Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßnahme

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßnahme

Beitragvon tigrib » Mi 10. Okt 2018, 10:18

Hallo zusammen,

ich bräuchte einen Rat:

Vom 27.12.2017 bis 17.01.2018 war ich in einer medizinischen Reha-Maßnahme von der Dt. RV (Antrag aus eigeninitiative gestellt, da ich baldmöglichst nach meinem schweren Schub wieder arbeiten gehen wollte). Diese hat leider nicht zum gewünschten Ergebnis geführt, da ich aktuell immer noch arbeitsunfähig bin. Jetzt hat die Krankenkasse ein Gutachten beim medizinischen Dienst (MdK) in Auftrag gegeben, welcher in der Schlussfolgerung feststellte, dass meine "Erwerbsfähigkeit stark gefährdet bzw. gemindert" ist - so der konkrete Wortlaut des Bescheides. Meine Krankenkasse ist nun der Meinung, dass der MdK durch diese Äußerung in seinem Bericht eine erneute medizinische Reha-Maßnahme angeordnete hätte und fordert mich auf einen Reha-Antrag zu stellen, obwohl der Krankenkasse sehr wohl die Unterlagen über die bereits erfolgte Reha vorliegen, da ich zu diesem Zeitpunkt auch in Krankengeldbezug war und es daher gemeldet habe.

Meine Frage wäre nun, ob jemand bereits dieselbe Situation hatte, dass innerhalb von 12 Monate zu einer erneuten Reha aufgefordert wurde und ob dies von der Rentenversicherung auch genehmigt wurde.

Würde mich freuen, wenn ich mich hier mit jemanden austauschen könnte. :)
tigrib
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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon Thilo » Mi 10. Okt 2018, 11:09

Hallo tigrib,

das ist schon sehr ungewöhnlich, aber deine Krankenkasse möchte dich vermutlich aus dem Krankengeldbezug heraus haben.

Die Aussage der ersten Reha: "Erwerbsfähigkeit stark gefährdet bzw. gemindert" war nicht eindeutig genug, um dich aufzufordern einen Rentenantrag zu stellen. Selbst, wenn dir die Rentenversicherung nur für ein paar Monate eine Zeitrente bewilligt würde, wärest du erst einmal aus der Krankengeldzahlung raus. Ein riesiger Verschiebebahnhof. Was mit dir bzw. deinem Arbeitsplatz passiert interessiert niemanden. Kosten auf andere Leistungsträger abwälzen - darum geht es.

Stellst du nun einen erneuten Reha-Antrag und es stellt sich heraus, dass du z. Zt. krankheitsbedingt nur noch unter 3 Stunden arbeiten kannst, wird dich deine Krankenkasse auffordern innerhalb acht Wochen einen Rentenantrag zu stellen. Machst du das nicht, werden Sie dir das Krankenkeld streichen.

Gruß

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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon Kaja » Mi 10. Okt 2018, 16:12

Hallo tigrib,

ich kann mich nur Thilos Vermutung anschließen.

Aber insgesamt wissen wir viel zu wenig über Dich.
- wie alt bist Du?
- welche CED hast Du?
- welche Medikamente nimmst Du?
- bist Du bereits operiert?
- wie lange bist Du jetzt schon im Schub AU?

Was mich auch irritiert, im Schub in die Reha. Was hast Du da gemacht? Welche Behandlungen hattest Du und was steht im Entlassbericht? Hier schon mal nachgelesen, welche Weichen dort evtl. gestellt worden sind?

Ganz ehrlich, wäre ich im Schub in die Reha gegangen, das wäre Perlen für die Säue, weil ich hätte nix machen können! Welchen Benefit hat da eine Reha.

Wichtig wäre auch, was sagt denn Dein Gastro zu dem Vorgehen??? Da er Dich ja AU schreibt, kann der auch an Rädern drehen und Kontakt zur KK aufnehmen.

Viele Grüße

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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon Thilo » Mi 10. Okt 2018, 16:48

Hallo Kaja,

ich denke an der Vorgehensweise der Krankenkasse ist klar erkennbar in welche Richtung das Prozedere gehen soll.

