Berufswechsel - Lehrer?

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Berufswechsel - Lehrer?

Beitragvon Koko » Sa 13. Jan 2018, 11:06

Hallo!
Ich hoffe, dass ich hier auf irgendjemanden treffe, der mit Informationen geben kann. Also: Ich bin verbeamtete Lehrerin. Ich habe seit Jahren MC, allerdings habe ich eine echte Diagnose, der ich auch Glauben schenke, erst vor einem Monat bekommen, als ich im KH landete. Das ließ sich alles gerade noch so ohne OP in den Griff bekommen. Zurückblickend hatte ich meinen ersten Schub, den damals aber niemand erkannte, in meiner ersten Schwangerschaft vor 18 Jahren.

Die Symptome von MC waren bei mir bisher nicht sehr stark ausgeprägt. Es gab sicher einmal Tage, an denen ich mit Durchfall zu kämpfen hatte - meist früh am Morgen. Diesen gefürchteten "imperativen Stuhldrang" habe ich erst in diesen Sommerferien kennengelernt, aber auch da handelte es sich nur um einen einzigen Nachmittag.

Probleme treten bei mir nach Stressphasen bzw. in Ruhepausen innerhalb von Stressphasen auf. Stress bereiten mir Tage, an denen ich mich nicht "regenerieren" kann, da die sonst freien Zeiten mit Korrekturen bzw. Konferenzen oder Klassenfahrten etc. ausgefüllt sind. Seit Ende der Sommerferien jagt eine Stressphase die andere, da an unserer Schule größere Veränderungen anstanden, auf die ich jetzt hier nicht eingehen will. 2 Konferenzen pro Woche war jedenfalls keine Seltenheit. Außerdem hatte ich mein Stundenkontingent aufgestockt. In der Schule selbst hält mich der natürliche Cortisolspiegel "am Laufen" - zu Hause, an den Wochenenden oder an den "Ferien"-Tagen geht es dann mit den Bauchschmerzen los. Fehltage sorgen dann natürlich für mehr Stress, da Klassenarbeiten irgendwo noch hingequetscht werden müssen und Eltern sich beschweren, dass die Kinder nicht gut genug vorbereitet wurden. :roll: Ich tu da echt mein Bestes, aber es ist halt immer ein sehr enger zeitlicher Rahmen, in dem alles stattfinden muss.

Ich glaube, auf Dauer würde es mir gut tun, einen Beruf zu haben, in dem die Arbeit gleichmäßiger verteilt ist. Keine Sommerferien mehr, dafür aber auch nicht diese Stressspitzen. Nicht gezwungen sein, auf die Minute pünktlich vor der Tafel zu stehen, und meinem Darm mit Gewalt dazu zu zwingen, sich an den Stundenplan zu halten. Ein Mittagessen würde mir sicher auch gut tun. So esse ich ja erst um 16 Uhr etwas, wenn ich nach Hause komme und etwas gekocht habe. Warmes Essen vertrage ich besser als kaltes, darum kommen Butterbrote oft nicht in Frage - abgesehen davon, dass ich in der Schule einfach keine Zeit zum Essen finde. In Studentenjobs habe ich erlebt, dass es in anderen Berufen eine Mittagspause gibt, bei der man richtig Essen gehen kann! Luxus pur!

Nun konkret: Welche Möglichkeiten gibt es da überhaupt? Der Unterricht an sich und seltsamerweise besonders die Vorbereitung des Unterrichtes macht mir meist Spaß. Ich finde meinen Beruf sehr abwechslungsreich. Ich mag mein Kollegium. Ich merke nach jeden Ferien wieder, dass ich die Schüler echt vermisst habe. Trotzdem - auf Dauer tut mit diese Arbeit nicht gut. Ich glaube nicht, dass ich das mit 55 noch machen kann. Wir brauchen das Geld natürlich auch. Eine Stundenreduzierung kommt nicht in Frage. Dazu muss der "Job" in der Nähe sein, denn hier ist Haus, Familie, alte (pflegebedürftige) Eltern. Ich glaube, wenn ich mich beim Arbeitsamt beraten lasse, werden die auch nicht weiter wissen, da mein Fall zu speziell ist. Ich will ja nicht aus der Verbeamtung raus. Ich bin aber auch nicht "schwerbehindert" . Mit meinen Symptomen würde ich mal schlappe 10% bekommen - also ziemlich sinnlos, da etwas zu beantragen, da ich erst ab 50% so etwas wie Stundenreduzierung bekommen könnte. Außerdem löst eine Stundenreduzierung nicht die Sache mit den Stressspitzen und dem Stundenplan, dem mein Darm sich fügen muss. Konkrete Erfahrungen? Tipps irgendjemand hier? :?:

Danke an alle, die diesen langen Post bis zum Ende gelesen haben!
Koko
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Re: Berufswechsel - Lehrer?

