GDB - Hilfe zum Erstantrag

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
König
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GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von König »

Hallo,

ich befasse mich derzeit mit dem Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung. Hintergrund ist, dass ich nach 10 Jahren Colitis keine Kraft mehr habe und nach Erleichterung und Anerkennung meiner Erkrankung suche.

Da dies Neuland für mich ist, möchte ich euch bitten, mich mit euren Erfahrungen zu unterstützen.

Kurz und Knapp zu mir:
  • + Männlich, 27 Jahre
    + Colitis Ulcerosa (linksseitig) seit 2005
    + letzte Koloskopie bestätigt einen akuten Schub
    + aktuell 45 Zentimeter Entzündet
    + 15-25 Stuhlgänge teilweise mit Blut
    + tgl. Übelkeit & gelegentlich Erbrechen
    + Unverträglichkeit von Zucker
    + seit Mitte 2015 in Psychologischer Behandlung
    + aktuell seit 2 Monaten Arbeitsunfähig
    + Medikation: 250mg Azathioprin, 4g Mesalazin, Klysmen 4g Mesalazin
Meine Fragen
  • + Welche Gesundheitsstörungen kann / sollte man aufführen? Ich habe bisher die Colitis Ulcerosa und Depression aufgeschrieben.
    + Was fügt man dem Antrag bei? Folgendes habe ich / erstelle ich:
    • + Kurzbericht letzte Koloskopie
      + Erstdiagnose
      + Bericht Tagesablauf
      + Lichtbild
    + Was sollte in einem Bericht Tagesablauf stehen? Worauf kommt es an?
    + Was sollte ich sonst noch beachten?
Viele Grüße

König

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Thilo
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von Thilo »

Hallo König,

damit die Behörde eine sachgerechte Entscheidung treffen kann, ist sie auf aussagefähige Informationen angewiesen.

Stellt man einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderteneigenschaft, wird das Amt in aller Regel nur einen Arzt anschreiben und dort um Auskünfte bitten. Es ist der Behörde alleine Kostengründen nicht möglich bei allen aufgeführten Behandlern kostenpflichtige Atteste anzufordern. Auch unter diesem Aspekt sind viele Feststellungen am Ende nicht den Erkrankungen angemessen.

Deinen Psychologen solltest du um ein ärztliches Attest bitten, aus dem zum einen die Diagnose(n) und zum anderen die Auswirkungen deiner Depression hervorgehen. Auch dein Gastroenterologe könnte dir ein zeitnahes Attest mit den (schweren) Auswirkungen deiner CU ausstellen. Idealerweise könnte er einen GdB vorschlagen, der dem aktuellen Stand deiner CU angemessen ist. Beide Atteste dem Antrag hinzufügen und alles ist von deiner Seite aus getan.

Insgesamt gesehen ist es wichtig, die Einschränkungen durch deine Erkrankungen im Hinblick auf gesunde Menschen zu beschreiben.

Du schreibst, dass du "nach Erleichterung und Anerkennung deiner Erkrankung suchst". Was genau meinst du damit?

Gruß

Thilo

König
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von König »

Hallo Thilo,

du hast mir schon viel geholfen. Meine Ärzte sagten mir allesamt, dass sich das Versorgungsamt nach Antragsstellung bei ihnen melden würde. Ich werde nochmal nachfragen. Wäre ja doch sehr ungünstig, wenn hier nicht der volle Umfang meiner Beeinträchtigung zum Tragen kommt.

Erleichtern würde mich zum Beispiel der GDB ab 50 mit besserem Kündigungsschutz oder eine gesonderte Parkerlaubnis "wenn es mal schnell gehen muss". Die Anerkennung war vielleicht ewas ungünstig formuliert. Ich bin bisher nicht offen mit meiner Erkrankung umgegangen und habe sie verdrängt. Problematisch ist für mich auch, dass man mir meine Beeinträchtigung im Altag nicht ansieht. Mit entsprechendem Ausweis würde ich mich ernstgenommen fühlen.

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neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von neptun »

Hallo König,

ich denke, Du trägst viel zu viele Erwartungen in die Schwerbehinderung hinein.

