Selbstständig machen mit CED?

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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SuPi
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Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von SuPi »

Hallo zusammen,

hat sich jemand von euch zugetraut, sich mit/trotz seiner CED selbstständig zu machen?
Ich arbeite seit knapp 6 Jahren mit MC als Angestellte (Übersetzerin) und bin in letzter Zeit ziemlich unglücklich am Arbeitsplatz.
Auch wenn Selbstsändigkeit für mich als chronisch Kranke bisher nie in Frage kam, beschäftigt mich das Thema angesichts meines cholerischen Chefs doch sehr, denn wer garantiert mir schon, dass ein weiterer Arbeitgeber nicht genauso wäre...
Bewerbung mit 70 % Schwerbehinderung ist auch ziemlich happig...

An sich wäre mein Beruf geradezu für die Selbstständigkeit geschaffen, aber in meinem/unseren Fall denk ich da halt doch sehr schnell an Existenzsorgen, falls man krankheitsbedingt (mal wieder) längere Zeit ausfallen sollte...
Gibt es da evtl. Instanzen, die chronisch Erkrankte bei der Selbstständigkeit unterstützen würden?
Wäre wirklich dankbar für ein paar Erfahrungen oder Tipps. :-)

LG
SuPi
Das Interessante im Leben sind die Veränderungen, auch wenn die Übergänge manchmal etwas schwierig sind.

Angela1968
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von Angela1968 »

Also ich war neulich in einem Forum erstaunt weil jemand ne Frage zur Selbstständigkeit hatte obwohl dieser eine Erwerbsminderungsrente hattte. Diese Selbstständigkeit war ihm sogar als "Rehamaßnahme" angeblich vom Arzt empfohlen worden. Doch da derjenige neben seiner Erwerbsminderungsrente noch Grundsicherung bezieht mussten wir ihm raten das noch mal zu überdenken. Was ich dati sagen wollte, eine Selbstständigkeit geht offenbar auch wenn man Rentner und eigentlich arbeitsunfähig ist, wenn man es sich leisten kann.

Angea

SuPi
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von SuPi »

Okay, aber was wäre dann, wenn man längere Zeit ausfallen würde? In dieser Zeit käme ja nichts rein...
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Thilo
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von Thilo »

SuPi hat geschrieben:........Bewerbung mit 70 % Schwerbehinderung ist auch ziemlich happig..........aber in meinem/unseren Fall denk ich da halt doch sehr schnell an Existenzsorgen, falls man krankheitsbedingt (mal wieder) längere Zeit ausfallen sollte........Gibt es da evtl. Instanzen, die chronisch Erkrankte bei der Selbstständigkeit unterstützen würden?......
Hallo SuPi,

bei einer Bewerbung brauchst du deine Schwerbehinderung nicht anzugeben.

Eine Instanz, die chronisch kranken Selbständigen ihr Einkommen überbrückt, falls sie krankheitsbedingt längere Zeit nicht berufstätig sein können, die gibt es meines Wissens nicht. Für gesunde Menschen gibt es hier entsprechende Versicherungen, die ein solches Risiko absichern; leider nicht für chronisch Kranke. Versicherungen wollen nur "gute Risiken" versichern.

Gruß

Thilo

SuPi
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von SuPi »

Hi Thilo,

mit einer derartigen "Ernüchterung" hatte ich fast schon gerechnet... ;)

Danke trotzdem! :)
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embudu
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von embudu »

Hallo SuPi,
wenn in Dir der Gedanke zur Selbständigkeit gekeimt ist, dann spiele in Gedanken einfach die Möglichkeiten durch und erstelle Dir nach und nach einen 'business plan'.
Kalkuliere möglich Unwägbarkeiten mit ein, plane Dein Finanzpolster, welchen Zeitraum Du auf alle Fälle überbrücken möchtest, falls Du kein Einkommen generieren kannst, kannst Du ggf Aushilfskräfte kurzfristig beschäftigen, so dass Du vielleicht nur noch Korrekturlesen musst, etc...

Eine Selbständigkeit kann sicherlich viel Vorteile haben, dass musst Du wohl für Dich selbst herausfinden. Du hast evtl auf der einen Seite mehr Freiheiten, was die Arbeitszeitplanung betrifft, aber Du bist in letzter Konsequenz für Dich verantwortlich - aber Selbständigkeit und CED schließen sich sicherlich nicht aus.

Lass Dir Zeit mit der Planung - vielleicht wirfst Du sie zwischendurch auch mal komplett über Bord, und kramst sie nach einigen Monaten wieder hervor, bis Du den Mut doch noch fasst und eine Lösung für Dich in Deinen Vorplanungen gefunden hast.

lg
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samira127
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von samira127 »

hallo,

ich kann dir aus der sicht einer selbstständigen berichten. ich habe es letztes jahr im mai gewagt. noch allerdings neben dem studium und erst nächstes jahr dann in kompletter vollzeit (aktuell auch schon die meiste zeit da studium nebenbei läuft). dazu auch noch in jobbereich der nicht so super gut bezahlt wird und sehr anstrengend körperlich. allerdings, ich habe mich noch nie so wohl gefühlt. meine cu ist nu ruhig aber ich kämpfe sehr stark mit ced rheuma und bin auch schwrbehindert, allerdings nur ein gdb von 50.

denke wenn du die krankheitsphasen überbrücken kannst finaziell dann mach es. ich finde es deutlich entspannter da ich selber für die arbeitszeiten und die arbeitsaufträge verantwortlich bin. wenn ich gut drauf bin mache ich mehr und wenn es gerade nicht so richtig geht mache ich weniger. so komme ich ganz gut über die runden. habe allerdings auch noch meine eltern im hintergrund die mich auffangen können wenn es nicht klappt.
Hoffnung, ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es gut ist, egal wie es ausgeht.