Beitragvon Lupin » So 14. Jan 2018, 14:15

Hallo Koko,
ich fange gerade erst richtig als Lehrer an, aber vielleicht kann ich dir ja trotzdem ein bisschen weiterhelfen.

Ich habe seit 7 Jahren CU, kam kurz vor Beginn meines Studiums. Jetzt habe ich gerade mein Referendariat beendet und warte gerade auf den Amtsarztbericht, ob ich verbeamtet werde oder nicht. Das ist jetzt reine Glückssache.
Im Referendariat machte sich der Darm natürlich auch immer bemerkbar, allerdings nie so schlimm, dass ich deshalb oft oder länger ausgefallen wäre. Ich muss aber zugeben, dass ich mich manchmal echt zur Schule hinschleppen musste und das dann nur mit einer erhöhten Cortisondosis auszuhalten war. Allerdings hat das bei mir nicht immer etwas mit Stress zu tun. So bin ich durch meine Prüfungsphase relativ gut durchgekommen, ohne dass mein Darm Probleme gemacht hätte. An der Schule bzw. im Seminar weiß auch niemand etwas von meiner Krankheit. Das wollte ich nur erzählen, wenn ich deshalb tatsächlich häufiger ausgefallen wäre, also wenn das meine Arbeit wirklich beeinträchtigt hätte, damit nicht irgendwelche Gerüchte entstehen, dass ich gleich wegen einer Erkältung zuhause bleibe. So werde ich es an der neuen Schule auch handhaben. Ab Februar beginne ich jetzt an einer neuen Schule eine Vollzeitstelle, mit mehr als doppelt soviel Stunden wie im Ref. Ob ich das mit meiner CU aushalte, bleibt abzuwarten.

So wie ich dich verstehe, bist du eigentlich mit Leib und Seele Lehrerin und wenn der MC nicht da wäre, würdest du diesen Beruf auch niemals aufgeben wollen. Mir geht es nämlich auch (noch) so, dass ich mir gar keinen anderen Beruf vorstellen kann. Und ein nettes Kollegium/nette Schüler können ja auch unterstützend wirken (meine Erfahrung).
Mit dem Mittagessen ist es bei mir genauso. Ich brauche mittags auch eine richtige warme Mahlzeit, sonst bekomme ich auch Bauchschmerzen. An meiner Schule gibt es aber zwecks Ganztagsschule eine Mensa, deren Essen ich auch gut vertrage, da es meist etwas fad ist ;) , gewürzte Speisen verträgt mein Darm gar nicht.
Gibt es diese Möglichkeit oder überhaupt eine Mittagspause, in der du dir vielleicht selbstmitgebrachtes Essen warm machen könntest, vielleicht bei dir?

Wissen Kollegen oder die Schulleitung über deine Krankheit Bescheid? Vielleicht könnten dann ja unterstützende Möglichkeiten gefunden werden, z.B. falls du zu Stundenbeginn noch auf der Toilette bist, dass ein Kollege aus der Nachbarklasse deine Klasse zumindest mit beaufsichtigt. Ist nicht ideal, aber im Notfall machbar.

Im Bereich Stundenreduzierung kenne ich mich nicht aus. Aber an meiner jetzigen Schule sind viele Kollegen, die nicht Vollzeit unterrichten, obwohl sie weder kleine Kinder, noch pflegebedürftige Erwachsene zu betreuen haben. Gibt es denn da keine Möglichkeit, die dir weiterhelfen könnte?

Vor einem Berufswechsel solltest du dir auf jeden Fall folgende Fragen stellen: Schwebt dir ein konkreter, anderer Beruf vor, in den du wechseln könntest? Wie sieht es in diesem Beruf auf dem Arbeitsmarkt aus? Gibt es in diesem Beruf Stellen, die deine Anforderungen (kurzer Fahrtweg, warmes Mittagessen möglich, jederzeit zur Toilette können usw.) erfüllen?

Andererseits, wenn du wirklich sagst, du packst das nicht mehr und hast mindestens genausoviele schlechte, wie gute Tage, solltest du nicht um jeden Preis in dem Beruf bleiben und womöglich noch daran kaputt gehen, weil du die ganze Zeit versuchst, doch irgendwie alles zu schaffen, was aber einfach nicht gelingt.

Ich konnte dir wahrscheinlich nicht wirklich weiterhelfen, aber vielleicht gibt dir meine Antwort ja einen Schubs in eine bestimmte Richtung.

Liebe Grüße
Lupin
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Re: Berufswechsel - Lehrer?

Beitragvon Koko » Di 16. Jan 2018, 20:40

Hallo Lupin,

Danke, dass du dir Gedanken gemacht hast! Naja, also, ich weiß nicht, ob ich mit "Leib und Seele Lehrerin bin" und den Beruf niemals aufgeben würde. Also, wenn ich nicht im deutschen Schulsystem unterrichten müsste vielleicht schon. So kann ich auch durchaus darauf verzichten!