Der auf dem Papier vorhandene bessere Kündigungsschutz, der wird in der Regel und im Bedarfsfall leider eher leere Hülle bleiben, denn die allgemeine Erkenntnis zeigt, wenn ein Arbeitgeber kündigen will, so wird er Wege finden. Dazu ist das Integrationsamt auch nicht unbedingt auf der Seite der Arbeitnehmer, wie ich, aber auch viele andere, erfahren durften.
Viel wichtiger wäre da, man hat einen größeren Betrieb, in dem man arbeitet, mit einem starken Betriebsrat und mit einem Behindertenbeauftragten. Da kann man dann bei Bedarf vorstellig werden und Unterstützung erwarten. Realistisch wäre z.B., wenn die Behinderung einen behinderungsgerechten Arbeitsplatz erfordert. Da können dann die 3 Parteien, also AG, BR mit dem Beauftragten und das Integrationsamt, Lösungen gemeinsam erarbeiten.

Ich habe vor Jahren auch den GdB 50 angestrebt, weil ich meine Arbeit mit vielen Tagen Außendienst durch meinen imperativen Stuhldrang nicht mehr ohne Einschränkungen ausführen konnte. So brauchte ich einen Nachweis für meinen AG, denn einfach nur sagen, ich kann nicht, das reicht in der Regel im Arbeitsleben nicht aus. Und als Arbeitsverweigerung wollte ich es nun auch nicht gelten lassen, fall es Schwierigkeiten gegeben hätte.

Außerdem wirst Du auch nicht den orangenen Parkausweis bekommen, denn der setzt eine Bewertung von min GdB 60 für mc oder cu allein voraus.

Da bleibt dann eigentlich nur noch eine kleine Steuerersparnis, wenn man min den GdB 50 erhalten hat und genügend verdient.

Weswegen ich Dir aber hauptsächlich schreibe, man sollte die Schwerbehinderung keinesfalls als irgend eine Legitimation, als Begründung ansehen. Auch sollte man sich nicht über sie definieren, weder, daß man psychisch einen Knacks bekommt, weil man ach so schwer betroffen ist, noch, daß man Anerkennung bekommt. Und freue Dich, wenn Du eine CED hast, die Dir nicht anzusehen ist.

Man hat eben eine CED. Niemand kennt seinen Verlauf. Die meisten haben einen leichten Verlauf. Jeder andere kann auch wieder mit Remission rechnen, früher oder später. Niemand kann etwas für eine chronische Erkrankung. Sie geht nur einen selbst an. Deine Umwelt kann davon erfahren und sie reagiert so, wie sie es als richtig empfindet, nicht Du. Und es gibt sehr viele Erkrankungen, auch in jungen Jahren, teils auch chronisch, und die möchte man im allgemeinen auch nicht haben. Denke mal drüber nach.

Dein Nick ist doch König, wo sind da das Selbstbewußtsein und das Selbstverständnis?

LG Neptun

König
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von König »

Hallo Neptun,

ehrlich gesagt finde ich deinen Beitrag wenig hilfreich. Für mich ist der Umgang mit meiner Krankheit bisher sehr schwierig gewesen. Denn ich habe meine Beschwerden nicht ernstgenommen und auch den Kontakt zu Ärzten gescheut. Nun will ich dies ändern und suche nach Hilfe. Zum Beispiel Frage ich mich, was ich bei einem Antrag auf Feststellung einer Behinderung beachten sollte. Dass du deine Erfahrung im Bezug auf den Kündigungsschutz teilst, finde ich interessant, beantwortet aber meine Frage nicht.

Mir ist klar, dass nicht alles Gut ist sobald ich einen GDB x habe ... :roll:

Ist es denn nicht legititm alle Möglichkeiten zu nutzen die es gibt? Denn das ist mein Ziel. Was es gibt, dass möchte ich auch nutzen und letzten Endes kommt das Aschenputtel-Prinzip ("Das Gute ins...").

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Thilo
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von Thilo »

Hallo König,

am Ende wirst du vermutlich nicht viel finden, was du ins Töpfchen Legen kannst. :); außer möglicherweise die behördliche Anerkennung.

