Einstellungsuntersuchung

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Einstellungsuntersuchung

Beitragvon haikä » Fr 24. Mär 2017, 16:10

Hallo Ihr Lieben!
Ich bin ganz neu hier. Bei mir wurde Anfang der Woche Colitis diagnostiziert nachdem ich einen starken Schub hatte. Ich habe vor zwei Tagen mit Prednisolon 60mg angefangen und soll das langsam ausschleichen. Außerdem bekomme ich noch Salofalk 2mg.
Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen bzw habt konkrete Erfahrungen gemacht:
Vor meinem Schub hatte ich ein wichtiges Bewerbungsgespräch, da ich unbedingt den Job wechseln möchte. Ich wurde genommen und bin sehr froh darüber. Allerdings muss ich in 1 Woche zur Einstellungsuntersuchung und weiß einfach nicht was ich machen soll. Verschweigen oder zugeben. Ich bin Ingenieurin und es wäre hauptsächlich am Schreibtisch.
Mein Hausärztin hat mir gesagt ich soll offen damit umgehen, meine Gastroenterologin hat mir davon abgeraten und mir empfohlen nichts von meiner Colitis zu sagen und auf Nachfrage zu lügen.
Ich würde es am liebsten auch verschweigen allerdings habe ich Angst, da ich ja dann auch die Medikamente verschweigen müsste. Können Kortisonpräparate in Blut und Urin nachgewiesen werden? Wie seid ihr mit einer solchen Situation umgegangen?
Ich würde mich sehr über eure Antworten freuen!
haikä
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon Carmen » Sa 25. Mär 2017, 19:17

Hallo haikä,

willkommen bei uns!

Hast Du nähere Informationen über Umfang, Inhalt und Ziel dieser Einstellungsuntersuchung?

Viele Grüße
Carmen
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon Thilo » Sa 25. Mär 2017, 21:00

Hallo haikä,

ich stehe argumentativ auf der Seite deiner Gastroenterologin. Mit allzuviel Offenheit oder gar "Blauäugigkeit" haben sich schon viele CED-Betroffene ihre Chancen "versemmelt.

Dein Arbeitgeber erzählt dir bspw. auch nicht, dass er in die Insolvenz schlittert. Immer wieder mal auftretende Diskussionen zu diesem Thema hier im Forum zeigen jedoch, dass es auch Menschen gibt, die um keinen Preis der Welt "schummeln"würden, wenn es um ihre Erkrankung geht.

Aber bleiben wir mal bei den Fakten. Einstellungsuntersuchungen dienen zur der Feststellung der gesundheitlichen Eignung für den vorgesehen Job. Das Ergebnis wird insoweit kommuniziert, als dem Arbeitgeber mitgeteilt wird, ob die Eignung für den vorgesehen Job uneingeschränkt, mit Einschränkungen oder gar nicht besteht. Würdest du hier deine Diagnose und die verordneten Medikamente allzu leichtfertig offen legen, könnte der Betriebarzt zu dem Ergebnis kommen, dass die Eignung für den Job zumindest eingeschränkt ist. Ein Personaler könnte dies so interpretieren: Hände weg.

Als Ingenieurin mit Bildschirmarbeitsplatz wird man voraussichtlich nur deine Sehkraft betriebsärztlich "unter die Lupe" nehmen, um weitere Veränderungen zu dokumentieren.

Für den Fall, dass Blut- und Urinuntersuchungen vorgenommen werden, wird man gewiss nicht danach schauen, ob eine Bewerberin z. Zt. Cortison einnimmt. Eher auf die allgemeinen Werte und auch die können bei jedem Bewerber regelmäßigen Schwankungen unterliegen.

Du alleine musst entscheiden welchem Rat du folgst: Deiner Hausärztin oder deiner Gastroenterologin. Wie andere hier entscheiden würden ist nicht relevant. Du musst in den Spiegel schauen und dir sagen: "Es war ok so, wie ich es gemacht habe".

Viel Erfolg

Thilo
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon haikä » So 2. Apr 2017, 22:13

Danke euch für die Antworten. Es werde eine Blutprobe und eine Urinprobe abgeben müssen, was genau sie untersuchen weiß ich jedoch nicht... ich werde berichten wenn es vorbei ist!
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon Leinelchi » Mo 3. Apr 2017, 11:48

Hallo,

mein Sohn (33 Jahre) hatte Einstellungsuntersuchung zur Verbeamtung, da wurde nichts gefragt, nur ob er den Job (Büro, Lehre an der TU) machen könne wurde geklärt. (hat allergische Asthma, war deswegen nicht bei der Bundeswehr damals) Bluttest war auch aber nur Urin und kleines Blutbild, war ok.

