Behinderung und Referendariat?!

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Behinderung und Referendariat?!

Beitragvon Robin1992 » Mi 14. Nov 2018, 21:11

Hallo liebe DCCV´ler,
ich erhoffe mir durch diesen Beitag ein paar Tipps, eigene Erfahrungen und Anmerkungen, über die ich mir vielleicht noch keine Gedanken gemacht habe. :-)
Kurz zur mir und meiner Situation:
Ich studiere Lehramt für die Realschule plus in RLP und soll demnächst die Lehramtsanwärterschaft beginnen. Bei mir wurde vor über einem Jahr MC festgestellt und ich habe ca. ein dreiviertel Jahr gebraucht um wieder "auf die Beine " zu kommen. Mir geht es aktuell recht gut, aber definitiv nicht optimal.
Ich wäge gerade ab, ob ein Schwerbehindertenausweis vorteilhaft wäre. Mein Arzt ist der Meinung, dass ich 30, eher 40 Prozent bekommen würde. Die Lehramtsanwärterschaft ist von viel Stress und Druck geprägt und mein Körper reagiert nicht besonders gut darauf. Generell mache ich mir Sorgen, ob ich diese 1 1/2 Jahre überhaupt schaffe, aber ich will es nicht unversucht lassen. Ich habe will nicht "umsonst" soviel Zeit und Arbeit und Geld in meine Ausbildung gesteckt haben.
Ich erhoffe mir durch einen Behindertengrad eine "erleichterte" praktische Ausbildungszeit. Vielleicht habe ich dadurch die Möglichkeit weniger Stunden halten zu müssen (was ich allerdings nicht weiß) und keine Vertretungsstunden halten zu müssen (was theoretisch eh nicht sein sollte, aber meist doch so gehandhabt wird).
Gleichzeitig mache ich mir aber Gedanken darüber, wie sich ein Behinderungsgrad auf meinen weiteren beruflichen Werdegang auswirken wird. Schließlich müsste ich ja im Vorstellungsgespräch eines zukünftigen Arbeitgebers angeben, dass meine Behinderung meinen Arbeitsalltag beeinflussen würde. Wenn mein Zustand so bleibt, dann wäre dies auch tatsächlich so.
Meine Unsicherheit betrifft also die Entscheidung, ob ich vor meiner Lehramtswärterschaft einen Behindertenantrag stellen soll, oder besser abwarten und das beste hoffen?

Vielleicht ist der ein oder andere schon in einer ähnlichen Situation gewesen und kann berichten wie es lief?
Liebe Grüße
Robin1992
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Re: Behinderung und Referendariat?!

Beitragvon Trüffel » Do 13. Dez 2018, 23:08

Hallo Robin,
ich kann dir nur von einer Kommilitonin berichten, die Lehramt studiert hat. Sie hat keine CED, aber einen GdB 30 aufgrund einer Venenerkrankung (sieht man rein äußerlich genauso wenig wie bei uns CED'lern, eine Einschränkung im Studium ist bei ihr nie aufgefallen). Sie war der Meinung, dass es bei schwerwiegenden Erkrankungen tendenziell gut und richtig ist, sich eine Behinderung anerkennen zu lassen und diese fürs Ref vorzulegen, weil man dann wohl weniger Stunden halten muss, sprich weniger Belastung/Aufwand, aber letztlich die gleiche Bezahlung. Kleiner Haken: Ihr Ref ist in Bayern, nicht in RLP, ich habe leider schon länger keinen Kontakt mehr zu ihr und weiß folglich auch nicht, ob es ihr wirklich was gebracht hat.
Hast du schon mal Kontakt zu einer Studienberatung aufgenommen? Unis bieten oft für chronisch Kranke/Behinderte etc. besondere Sprechstunden an. Vielleicht hilft es dir, wenn du dort mal anfrägst. Möglicherweise wissen die eine gute Ansprechperson.
Robin1992 hat geschrieben:Die Lehramtsanwärterschaft ist von viel Stress und Druck geprägt

Genau das hört man leider immer wieder. Gerade deshalb würde ich versuchen, über Personen an deiner Uni Kontakte zu finden, die dir weiterhelfen können. Fragen kostet ja nichts.
Viel Glück! Ich drück dir die Daumen, dass du noch etwas konkretere Antworten findest.
Kannst ja mal berichten, wie es bei dir beruflich weitergeht.

Alles Gute
Trüffel
Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind;
wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.

(Marie von Ebner-Eschenbach)
Trüffel
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Re: Behinderung und Referendariat?!

