Verbeamtung CU mit Immunsupression

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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Patrick
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Beiträge: 6
Registriert: Mi 29. Jan 2020, 16:47

Verbeamtung CU mit Immunsupression

Beitrag von Patrick »

Hallo an alle,

ich studiere Lehramt in Baden-Württemberg und habe vor einem Jahr die Diagnose Colitis Ulcerosa erhalten. Seitdem nehme ich Ustekinumab (Stelara), wodurch ich nahezu beschwerdefrei geworden bin, jedoch ohne Stelara wieder in alte Muster zurückfallen würde.

In nicht allzu langer Zeit bin ich mit meinem Studium fertig und mache mir natürlich Gedanken über die in einigen Jahren folgende Verbeamtung. Wi stehen die Chancen mit CU als Lehrer in das Verbeamtenverhältnis zu kommen? Könntet ihr mir eure Erfahrungen teilen? Ich habe mich erkundigt und bereits gesehen, dass eine Verbeamtung durch ein Urteil 2013 wahrscheinlicher geworden ist, da nun die Beweislast umgekehrt wurde und der Beweis erbracht werden muss, dass es im konkreten Fall zu einer verfrühten Dienstunfähigkeit kommen wird.

Könntet ihr mir weiterhelfen?


Vielen Dank euch schon einmal im Voraus!

LG Patrick

Kaja
könnte auch hier einziehen
Beiträge: 922
Registriert: Mo 5. Okt 2015, 13:39
Diagnose: MC

Re: Verbeamtung CU mit Immunsupression

Beitrag von Kaja »

Hallo Patrick,

die Glaskugel für Dich hat leider niemand...

Aber es gibt hier im Forum so manche Gerichtsurteile oder auch im WWW zu Deiner Fragestellung.

Hast Du die Suchfunktion hier schon bemüht und das WWW?

Viele Grüße

Kaja

HankMoody
ist öfter hier
Beiträge: 28
Registriert: Fr 9. Jun 2017, 12:18

Re: Verbeamtung CU mit Immunsupression

Beitrag von HankMoody »

Hallo Patrick,

Ich wurde damals (2010) bei einem eher schweren CU-Verlauf mit einigen zugedrückten Augen und zum Glück sonst unauffälligen Untersuchungen (Blutwerte, EKG, Hör-/Sehtest, Urinprobe) auf Widerruf verbeamtet. Als es dann 2014 um meine Lebenszeitverbeamtung ging, war die CU plötzlich kein Thema mehr, weil meine Gewichtsabnahme (knapp 45 Kilo) für den Amtsarzt wohl alles andere überstrahlte.

Leider ist es so, wie man es in vielen Beiträgen auch in anderen Foren lesen kann, dass es zu einem nicht unerheblichen Teil auf den Amtsarzt ankommt, an den man gerät. Da herrschen teilweise sehr unterschiedliche Auffassungen, was gegen eine Verbeamtung spricht und was nicht - speziell auch bei CU oder MC. Deshalb wirst du für jeden, bei dem die Verbeamtung geklappt hat auch jemanden finden, bei dem es aufgrund einer chronischen Vorerkrankung nicht geklappt hat.

Die Beweislastumkehr, die du angesprochen hast mag tatsächlich die Voraussetzungen etwas erleichtert haben (evtl. auch bei meiner Lebenszeitverbeamtung), wird dir letztendlich aber leider keine Garantie geben können, dass es klappt.

Hilfreich ist mit Sicherheit ein Schreiben deines Facharztes über den bisherigen Verlauf (sofern dieser nicht auf einen schweren Verlauf schließen lässt) und dass du (seit längerer Zeit?) mit der aktuellen Medikation einen stabilen Zustand erreicht hast.

Kleiner Hinweis, falls es nicht klappen sollte:
Wie es bei Lehrern ist kann ich als Verwaltungsbeamter zwar leider nicht sagen, aber meine nicht verbeamteten Kolleg*innen halten es auch im TVöD in den entsprechenden Entgeltgruppen bei geringerer Arbeitszeit und Jahressonderzahlung und Leistungsprämie auch ganz gut aus ;)

Trüffel
Dauergast
Beiträge: 384
Registriert: Sa 3. Jun 2017, 18:52

Re: Verbeamtung CU mit Immunsupression

Beitrag von Trüffel »

Hallo Patrick,

ein kleines Beispiel aus meiner Familie:
Meine ältere Schwester hat vor ein paar Jahren das Referendariat im Lehramt beendet, hat keine Vorerkrankungen und erst recht keine chronische Erkrankung. Bisher war sie Beamtin auf Probe; im vergangenen Jahr ist wie wegen einer OP 2 Wochen krank geschrieben gewesen. Die OP war wohlgemerkt in den Ferien, sie hat 10 Tage danach nicht in die Schule gekonnt, dafür zuhause gearbeitet und für ihre Kollegen alles vorbereitet.
Vor Kurzem kam nun ein Schreiben ins Haus geflattert bzgl. ihrer Verbeamtung auf Lebenszeit, die nun eigentlich ab Herbst beginnen würde. In dem Brief steht geschrieben, dass nicht sicher sei, ob sie überhaupt auf Lebenszeit verbeamtet werden könne, weil sie zu viele Fehlzeiten gehabt hätte.
Uns hat es erstmal den Vogel rausgehauen: Sie war an exakt 10 Tagen nicht in der Schule; auf eine solche Bilanz kann ich nicht blicken. Ich bin durch meine CED die letzten Jahre nicht fähig für Arbeit oder Studium gewesen.