Ich selbst würde nie mehr freilwillig sagen, was ich habe. Habe dies bei meinem alten Arbeitgeber getan, weil ich meinte, mich dann besser zu fühlen wenn ich nicht immer lügen und verheimlichen müsste. Was folgte war, dass mich meine damalige Chefin unbedingt los werden wollte. Es folgten über zwei Jahre Mobbing, was zur Folge hatte, dass ich dann selbst gekündigt habe. Bezüglich des Mobbings habe ich geschwiegen, mir war ein recht ordentliches Zeugnis lieber als nochmals Druck und Schikanen.

Bei meinem neuen Arbeitgeber wurde ich beim Vorstellungsgespräch nicht wegen Gesundheit gefragt, (Assistentin an der Anmeldung eines Notariats) obwohl ich da schon 54 Jahre alt war. Inzwischen bin ich 2 Jahre dabei und wegen MC bisher nicht krank. Nur zwei mal war ich jeweils zwei Wochen krank wegen starker Erkältung unter Cortison und Grippe mit Magen, Darm in diesem Jahr. Sicher spielte meine Grunderkrankung eine Rolle dabei, war halt lange nicht fit. Meine Chefs hatten Verständnis, meinten ich sollte mich auskurieren!

Dazu sagen muss ich noch, dass ich Teilzeit arbeite an 2 1/2 Tagen. Das leiste ich mir inzwischen, bin aber von meinem Mann abhängig! Wegen der Erkrankung, der häufigen Müdigkeit sind die zwei ganzen Tage schon schwer, wenn es mal wieder heftig am Telefon ist und absoluter Stress herrscht. Habe drei Chefs und das Büro boumt.
Sicher nervt es mich zu verschweigen, auch gegenüber Kolleginnen, aber ich will nie mehr in eine Mobbingsituation deswegen kommen!!

Alles Gute
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon LisaH » Mo 10. Apr 2017, 17:37

Hey :)

Ich war neulich in einer ähnlichen Situation. Weißt du denn schon mehr?

Ich habe eine Ausbildung zur technischen Systemplanerin bekommen und musste bei der Betriebsärztin vorstellig werden. Da meine Blutwerte derzeit nicht die Besten sind und es offensichtlich war, das ich was habe, habe ich persönlich mit offenen Karten gespielt. Ehrlich gesagt habe ich nicht ganz verstanden, ob die Betriebsärztin dem Arbeitgeber von meiner chronischen Krankheit erzählen "muss" oder nicht.. Aber da seitens derer keine Absage kam, gehe ich davon aus, dass es denen entweder egal ist oder sie es nicht wissen. Grundsätzlich gehe ich offen mit meiner CU um. Da ich vor allem morgens Probleme habe, wird es, denke ich, so oder so Fragen geben.

Viel mir ärgert mich es, das die Ärztin auf meine nicht mehr vorhandene Epilepsie pocht, sie hat nun auch ein EEG veranlasst (andere Diagnosen wollte ich wirklich erst verschweigen, aber da auch nach diversen Berichten gefragt worden ist, unter anderem mein Reha Bericht, wäre es so oder so ans Tageslicht gekommen). Ich hoffe, einfach nur so und das es sich nicht doch noch negativ auswirkt.
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon mya.stone » So 28. Mai 2017, 19:43

Hallo zusammen,

bin einer ähnlichen Situation. Habe demnächst die Einstellungsuntersuchung. Es ist ein Bürojob, also gehe ich davon aus, dass primär nur Augen und Ohren etc. geprüft werden.

Eigentlich wollte ich nicht unbedingt was von meiner CU sagen, weil ich die Stelle ja grad erst angetreten habe, aber: Ich habe nen Antrag auf Behinderung gestellt, kurz bevor ich die Stelle bekommen habe. Ich habe das meinem AG noch nicht gesagt, da ich ja nicht weiß, was raus kommt, aber mit Sicherheit nicht 50 - also werde ich dann ggf. eh erstmal nen Gleichstellungsantrag stellen und es ihm dann sagen. Ich frag mich nun, was passiert bzw. wie das aussieht, wenn ich die CU verschweige, als "tauglich" eingestuft werde, dann aber ein paar Wochen später evtl. mit einem Gleichstellungsantrag um die Ecke komme. Dann wissen ja alle eindeutig, dass ich gelogen/ was verschwiegen habe.