Beitragvon Robin1992 » Do 10. Jan 2019, 13:28

Hallo Trüffel,
danke für deine Antwort.
Inzwischen habe ich mit einem Behindertenbeauftragten der ADD Trier telefoniert. Er hat mir empfohlen einen Behindertengrad 50 anzustreben, weil man mit 30 wohl kaum "Vorteile" im Ref daraus ziehen kann. Die zuhaltenden Stunden werden allerdings auch mit einem Bhg von 50 nicht reduziert, weil man im Ref unter der erforderlichen Stundenzahl liegt. Mit einem Bhg von 50 kann man z.B. fordern, dass die Klassensäale in der Nähe von Toiletten liegen. Allerdings hat er mich auch daraufhin gewiesen, dass Forderungen wie diese immer auch mit der Kulanz und Kommunikationsfähigkeit beider Parteien zusammenhängt. Für das Ref ist ein Behindertengrad auch bei Prüfungen interessant, weil man z.B. mehr Pausen fordern kann.
Momentan habe ich das Gefühl, dass Abwarten und das Beste hoffen, wie so häufig im Leben, die einzige Möglichkeit ist.
Ich, für meinen Teil, habe mich entschieden mir einen Behindertengrad anerkennen zu lassen. Schließlich ist dieser solange nur zwischen einem selbst und dem Integrationsamt bekannt bis man Forderungen an den Arbeitgeber stellt. Vielleicht kann es für bestimmte Fälle ganz gut sein ihn in der Rückhand zu haben. Ansonsten hoffe ich, dass Offenheit, gute Kommunikation und Verständnis einen im Leben weiter bringen.
Gerne berichte ich wie es weiter geht, sollte Interesse bestehen. Allerdings geht es für mich - wenn alles gut läuft- erst im August weiter.
Liebe Grüße
Robin1992
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Re: Behinderung und Referendariat?!

Beitragvon Korona » Do 10. Jan 2019, 14:47

Hallo Robin,

natürlich weiß ich aus eigener Erfahrung wie anstrengend ein Arbeitsleben mit CED ist.
Und ich gönne jedem (auch mir selbst :mrgreen: ) einen entspannten Arbeitsalltag.

Aber.... ist nicht dies
Die Lehramtsanwärterschaft ist von viel Stress und Druck geprägt und mein Körper reagiert nicht besonders gut darauf.
auch in ganz vielen anderen Berufen der Fall?
Sicher sind die Lehrer immer sehr viel Lärm und wechselnden Situationen ausgesetzt, hetzen manchmal von Stunde zu Stunde, müssen sich auf immer neue Klassen einstellen und werden mit oft sehr komplexen Ereignissen konfrontiert.

Aber auch jemand der im Vertrieb arbeitet hetzt von Termin zu Termin, immer unter Druck, Abschlüsse zu machen. Ein Schauspieler muss vor vielen kritischen und erwartungsvollen Menschen auf der Bühne bestehen, eine Krankenschwester muss sehr schnell im Blick haben, wie es ihren Patienten geht, muss sich auf Notfälle einstellen, oft stinkende, nörgelnde und manchmal sehr freche Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen betreuen. Ein Kassiererin sitzt den ganzen Tag bei Kaufhausmusik und den immer gleichen Bewegungen an der Kasse.... so what.....Job ist Job und Du solltest den erlernen, der zu Dir passt und der Deinen Kompetenzen entspricht und Dich glücklich macht.

Du hast verständlicherweise Sorge, dass es anstrengend und schwierig wird, das verstehe ich gut! Und Du wünschst Dir sowas wie Welpenschutz, das verstehe ich auch. Ebenso, dass Du Dir Rücksichtnahme auf Deine Krankheit erhoffst, verstehe ich.

Ich glaube jedoch dass Dir mehr geholfen ist, wenn Du:

1. ....sicher bist, dass du den richtigen Beruf gewählt hast, und auch den richtigen Zweig (z.B. Alternative Erwachsenenbildung)
2. ....Dich nicht auf Deinen Behindertenstatus zurückziehst, wenn es irgendwie geht, weil Du dann ggfs. Dich im Kollegium ausgrenzt und immer Argumente hast, irgendetwas nicht zu können, nicht tun zu müssen...das halte ich für unklug, denn solche Kollegen nerven.
3. .....lieber etwas für Dich tust, das Dein Stressmanagement verbessert, weil Dir das im gesamten Leben hilft und auch Deine CED leichter werden lässt. Vor allem aber verhindert dies, dass Du Dich selbst in die Rolle des Schwachen bringst. Da kommst Du ggfs nicht so schnell wieder heraus und es schwächt Dich dann auf jeder Ebene.

Einen GdB zu haben ist nicht verkehrt. Auch aus steuerlicher Sicht, und das m.E. berechtigterweise, denn wir haben oft höhere Kosten. Man sollte den aber ansonsten als junger Mensch eher für sich behalten, vor allem, wenn man nur einen leichten Verlauf hat!
Und wichtig: soweit ich weiß, kann man sich mit GdB nicht verbeamten lassen, das würde ich an Deiner Stelle vorher prüfen!

LG, Korona
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