Von daher: Ich schließe mich HankMoody an. Der Amtsarzt spielt sicherlich seine Rolle, es kommt auch darauf an, wie schwer dein Krankheitsverlauf war/ist, wie gut du mit Medikamenten eingestellt bist und wie viele Fehltage du während des Refs bzw. auch danach hast.

LG und alles Gute für den Abschluss deines Studiums!
Trüffel
Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind;
wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.

(Marie von Ebner-Eschenbach)

PhilSE
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Beiträge: 37
Registriert: Fr 15. Mai 2020, 15:35

Re: Verbeamtung CU mit Immunsupression

Beitrag von PhilSE »

Hallo Patrick,

ich kann dir natürlich auch keine defintive Aussage geben. Wie viele hier schon geschrieben haben hängt defintiv viel vom Amtsarzt ab.
Was ich dir aber raten kann: Versuch es einfach.
Ich bin Beamter auf Lebenszeit, hatte damals 2/3 Jahrevor der ersten Untersuchung auch einen Schub mit Krankenhausaufenthalt. Musste also nach der Zeit in der ich Beamter auf Widerruf war nochmal hin... Hatte zwei gute Jahre... mein zuständiger Amtsarzt hat mich auf die Wage gestellt und gesagt (Zitat) "So wie Sie zugenommen haben können Sie ja gar keinen Chron haben". War nach 10 Minuten draußen mit der Info, dass seitens des Gesundheitsamtes einer Verbeamtung nichts mehr im Wege stehen würde.
Die fachliche Qualität der Aussage lass ich mal dahingestellt... mir war das Ergebniss wichtig. ;)

Im Übrignen: In meiner Schule wurde (nachträglich) eine Lehrkraft mit Multiple Sklerose auf Lebenszeit verbeamtet.

Es hängt viel davon ab, wie sehr sie dich brauchen, wenn du das "richtige" Lehramt hast dann nehmen sie dich deutlich einfacher. Musst dich halt darauf einstellen, dass es dann ein bischen länger dauert als bei den Kollegen ohne Vorgeschichte. Hilfreich ist sicher auch wenn dir dein Fachartzt möglichst ausführlich bescheinigt, dass du medimenkatös gut eingestellt bist etc.

Hoffe ich konnte dich ein wenig ermutigen! Ich weiß wie sehr man wegen des Besuches beim Amtsarzt zittern muss.Lehrer ist dein Wunschberuf? Zieh es durch der Amtsartzt ist einfach eine Hürde, die für alle dazu gehört.

Viele Grüße

Philipp

Schlumpfine84
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Beiträge: 9
Registriert: Mi 18. Mär 2015, 19:30
Diagnose: CU seit 2006

Re: Verbeamtung CU mit Immunsupression

Beitrag von Schlumpfine84 »

Hallo Patrick,

bei mir gab es bei der Lebenszeitverbeamtung auch Probleme.

Mir hat die Schwerbehindertenvertretung und mein Arzt geholfen.

Wenn Du einen GdB beantragst und mindestens 30 bekommst, gibt Dir die Arbeitsagentur eine Gleichstellung. Wenn Du GdB 50 oder mehr bekommst, brauchst Du keine Gleichstellung.

Der Amtsarzt darf Deine voraussichtliche Dienstfähigkeit dann nur über einen Zeitraum von 5 Jahren beurteilen. Ohne GdB(und evtl Gleichstellung) beurteilt er die Dienstfähigkeit bis zum Pensionsalter.

Damit war ich sofort Lebenszeitbeamtin :)

Die Schwerbehindertenvertretung ist zur Schweigepflicht verpflichtet, dir kann nichts passieren, wenn du dich dort beraten lässt.

Viele Grüße Marianne

Patrick
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Beiträge: 6
Registriert: Mi 29. Jan 2020, 16:47

Re: Verbeamtung CU mit Immunsupression

Beitrag von Patrick »

Hallo an alle,

vielen herzlichen Dank für eure die Rückmeldungen!

Eure Erfahrungen zeigen mir, dass es durchaus möglich ist verbeamtet zu werden. Hinzu kommt, dass ich aus BW kommt und dort 98% aller Gymnasiallehrer verbeamtet werden. Das lässt mich natürlich zusätzlich hoffen.

Wie ihr beschrieben habt ist der Amtsarzt entscheidend. Auch der Tipp, sich eine möglichst ausführlichen Bescheinigung vom Arzt geben zu lassen ist sehr hilfreich. Auch die Möglichkeit den Grad der Behinderung feststellen zu lassen ist ein guter Rat.

Ich glaube, dass es durchaus klappen kann. Und wie HankMoody sagt. Sollte es nicht klappen, ist der Verdienst natürlich auch kein schlechter. Eine Verbeamtung wäre aber natürlich das große Ziel!

Liebe Grüße
Patrick

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