Im Laufe vieler Jahre Forumszugehörigkeit kann ich immer wieder ein bestimmtest Muster finden. Menschen stellen den Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung und sind am Ende enttäuscht, dass die vermeintlichen Nachteilsausgleiche nicht wirklich vorhanden sind. Weder gibt es einen echten Kündigungsschutz, noch sind die so oft ins Feld geführten Steuervorteile wirklich relevant und vor dem begehrten Parkausweis stehen ganz hohe Hürden.

Vor Jahren schrieb ich zum Thema "Nachteile einer Schwerbehinderung". Wenn du magst, kannst du gerne mal lesen: https://www.dccv.de/service/archiv/news ... hinderung/ Vielleicht hilft es dir ein Stück weiter diffuse Vorstellung und harte Realität auf "gerade Füsse" zu stellen.

Gruß

Thilo

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neptun
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von neptun »

Hallo König,

ehrlich sollte man sowieso hier, wie insgesamt im Leben sein.

Du wirst keine informativere Antwort bekommen, denn darin steht alles, was Du erwarten kannst, falls Du den GdB 50 oder höher bekommen solltest. Und es ist darin der wirklich einzige Grund zu finden, der den Antrag auf Schwerbehinderung nicht nur rechtfertigt sondern geradezu fordert. Das merkt man dann, wenn man im Erwerbsleben steht und es um einen Arbeitsplatz geht, also um eine existentielle Frage.
Anderes an Erleichterungen ist eher Beiwerk.

Dann könntest Du auch meine Ausführungen zum Grund Anerkennung Deiner Person mit einem GdB 50 ernst nehmen. Du bemerkst zwar Defizite bei Dir, willst Du Dich ihnen aber wirklich stellen, sie abarbeiten? Deine Antwort erscheint mir, als ob Du da leider noch weit entfernt bist.

Sollte ich wiederholen, was Thilo bereits geschrieben hatte? Dann doch lieber in meinen Augen sinnvolle Ergänzungen.
Schade, daß Du es nicht so siehst. Aber vielleicht ja später.

LG Neptun

König
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von König »

Hallo Thilo,

danke , dass du mir hilfst realistische Erwartungen an den Tag zulegen. Ich denke, dass ich dahingehend noch viele Erfahrungen machen werde/muss. Jedoch weis ich, dass auch schlechte Erfahrungen ein großes Potenzial haben.

König
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von König »

neptun hat geschrieben: Du bemerkst zwar Defizite bei Dir, willst Du Dich ihnen aber wirklich stellen, sie abarbeiten? Deine Antwort erscheint mir, als ob Du da leider noch weit entfernt bist.
Hallo Neptun,

ich habe nicht darum gebeten, zu erörtern wie weit ich bin und welche Defizite ich habe. Wo ich mich also gerade auf meiner Reise befinden ist hier nicht das Thema.
Ebensowenig habe ich darum gebeten meinen Benutzernamen zu analysieren. Auch Helfen will gelernt sein.

Für mich sind eher praktische Fragen relevant:
König hat geschrieben:+ Was sollte in einem Bericht Tagesablauf stehen? Worauf kommt es an?

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Thilo
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Re: GDB - Hilfe zum Erstantrag

Beitrag von Thilo »

Hallo König,

Ob du deinem Antrag einen "Bericht Tagesablauf" beifügst, ist nach meiner Erfahrung eher belanglos. Diese Patientendarstellung wird vom medizinischen Dienst des Versorgungsamtes eher als subjektive Darstellung gewertet und findet keine Berücksichtigung bei der Feststellung eines GdB, es sei denn, die fachärztliche Stellungnahme würde dies deutlich untermauern.

Entscheidend für die Festsetzung des GdB sind in erster Linie die ärztlichen Berichte.

Ein kleiner Tipp von mir am Rande: Du bist neu im Forum und suchst Rat; benötigst evtl. auch in der Zukunft Hilfe. Es stünde dir gut, wenn du nicht von vorneherein wegen dir nicht genehmer Antworten auf "Konfrontationskurs" gehst. Du darfst, musst aber nicht jede Antwort bewerten. ;) In einem öffentlichen Forum wird man sich die Antworten nicht aussuchen können. Denk mal darüber nach.

Gruß

Thilo

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