Vaclav Havel

Franz
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von Franz »

Hi SuPi,
ich bin selbstständig und habe CU.
Selbstständig war ich schon vor der CU - habe diesen Schritt im Alter von 20 Jahren gewählt, mittlerweile bin ich 30.
In diesem Zusammenhang bin ich auch noch Arbeitgeber.

Ich arbeite von zu Hause aus am PC.
Das bringt schon auch einige Vorteile mit sich. Zum Beispiel muss ich Morgens nicht aus dem Haus, d.h. wenn es mir mal nicht so gut geht, gehe ich den Tag halt etwas langsamer an.
Ich habe keine Probleme mit Arzt-Terminen und habe dafür quasi "immer" Zeit. Der ganze Stress den "Kollegen" mit sich bringen können, bleibt mir größtenteils auch erspart.

Berufsunfähigkeitsversicherungen usw. habe ich zum Glück noch aus der Zeit vor der Erkrankung und bin in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, was preislich auch noch einigermaßen erträglich ist. Trotzdem ist klar: Wenn was schiefgeht hat man ein Problem. Ein soziales Netz für chronisch kranke Selbstständige existiert quasi nicht.
Wenn du aktuell Arbeitnehmerin bist, kannst du aber beim Wechsel in die Selbstständigkeit in der Arbeitslosenversicherung bleiben. Das nennt sich "freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige". Die zahlt halt dann, wenn man seine Firma wieder aufgibt - und ist schonmal besser als nichts.

Ich bin alleinstehend, kinderlos und wohne mietfrei, dazu sind meine Ansprüche überschaubar. In dieser Kombination, passt das, solange man halbwegs arbeiten kann, finanziell schon alles ganz gut.
Selbstständig zu sein, erachte ich daher im Moment eher als Privileg.

Wenn man natürlich 2 Kinder hat, das Haus abbezahlt werden muss usw. sieht die Sache schon ganz anders aus. Da darf kein Sand ins Getriebe kommen.
Wenn man im öffentlichen Dienst oder in großen Konzernen arbeitet, hat man was die Krankheit angeht auf jeden Fall mehr Sicherheiten.

Auf der einen Seite sollte man gewisse Dinge im Leben schon sehr ernst nehmen, wie z.B. ein geregeltes Einkommen. Andererseits ist die Frage, ob man der Krankheit soviel Platz in seinem Leben einräumen möchte, dass sie vorrangig entscheidend ist für die Wahl der Arbeitsplatzes.

Einen konkrete Einschätzung kann man nur geben, wenn man die persönliche Situation einigermaßen kennt.

Stockholm
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Re: Selbstständig machen mit CED?

Beitrag von Stockholm »

Hallo,

Bin spät dran, aber ich vermisse in den Beiträgen etwas.
Bei mir wurde MC vor 22 Jahren diagnostiziert. (Angeblich besonders schwerer Fall :? )
Bin seit 15 Jahren freiberuflich tätig.
Hatte einen Darmdurchbruch ich denke 2010. Hat 5 Monate inclusive Stomarückverlegung und noch eine Bruch OP zusätzlich gedauert bis ich wieder voll auf dem Damm war.
Grundsätzlich: In meiner BKK gibt es die Möglichkeit eine Zusatz Versicherung abzuschließen, die den Verdienstausfall abfedert. (Kostet nicht so viel, glaub um die 70-Euro/ Monat)
Sie zahlt dann 60% vom Bemessungssatz der abhängig ist von der letzten Steuererklärung, ab der 6. Woche bis zu 18 Monate. (Also wie die Lohnfortzahlung als normaler Arbeitnehmer)
Mein Pech damals: Diese Zusatzversicherung wurde exakt damals abgeschafft für Freiberufler und dann erst während meines Krankenhausaufenthalts wieder eingeführt, weil die Politiker eingesehen haben, dass sie Mist gebaut haben. :lol:
Grundsätzlich als Selbständiger: Rücklagen bilden. Ich halte mir für 12 Monate Geld auf dem Konto. (Das Finanzamt ist was Vorauszahlungen angeht gnadenlos. Kein Einkommen wegen Krankheit ist kein Grund um diese zu kürzen.)
(Lass Dich nicht von dieser Lästigkeit aufhalten in deiner Lebensplanung. Ich habe im Krankenhaus wesentlich schlimmeres als Morbus Crohn gesehen.)

Grüße

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