Alter, Art der CED, Medikamente und Voroperationen spielen bei der Beantwortung der Frage von "tigrib" keine Rolle.

....... und: Ärzte sind keine Sozialmediziner! Meiner langjährigen Erfahrung nach drehen Ärzte äußerst ungern an "Rädern"
und halten sich gerne zurück, wenn es um Kontakte mit der Krankenkasse geht. Die sind eher froh, wenn sie von der KK
nicht behelligt werden und kein Druck bei langer Krankschreibung aufgebaut wird.

Einen Arzt zu finden, der sich über den Rahmen der medizinischen Behandlung auch auf menschlicher Basis für seine
Patienten einsetzt, fällt heutzutage schwer. Leider ist vielen (nicht allen) niedergelassenen Ärzten das Rückgrat abhanden
gekommen. Fällt ein Arzt beispielsweise wegen längerer Krankschreibungen auf, muss er immer wieder mit Nachfragen
vom "Fallmanager" der KK rechnen. "Wann ist der Patient wieder arbeitsfähig, welche Massnahmen zur Gesundung schlagen
sie vor, sollen wir die Wiedereingliederung einleiten", usw., usw. Hier wird mehr oder weniger permanent subtiler Druck aufgebaut.

Was mich allerdings in diesem Fall wundert. Warum hat die KK überhaupt so lange gewartet um jetzt die "Daumenschrauben" anzuziehen?

Gruß

Thilo
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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon neptun » Mi 10. Okt 2018, 17:23

Hallo,

meiner Meinung nach setzt sich der Arzt für den Betroffenen ein, denn mehr als die lange AU kann er nicht liefern. Außer natürlich einer adäquaten und hoffentlich erfolgreichen Therapie.

Warum nun wartet die KK ein Jahr ? Meines Wissens ist es den kürzeste Zeitraum, in dem eine erneute Reha anstehen kann. Hat man mir auch damals empfohlen, noch einmal einen Antrag auf Reha nach einem Jahr zu stellen, nicht erst nach 4 Jahren. Das überholte sich dann durch meinen EM-Rentenantrag. Auch ich war sehr lange AU.

Sicher wird die KK darauf drängen, tigrib in die EM-Rente zu drücken. Wie wir wissen, ihr einziger Weg, überhaupt handeln zu können. Und nach so langer AU, ist dies dann nicht auch im Interesse des Betroffenen? Schließlich läuft die Zeit und dann käme ALG1 aufgrund Nahtlosigkeit. Aber eben nur bei Rentenantrag. Und wenn überhaupt ein Anspruch besteht. Da kann es sogar schnell sehr eng werden, um sich nicht in der Sozialhilfe wieder zu finden. Denn das kann erst recht weitreichende Folgen für die Zukunft haben, wenn man auch den eingeschränkten Lebensstandard nicht mehr halten kann.

Tigrib kann die Sache zwar verzögern, ist aber trotzdem zur Mitwirkung nach Gesetz verpflichtet.

Der MdK ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen. Er nimmt also nur die Interessen der KK wahr. Begutachtung bei AU ist seine originäre Arbeit. Gehandelt wird u.a. nach:
Anleitung zur sozialmedizinischen Beratung und Begutachtung bei Arbeitsunfähigkeit (ABBA 2004)

Nun wissen wir nicht, was im Reha-Entlassungsbericht drin steht, mit welcher Prognose/Aussage Tigrib dort entlassen wurde.
Aber die Einschätzung des MdK ("Erwerbsfähigkeit stark gefährdet bzw. gemindert") ist klar und fordert damit Handlung.

LG Neptun
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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon tigrib » Mi 10. Okt 2018, 23:26

Danke erstmal für die Antworten.

