Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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minimonster
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Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Beitrag von minimonster »

Hallo,

meine Frage ist recht speziell, im Netz kann ich keine Antwort finden, die mir vorerst grob weiterhilft und deshalb stelle ich sie hier mal hoffnungsvoll ein.

Vorweg: Geld für eine Beratung beim RA habe ich ( derzeit ) keines.

Meine Tochter ist 16 und ich bin vom Vater des Kindes schon sehr lange getrennt. Verheiratet war ich mit diesem nie.

Nach der Geburt veranlasste ich, dass er ebenfalls ein Sorgerecht bekam. Das war 1998 und damals konnte man es dem Kindsvater anbieten, musste es jedoch nicht.

Bis das Kind 3 Jahre alt war, wurde Unterhalt bezahlt, dann nicht mehr. Ich habe es nie amtlich geltend machen lassen, da wir nebeneinander wohnen ( immer noch ) und das Kind ziemlich exakt die Hälfte der Zeit bei ihm ist. Diese Regelung wurde nie irgendwo schriftlich fixiert, wir haben uns so geeignet, dass das Kind Vater UND Mutter hat, trotz Trennung. Ich wollte nie, dass sie ( meine Tochter ) den Papa nur alle 14 Tage am Wochenende sehen kann.

Aus diesem Grund wohnen wir auch nebeneinander - ich habe ihm nach der Trennung eine Haushälfte abgekauft und bin da eingezogen, weil ich es als die beste Lösung ansah. Das Kind sollte nicht aus allem rausgerissen werden.

So wohne ich auch heute noch - es sind zwei streng getrennte Wohnräume, ich in meinem Haus, der Vater in seinem. Wie eine Doppelhaushälfte, kann man es sich vorstellen, auch alles so im Grundbuch eingetragen. Strenggenommen ist es eine Eigentumswohnung, in der ich wohne.

Seit vielen Jahren bezahle ich alles, was so fürs Kind anfällt. Kleidung, Schulbücher, Mobiltelefon...was immer mehr wird, da sie älter wird.
Ich bekomme auch das Kindergeld.

Der Vater bezahlt ihr 20 Eu Taschengeld, die auf ein Sparbuch gehen und den Sportverein ( 13 Eu / Monat ) Dann noch Essen, Trinken, Nebenkosten, wenn sie bei ihm ist ( Strom, Wasser usw. )

Ich bezahle ansonsten alles (!) und inzwischen ist es so, dass für mich nicht mehr wirklich viel übrig bleibt. Letztes Jahr im Mai habe ich mir eine neue Hose gekauft, davor 5 Jahre kein neue Kleidung. Seitdem auch nichts mehr.

Es soll meinem Kind an nichts mangeln - ich gebe ihr, was ich kann. Das reicht leider nicht immer. Morgen bezahle ich eine Brille für sie, die 240 Eu kostet..,Kleidung, Taschengeld...Busfahrkarte...Klassenfahrt...

Der Vater sagt, dass ich ja das Kindergeld erhalte und sie zu gleichen Teilen bei mir und bei ihm ist, so dass er nichts weiter dazu gibt.

Ich erhalte EMR und kann leider nicht arbeiten...ich weiß nicht, wo ich noch sparen kann.

Er ist selbstständig sieht es nicht ein, etwas zu einer nötigen Anschaffung zu geben. Das Kindergeld reicht aber nicht. Alleine die Kosten für die Brille sind für mich eine hohe Belastung.

Ich möchte gerne wissen, ob es richtig ist, dass der Vater wirklich nichts weiter bezahlen muss, weil ich das Kindergeld erhalte und das Kind zu 50 % beim Vater wohnt.

Sicherlich ist das alles jetzt recht konfus geschrieben. Wenn etwas unklar ist, einfach nachfragen.

LG Minimonster

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froggy
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Re: Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Beitrag von froggy »

Hallo Minimonster,

auch wenn das DCCV-Forum eher einen anderen Schwerpunkt hat, hat mich das Thema interessiert.

Ich glaub ganz so einfach kann man es sich nicht machen, mit der Berechnung. Schau am besten mal bei Google nach "wechselmodell unterhalt". Da wird im Normalfall das Einkommen der einzelnen Eltern nach Abzug des Selbstbehalts ins Verhältnis gesetzt. Danach ergeben sich nach Verrechnung des Kindergelds die Anteile die jeder zu zahlen hat.

Wie gesagt, wenn du bei Google nach den Begriffen schaust, tauchen ganz oben schon gute Seiten mit Beispielberechnung auf. Vielleicht helfen die ja schon, dass du und der Kindsvater ein Gefühl dafür bekommt, wie der Unterhalt korrekt berechnet werden sollte. Vielleicht findet ihr ja so schon eine gute Lösung, auch ohne großen Klageweg.

Beste Grüße
Christian
Die Welt ist das, was ich von ihr denke.

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Thilo
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Re: Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Beitrag von Thilo »

Hallo Minimonster,

du hast die Gegebenheiten umfassend dargestellt. Trotzdem sind alle Details des Einzelfalles zu bewerten.

Beispielsweise ist bei Unterhaltszahlungen immer das monatliche Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen zu berücksicksichtigen. Je höher das Nettoeinkommen, desto höher die Leistungspflicht nach der Düsseldorfer Tabelle.

Kindergeldzahlungen werden bei minderjährigen Kindern hälftig auf die Unterhaltsleistung angerechnet.

Ich empfehle Dir das Jugendamt deiner Gemeinde aufzusuchen. Dort kannst du deinen "Fall" einmal vortragen. Man berät dich kostenlos und hilft Dir insbesonders unter spezieller Berücksichtigung deines Einzelfalles weiter; gegebenenfalls mit Unterhaltsvorschuß, den man sich bei dem Unterhaltspflichtigen wieder zurückholt.

