärzte sind i. d. R. keine Sozialmediziner und können daher oft nicht abschätzen, welche Informationen die Versorgungsverwaltung benötigt. Hier entsteht oft eine "Fehlerquelle" bei der Zuerkennung eines der Krankeit angemessenen GdB.

Du hast nun den Gdb von 50 erreicht und bist daher als schwerbehinderter Mensch anerkannt. Du kannst die Ausstellung eines Ausweises beantragen und bei Vorlage gewisse Rechte einfordern. Ob du nun möglicherweise in einem langwierigen Sozialgerichtsverfahren eine geringfügige Erhöhung deines GdB erreichen kannst ist fraglich. Der finanzielle "Steuervorteil," der so oft ins Feld geführt wird, ist bei näherer Betrachtung eher vernachlässigbar.

Entscheidend für die "richtige" Bemessung des GdB ist und bleibt die Beeinträchtigung durch deine Erkrankung in allen Lebensbereichen im Vergleich zu einem Gesunden. Hier ist immer die individuelle Situation zu sehen und die sollte von (Fach-)Ärzten umfassend beschrieben werden. Ein Vergleich mit anderen Betroffenen ist eher nicht angebracht. Meist liegen "in anderen Fällen" auch Neben- und Folgeerkrankungen vor, so dass man nie 1:1 vergleichen kann.

Bist du in Zusammenschau mit deinen Ärzten der Meinung, dass hier eine Fehlentscheidung von Seiten der Versorgungsverwaltung getroffen wurde, kannst du dein Widerspruchsverfahren weiterführen. Meist lohnt es aber nicht diesen langen Weg zu gehen. Niemand hindert dich daran nach einer gewissen Zeit einen Verschlimmerungsantrag zu stellen, wo je nach Krankheitsverlauf und den damit verbundenen Beeinträchtigungen im Alltags- und Berufsleben eine Neufestsetzung deines GdB erfolgen kann. Du kannst deine weitere gesundheitliche Entwicklung abwarten und dann neu entscheiden.

Ich hoffe, dass ich dir zumindest ein paar Denkanstösse vermitteln konnte.

Ein frohes Osterfest wünscht dir

Thilo

peterpan65
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Re: Dickdarmentfernung und GDB

Beitrag von peterpan65 »

Hallo Thilo,

vielen Dank, Du hast mir sehr weiter geholfen. Werde dann mal keinen Widerspruch einlegen. Im April 2017 steht eine neue Begutachtung bevor, da kann ich dann immer noch einen "Verschlimmerungsantrag" stellen.
Danke für Deine umfassende Antwort :-)

lg hans-peter

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neptun
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Re: Dickdarmentfernung und GDB

Beitrag von neptun »

Hallo Hans-Peter,

in den Foren kann man häufiger lesen, daß für ein Stoma ein GdB von 50 festgesetzt wurde. Hat sich anscheinend eingebürgert. Da aber eigentlich die Auswirkungen beurteilt werden sollen, so ist das auch wiederum kein Selbstgänger und es kann durchaus Entscheidungen geben mit GdB unter der Schwerbehinderung. Deine Einschränkungen werden wahrscheinlich geringer sein als in der Zeit der Pancolitis.

Wenn also die Überprüfung ansteht, dann wundere Dich nicht, falls der GdB auch wieder gesenkt wird, auch trotz eines Verschlechterungsantrages deinerseits.

Vielleicht hast Du mal vom Institut der Heilungsbewährung gehört oder auch in den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen gelesen. Wenn ein Krebskranker erfolgreich behandelt wurde, dann wird nach einer bestimmten Zeit, häufig nach 5 Jahren dort, der GdB auch automatisch gesenkt, weil das Risiko eines Rezidivs deutlich geringer eingestuft wird nach dieser Zeit.

LG Neptun

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Thilo
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Re: Dickdarmentfernung und GDB

Beitrag von Thilo »

Hallo,

ein Verschlimmerungsantrag hat natürlich zur Folge, dass die Versorgungsverwaltung die gesundheitliche Situation noch einmal neu beurteilt und danach eine neue Feststellung trifft.

Wer bspw. einen unbefristeten Schwerbehindertenstatus besitzt und nun meint wegen der möglichen Aussicht auf eine nur geringfügige Erhöhung des GdB einen solchen Antrag stellen zu müssen, der sollte bedenken, dass der "Schuß auch nach hinten losgehen kann". So mancher hat hier unbedacht einen Verwaltungsvorgang ausgelöst, mit dessen negativem Ausgang er überhaupt nicht gerechnet hat.

Einen Verschlimmerungsantrag sollte man nur dann stellen, wenn sich die gesundheitlichen Verhältnisse wesentlich zum Schlechten hin verändert haben bzw. wenn neue relevante Erkrankungen hinzugekommen sind.

Ein einmal festgestellter GdB muss nicht für "alle Ewigkeit" bestehen. Bspw. kann sich die Behörde nach Ablauf der Befristung den aktuellen Stand anschauen und danach neu entscheiden. Andererseits besteht aber auch für den schwerbehinderten Menschen zu jeder Zeit die Möglichkeit eine Neufeststellung des GdB zu beantragen. Zugleich steht nach allen (ungerechtfertigten) Verwaltungsentscheidungen der Rechtsweg offen.

Die Folgen eigener Handlungen sollte man - wie im richtigen Leben - stets ins Kalkül ziehen. ;)

Gruß

Thilo

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