Ich bin damals in Reha gegangen, weil ich nach 6 Wochen Krankenhausaufenthalt während des Schubes in so schlechter Verfassung war (innerhalb von 2 Wochen 15 Kilo abgenommen, konnte nicht mehr als 2 Treppen ohne Pause steigen, nach ca. 150 m ist mein Kreislauf abgesackt) dass meine Erwartung an die Reha war, wieder auf die Beine zu kommen und wieder selbständig zu leben - auch wenn ich während des Schubes in die Reha bin. Dies habe ich dank der Reha auch erreicht, dass meine allgemeine körperliche Verfassung danach besser war.

Laut meinem Gastro war ich seit Ende der Reha in Remission, hatte aber weiterhin Beschwerden. Blutwerte waren immer mit erhöhtem CRP, Stuhl wurde nie untersucht. Die AU wurden seit Januar durch meine Psychologin ausgestellt, da mein Gastro ja der Meinung war, ich bin geheilt und die Schmerzen und Durchfälle bilde ich mir nur ein. Ich habe dann vor 4 Monaten eine Zweitmeinung bei einem anderen Gastro eingeholt, der sofort eine Stuhluntersuchung durchgeführt hat und seitdem auch regelmäßig den Wert (immer um die 1200) überprüft. Derzeit sind wir am überprüfen, inwieweit eine andere Therapie (derzeit bekomme ich Infliximap alle 8 Wochen) oder eine Anpassung der aktuellen Therapie eine Besserung herbeiführen kann.

Krankengeld bekomme ich jetzt seit 01.08.2017, da zu diesem Datum mein Arbeitsverhältnis mit meinem letzten Arbeitgeber geendet hat. Derzeit ist aufgrund meiner Beschwerden (Gelenkschmerzen in Knien, Hüfte, Finger, Schultern verursacht durch meinen MC) nicht an arbeiten zu denken, da ich einfach keine 8 Stunden am PC sitzen und tippen kann. Meine Psychiaterin und mein neuer Gastro sind da wirklich topp und unterstützen mich bei allem soweit sie können. Auch was den Kontakt zur Krankenkasse und Rentenversicherung angeht.
Krankengeld bekomme ich noch bis Januar 2019 - zum Januar 2019 wollte ich Rente beantragen, dass darf ich ja aufgrund der Aufforderung jetzt nicht mehr, wenn ich das richtig verstanden habe.

Ich frage mich halt einfach, ob die Gelenkbeschwerden, Bauchschmerzen, Schluckbeschwerden und Durchfälle, welche mir mein MC beschert, wirklich durch eine Reha gebessert werden können. Ich sehe die Schuld eher bei meinem alten Gastro, der es versäumt hat eine ordentliche Verlaufskontrolle durchzuführen, ob meine Medikamente überhaupt wirken wie sie sollen.

Zu meinem Entlassungsbericht der Reha im Januar: Zur Entlassung hatte ich immer noch Durchfälle und erhebliche Beschwerden. Ich habe dann von meinem Hausarzt erfahren, dass im Rehabericht stand, dass ich 6 Wochen nach Entlassung wieder voll erwerbsfähig sei, was nicht den Tatsachen entsprach.
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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon Kaja » Do 11. Okt 2018, 09:35

Hallo tigrib,

auf jeden Fall solltest Du bei dem neuen Gastro in Behandlung bleiben.

Nach dem was Du schreibst nehme ich an, weil so wie Du schreibst Deine Psychologin Dich AU geschrieben hat, wurde vom MDK in die psychologische Richtung bewertet und man möchte Dir jetzt auf diesem Gebiet helfen.

Kennst Du das GA vom MDK und hast es vorliegen?

Wurde das GA persönlich erstellt oder per Aktenlage?

Viele Grüße

Kaja
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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon neptun » Do 11. Okt 2018, 10:48

Hallo tigrib,

Du solltest Dir Deinen Reha-Abschlußbericht besorgen und einen Ordner anlegen. Darin dann alle Befunde sammeln, die sich bei den verschiedenen Erkrankungen ansammeln. Speziell die CED, man wird sie ja sein Leben nicht los, kennt nur seinen Verlauf nicht, und verliert so nicht den Überblick. Dazu wäre ein Arztwechsel auch leichter, z.B. bei Umzug oder Unzufriedenheit.