Liebe Grüße

Thilo

Spinnwebe
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Re: Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Beitrag von Spinnwebe »

gegebenenfalls mit Unterhaltsvorschuß, den man sich bei dem Unterhaltspflichtigen wieder zurückholt.
Unterhaltsvorschuß gibt es nur bis zum vollendeten 12. Lebensjahr des Kindes. Danach gibt es nichts mehr wenn der Unterhaltspflichtige nicht fähig oder willens ist, Unterhalt zu zahlen.

Ich würde auch eine Beratung beim Jugendamt empfehlen.
Herzlich grüßt
die Spinnwebe


MC Diagnose 2005, beschwerdefrei durch TCM und Ernährungsumstellung seit 2009

minimonster
Dauergast
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Registriert: Sa 29. Dez 2012, 20:11

Re: Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Beitrag von minimonster »

Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten, insbesondere für das Stichwort Wechselmodell.

Das Problem liegt nach erneutem Gespräch exakt dort, dass der Vater unseres Kindes nicht anerkennen will, dass die Höhe der jeweiligen Einkünfte eine wesentliche Rolle spielen. Nach seinen Ausführungen sieht er eine Beteiligung an Kosten nicht ein, da es nicht sein Problem ist, wie hoch oder klein mein Budget ist. Er empfiehlt mir, meine Ausgaben für mich selbst zu optimieren. Ich werde ihm ein Namensschild für die Haustür basteln: Herr X - Dipl.Zyniker.

Wie hoch sein Nettoeinkommen ist, weiß ich nicht genau,sicherlich aber das Dreifache meiner EMR.

Er hat mir mal erklärt, dass er sich als Selbstständiger auch sein Einkommen so auslegen kann, dass er nur sehr wenig hätte ( wenn er es behördlich, aufgrund eines etwaigen Forderungsbestrebens von mir, einen Nachweis erbringen müsse )

Für lange Rechtsstreitigkeiten hätte ich weder die finanziellen Mittel, die notwendige Kraft dazu noch würde es dem Kind gut tun.

Auf den Rückruf von JA warte ich noch, man muss klären, ob man noch zuständig ist, da Kind > 12 Jahre.

Vielen Dank!

LG von Minimonster

Spinnwebe
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Registriert: So 23. Dez 2012, 09:03

Re: Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Beitrag von Spinnwebe »

Hallo Minimonster,

ich vermute fast, dass Du beim Jugendamt keine Hilfe bekommen wirst, aufgrund des Alters des Kindes.

Mit geringem Einkommen bekommt man Prozesskostenhilfe, das weißt Du sicher. Allerdings bekommt man die wirklich nur, wenn es zum Prozess kommt. Läßt man sich nur beraten, bekommt man nichts.
Die Drohungen des Vaters des Kindes das Einkommen niedrig zu rechnen, zeigen mir mal wieder deutlich, dass man Gutmütigkeit nur selten gedankt bekommt.
Gang zum Sozialamt (oder wie das jetzt heißt) oder zur Kindergeldkasse? um Kindergeldzuschlag zu beantragen wäre noch eine Möglichkeit. Könnte sein, dass die dann den Vater zur Offenlegung der Vermögensverhältnisse zwingen, somit hättest Du zumindest keine Kosten. Und das gute Verhältnis scheint eh hinüber.
da es nicht sein Problem ist, wie hoch oder klein mein Budget ist.
Das ist leider so. Während der Unterhaltsverpflichtete immer einen gesetzlich festgelegten Selbstbehalt übrig hat nach Zahlung des Unterhaltes, ist es völlig egal, wie viel derjenige zur Verfügung hat, bei dem das Kind mehr als nur "Wochenendkosten" verusacht.

Ich hoffe, Ihr findet schnell eine für Dich zufriedenstellende Lösung!
Herzlich grüßt
die Spinnwebe


MC Diagnose 2005, beschwerdefrei durch TCM und Ernährungsumstellung seit 2009

Konrad
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Registriert: Do 20. Dez 2012, 22:08

Re: Frage zum Unterhaltsrecht Kinder

Beitrag von Konrad »

Hi Minimonster,

ohne jetzt selber da fachlich bewandert zu sein, mal ein paar Gedanken:

- Eure Tochter ist 16 und allem Vernehmen nach habt ihr Euch schon bald nach ihrer Geburt getrennt
- Du hast all die Jahre über auf Leistungen des Kindsvaters mehr oder weniger verzichtet, jedenfalls ist da wohl nichts amtlich bekannt
- Ihr bewohnt (nach aussen hin) einvernehmlich ein Haus, wo sich beide Elternteile um das Kind kümmern

Nach all den Jahren jetzt eine größere finanzielle Beteiligung des Vaters durchzusetzen wird wohl sehr schwer werden. Die Gegenseite wird immer wieder fragen: Warum erst jetzt?
Natürlich kann man eine Klage anstreben, dafür wird man allerdings trotz Prozesskostenbeihilfe etc.einen langen Atem haben müssen. Nicht zu vergessen hierbei das dann entstehende "wenig erbauliche Klima" im Hause

So blöd wie's klingt, aber permanente Bearbeitung auch durch Deine Tochter sind kurzfristig zielführender, wenn der Hausfrieden bewahrt werden soll. Irgendwann wird auch der Vater einsehen müssen, dass seine Tochter einen vernünftigen Start ins Leben verdient hat, und dass auch Du mehr als eine Hose in 5 Jahren brauchst.

LG Konrad
Timschal

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