Nein, wir haben keine Mittagspause. Also, ich nicht. Ich bin dankenswerterweise nicht an einer Ganztagsschule, das bedeutet, dass ich eigentlich um 10 nach 1 Schluss habe. Aber dann haben ja nur die Schüler Schluss.
Ich räume dann auf, kopiere, führe Gespräche mit Kollegen (manchmal auch Schulleitung, Sekretariat, Eltern usw.) erledige einige Verwaltungssachen, suche nach Unterrichtsmaterial für die nächsten Stunden usw. usf. - Da sind dann alle auf dem Sprung und es geht darum noch ein paar Schüler oder Kollegen zu erwischen, bevor sie abhauen. Keine Zeit für eine Mahlzeit.
Also, heute war ich früh zu Hause, schon um viertel nach 3. Da habe ich mir auf dem Weg nach Hause eine Pommes geholt. Die konnte ich aber dann erst 30 min später kalt essen, da meine Kinder überraschenderweise früher zu Hause waren und von mir Mittagessen haben wollten. (Die können wirklich in der Schule essen - da gibt es eine ganz tolle Kantine.) Außerdem hatte der Kater auf den Teppich gekotzt und das musste ich dann auch erst entfernen. (Ich glaube, der Kater hat auch MC.)

Also - heute gab es kalte Pommes um viertel vor 4 - davor hatte ich leider keine Zeit zum Essen - und die Mittagsdosis Salofalk habe ich über den ganzen Zeitdruck wieder verpasst. Immerhin habe ich heute ein Frühstück geschafft! Oft habe ich so früh, also um 6:30 einfach keinen Hunger und esse dann wirklich erst um 4 was oder fresse die Schokolade, die oft irgendwo im Lehrerzimmer herumliegt. Vermutlich nicht gut mit MC.

Morgen sehe ich schon wieder keine Pause - 1. Pause Termin mit Kollegen wegen Klassenfahrtsabrechnung, 2. Pause Aufsicht. Nach der 6. Stunde Konferenz - aber nur kurz hoffentlich. :( Da schlürf ich dann vielleicht nebenher ein Süppchen, denn ich habe mir aber jetzt "heiße Tasse" mit in die Schule genommen. Ein Wasserkocher ist vorhanden!

Inzwischen habe ich mich erkundigt. Der Beruf ist eine ziemliche Einbahnstraße, wenn man seine Verbeamtung nicht aufgeben möchte, dann gibt es keine Alternativangebote. Wenn ich die Verbeamtung aufgebe, habe ich auf dem freien Arbeitsmarkt in meinem Alter auch schlechte Karten. Mir fällt auch partout nicht ein, was das für eine Arbeit sein sollte. Die einzigen Angebote, die ich sehe und für die ich qualifiziert genug bin, sind an der Kasse bei Aldi :( - vermutlich nicht so gut bezahlt. Für alles andere wird eine spezifische Berufsausbildung gefordert, die ich natürlich nicht bieten kann.

Ich habe mir jetzt ein Buch geholt, dass Tipps enthalten soll, wie man in unserem Beruf einigermaßen fit bleiben kann. Vielleicht hilft es ja. Meine Schulleitung weiß schon Bescheid. Die sind auch super kulant und verständnisvoll, wenn ich mich einen Tag zwischendurch krank melde. Ich habe MC ohne Durchfälle - das ist recht praktisch. Nur morgens überrascht mich mein Darm manchmal, aber eigentlich bin ich immer rechtzeitig in der Schule. Es gibt jetzt bald eine neue Regelung, dass laut Regierung bald nur noch Lehrer Teilzeit arbeiten dürfen, die kleine Kinder haben. Das hat unsere Schulleitung angekündigt. Jetzt bin ich recht ratlos. Eine volle Stelle schaffe ich garantiert nicht - auch ohne MC. Mal abwarten, wann die sich melden und mir sagen, dass ich aufstocken muss.

Ansonsten hoffe ich jetzt auf die Tipps vom Buch. Und wenn jemand einen ruhigen Job für mich hat - Angebote bitte hier! (Aber bloß nicht zu ruhig - das macht mich ganz nervös, das bin ich nicht gewohnt :lol:
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Re: Berufswechsel - Lehrer?

Beitragvon SweetDreams » Mi 10. Apr 2019, 15:58

Seid ihr beiden noch aktiv?

Bin neu hier und noch in der Probezeit. Ich wurde gerade diagnostiziert und wüsste sehr gerne, wie es euch ergeht.

ich arbeite VZ und bislang hatte ich aber auch erst einen "Schub" nach einer OP, wodurch ich jedoch mehrere Wochen ausfiel (doppelt so lange als für die OP geplant)...
Am Ende hat noch immer alles irgendwann einen Sinn ergeben.

Ich bin gespannt!
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