Du kannst die KK anrufen und ihr mitteilen, daß Du umgehend eine EM-Rente beantragen willst. Auch wenn Du jetzt kein Direktionsrecht mehr hast, sie werden Dir sagen, ob es geht und was sie davon halten und sicher wollen sie auch etwas zur Bestätigung, z.B. Kopie des Antrages.
Eigentlich sollten die ja erfreut sein.

LG Neptun
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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon tigrib » Fr 12. Okt 2018, 17:26

Kaja hat geschrieben:Nach dem was Du schreibst nehme ich an, weil so wie Du schreibst Deine Psychologin Dich AU geschrieben hat, wurde vom MDK in die psychologische Richtung bewertet und man möchte Dir jetzt auf diesem Gebiet helfen.

Kennst Du das GA vom MDK und hast es vorliegen?

Wurde das GA persönlich erstellt oder per Aktenlage?


Der MdK hat meine Situation im Gesamtbild bewertet. Das Gutachten liegt mir vor und wurde per Aktenlage erstellt - ich hatte nie Kontakt zum MdK.

neptun hat geschrieben:Du solltest Dir Deinen Reha-Abschlußbericht besorgen und einen Ordner anlegen. Darin dann alle Befunde sammeln, die sich bei den verschiedenen Erkrankungen ansammeln. Speziell die CED, man wird sie ja sein Leben nicht los, kennt nur seinen Verlauf nicht, und verliert so nicht den Überblick. Dazu wäre ein Arztwechsel auch leichter, z.B. bei Umzug oder Unzufriedenheit.

Du kannst die KK anrufen und ihr mitteilen, daß Du umgehend eine EM-Rente beantragen willst. Auch wenn Du jetzt kein Direktionsrecht mehr hast, sie werden Dir sagen, ob es geht und was sie davon halten und sicher wollen sie auch etwas zur Bestätigung, z.B. Kopie des Antrages.
Eigentlich sollten die ja erfreut sein.


Ein solcher Ordner bestand schon vor meiner Erkrankung (bin Personalerin und daher sehr gut organisiert) sämtliche Unterlagen liegen mir lückenlos vor und wurden auch meinem neuen Gastro vorgelegt, damit er sich ein umfassendes Bild von meinem bisherigen Verlauf machen konnte.

Bezüglich EM-Rente habe ich meine Sachbearbeiterin schon angesprochen. Diese war jedoch wenig hilfreich und meinte im genauen Wortlaut "beantragen Sie die Reha lieber, da sie eh keine Chance auf eine Rente haben." Bekomme da seitens KK also keine Genehmigung die EM-Rente direkt zu beantragen.
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Re: Aufforderung zur Reha trotz bereits erfolgter Reha-Maßna

Beitragvon Thilo » Fr 12. Okt 2018, 17:55

Bezüglich EM-Rente habe ich meine Sachbearbeiterin schon angesprochen. Diese war jedoch wenig hilfreich und meinte im genauen Wortlaut "beantragen Sie die Reha lieber, da sie eh keine Chance auf eine Rente haben." Bekomme da seitens KK also keine Genehmigung die EM-Rente direkt zu beantragen.



Hallo tigrib,

Die Krankenkasse hat hinsichtlich einer Erwerbsminderungrente nichts zu genehmigen. Weder einen Antrag noch etwas anderes.
Eine Sachbearbeiterin kann auch nicht einschätzen ob ein Rentenantrag am Ende Erfolg hat. Diese Dame überschätzt sich offensichtlich.

Jede/r Versicherte kann zu jeder Zeit einen Rentenantrag bei der Rentenversicherung stellen. Nur bei der Rentenversicherung wird das
Antragsverfahren geprüft und durchgeführt. Ob ein Antrag Erfolg hat, entscheidet alleine die Rentenversicherung. Meist nach Vorstellung
bei einem Gutachter der Rentenversicherung.

Selbstverständlich kann ein Antrag auch abgelehnt werden. Dann bleibt das Widerspruchsverfahren.

Gruß

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