Wie seht ihr das?

Danke schon mal!
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon neptun » So 28. Mai 2017, 21:36

Hallo mya.stone,

hast Du mal gelesen, wofür die Gleichstellung ist?
Ich denke, Du hast da falsche Vorstellungen und ziehst daher auch nicht die richtigen Schlüsse.

Hier mal ein Link:
http://www.gleichstellungsantrag.com/

und daraus dies:
"Bei abstrakten Gefährdungen von Arbeitsplätzen ist eine Gleichstellung nicht gerechtfertigt. Wenn ein Betroffener aber ernstlich mit einer Kündigung des Arbeitsplatzes rechnen muss und er sich sonst nicht behaupten kann, gegen nicht behinderte Kollegen und somit Nachteile erleiden würde, sollte unverzüglich ein Gleichstellungsantrag gestellt werden."
"Der Arbeitgeber benötigt dann; durch die Gleichstellung; für die Kündigung die Zustimmung des zuständigen Integrationsamtes, wenn die Gleichstellung mindestens 3 Wochen vor der Kündigung beantragt wurde."

Wenn Du also berechtigte Angst um den Arbeitsplatz hast, dann kannst Du die Gleichstellung beantragen. Also irgendwann in der Zukunft, wenn ich richtig verstehe, Du hast gerade mit dem Job begonnen und rechnest jetzt nicht mit Kündigung. Die in der Probezeit ohnehin immer durchgehen würde.

Dann gibt es noch diese Hürde, durch die der Arbeitgeber sowieso von dem Antrag erfährt.
"Gleichstellungen werden auf Antrag der behinderten Menschen von der Agentur für Arbeit ausgesprochen (§ 68 Abs.2 SGB IX), die vorher auch den Arbeitgeber und die Schwerbehindertenvertretung anhört."

LG Neptun
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon Thilo » Mo 29. Mai 2017, 09:09

mya.stone hat geschrieben:........... Ich frag mich nun, was passiert bzw. wie das aussieht, wenn ich die CU verschweige, als "tauglich" eingestuft werde, dann aber ein paar Wochen später evtl. mit einem Gleichstellungsantrag um die Ecke komme. Dann wissen ja alle eindeutig, dass ich gelogen/ was verschwiegen habe.........


Hallo mya.stone,

du kommst durch deine (angedachte) Handlungsweise nun in einen Gewissenskonflikt.

Jeden Antrag kann man zurücknehmen und niemand zwingt dich einen Gleichstellungsantrag zu stellen. Wenn du am neuen Arbeitsplatz "fest im Sattel sitzt" kannst du die Anträge immer noch stellen, falls diese aussichtsreich und zudem sinnvoll erscheinen.

Gruß

Thilo
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Re: Einstellungsuntersuchung

Beitragvon mya.stone » Mo 29. Mai 2017, 17:45

Danke für die Tipps (auch wenn der Text, den du verlinkt hast, Neptun, unglaublich schwer verständlich ist, so voller Komma- und Rechtschreibfehler, woe der ist... Da käme man in Versuchung, dem Text irgendwie zu misstrauen ;-) ).

So, wie ich es also jetzt verstehe, sollte ich dem Betriebsarzt also doch erstmal gar nichts von der CU sagen?

Und wenn ich dann irgendwann mal zur Reha fahre (was kommen wird und was ich auch dringend brauche), was ist dann? Werden die dann nicht ggf. nachfragen, warum? Die CU kann ich dann kaum angeben, oder? Denn dann wüssten sie, dass ich beim Betriebsarzt was verschwiegen habe (wobei sich die Frage stellt, ob das grad beim ersten Gespräch nicht völlig legitim ist?). Und ich könnte dann auch schlecht "Stress" angeben, denn 1. wirkt das komisch in meinem Alter (bin 30) und 2. fragen die sich dann, woher das kommen sollte (soooo stressig ist mein Job nicht) und ob es dann nicht vielleicht besser wäre, mich gehen zu lassen.

Ach, und übrigens kann ich aus keinem eurer Beiträge rauslesen, ob ihr es nun eurem AG gesagt habt oder nicht... :-)

Bin mit der ganzen Situation im Moment irgendwie überfordert.
mya.stone
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