Schub in Probezeit

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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Pickuptrolli
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Schub in Probezeit

Beitrag von Pickuptrolli »

Hallo allerseits!

Ich habe vor 4Wochen einen neuen Job angefangen, der mir sehr viel Freude bereitet.
Zu meinem großen Ärger habe ich trotzdem gerade jetzt einen akuten Schub meiner CU.
Ich bin seit Mittwoch krank daheim.
Nun muss ich mich ab Montag krankschreiben lassen. Mein Arbeitgeber ist sehr nett, aber irgendetwas muss ich ja sagen, warum ich so lange fehle. Bisher hab ich nur gesagt, dass ich Magen-Darm-Probleme hätte.
Da ich nur 3Monate Probezeit habe, habe ich natürlich Angst, nicht übernommen zu werden, wenn ich so lange ausfalle...
Und wenn dann noch klar ist, dass das chronisch ist?
Ich weiß, dass auf der Krankschreibung nicht steht, was man hat. Aber bei meinem Arbeitgeber müsste ich was sagen.
Darf man in so einem Fall lügen? Eine andere Krankheit angeben?
Danke für Euer Feedback!!!

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neptun
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von neptun »

Hallo und Willkommen,

was verstehst Du denn unter einem Schub? Was hast Du für Symptome und Beschwerden? Und was tust Du dagegen? Nimmst Du dauerhaft Mesalazin, hast Du rektale Behandlung gemacht mit Zäpfchen, Schaum oder Klysma?
Du warst noch nicht beim Arzt. Hast Du denn ausreichend Erfahrung mit Deiner cu? Bist Du schon lange betroffen?

Wie Du schreibst, man muß nichts zur Krankschreibung seinem AG gegenüber angeben. Und wenn man etwas sagt, doch dann in dem Tenor, mir war schlecht, Durchfall, Magen verdorben, Fieber. Direkt sagen, man hat cu, was soll der AG überhaupt damit anfangen? Hat er jemals davon gehört? Weiß er, was das überhaupt bedeutet in Deinem Fall und was kann es denn bedeuten, wo wir alle unseren zukünftigen Verlauf nicht kennen?

Hast Du wirklich einen schweren Schub, der sich bei mir immer erst über Tage entwickelte, dann gibt es ohnehin nur den Weg zum Arzt, eine Cortisontherapie zur Eindämmung der Entzündung. Dann hat man aber auch etliche Symptome, die keinen Zweifel an einer starken Entzündung aufkommen lassen, wie Blut am Stuhl, Tenesmen, viele Stühle, auch nur Blutpropfen, eventuell Fieber. Dazu schlapp, etc.

Handel, wenn Dir der Job wichtig ist.
Ein kleiner Schub dürfte nun nicht das Problem sein, auch zur Arbeit zu gehen, aber das kannst nur Du wissen und entscheiden.

LG Neptun

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Thilo
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von Thilo »

Hallo Pickuptrolli,

dein erster Beitrag im Forum. Niemand kennt deinen bisherigen Krankheitsverlauf, niemand weiß welche Tätigkeit zu zur Zeit ausübst, etc., pp. Somit kann man dir zunächst auch nur allgemein antworten.

Gegen deinen Willen hat dein Arbeitgeber keinen Anspruch darauf zu erfahren, welche Krankheit du hast. Deshalb ist auf dem für den Arbeitgeber bestimmten Teil der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung keine Diagnose angegeben. Wenn du deinem Arbeitgeber mitteilst, an welcher Krankheit du leidest, solltest du bedenken, dass dein Arbeitgeber diese Information auch zu deinem Nachteil nutzen kann.

In aller Regel streben Arbeitgeber nach "olympiareifen Belegschaften". Ausnahmen bestätigen die Regel. Durchaus gibt es auch Chef`s, die für Erkrankungen der Mitarbeiter Verständnis aufbringen, aber die allzu blauäugige Offenbarung einer chronischen Erkrankung in einem Vorstellungsgespräch oder während einer Probezeit bedeutet meist das Aus für eine erhoffte weitere Beschäftigung. Mit Ehrlichkeit beraubt man sich hier (leider) der Chancen für eine Beschäftigung. So jedenfalls meine Erfahrungen.

Du kennst deine Krankheit und deinen Körper am besten. Solltest du mit Unterstützung deines Arztes kurzfristig wieder arbeitsfähig werden, brauchst du gar nichts zu den Gründen deiner Arbeitsfähigkeit zu sagen. Dauert deine Arbeitsunfähigkeit etwas länger, könnte bspw. auch ein "hartnäckiger Virus" Grund für deine krankheitsbedingte Fehlzeit sein. Strebst du nach der Wahrheit, wirst du den Grund für deine Krankheit nennen. Mögliche Folgen musst du tragen.

Baldige gute Besserung wünscht dir

Thilo
Zuletzt geändert von Thilo am Fr 8. Mai 2015, 09:37, insgesamt 1-mal geändert.

Pickuptrolli
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von Pickuptrolli »

Hallo Neptun

Vielen Dank für die Nachricht.
Ich habe leider schon länger CU und bin daher auch in ärztlicher Behandlung.
Würde es mir nur "nicht so gut" gehen, wäre ich natürlich bei der Arbeit, das kannst Du mir glauben!
Das ist also nicht der Punkt.

Meine Frage war eben nur, wie man eine längere Abwesenheit erklären kann.
In Zeiten des Internets findet man ja auch als Außenstehender leider schnell genug Info über CU, dass einen als AG das abschrecken könnte...

Liebe Grüße!

Pickuptrolli
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von Pickuptrolli »

Hallo Thilo

Auch Dir lieben Dank für die Nachricht.
Ja, Du hast recht, ich habe sicher zu wenig geschrieben.

Ich habe seit 2008 die Diagnose CU und in den letzten Jahren etwa jährlich einen schweren Schub, der ca. 4-6Wochen gedauert hat.
Man kann natürlich nie absehen, wie sich die Dinge entwickeln, aber ich kenne meinen Körper mittlerweile ganz gut.
Ich will hier aber auch gar keine Spekulationen anstellen:
Ich weiß nicht, wie lange ich ausfallen werde. Das weiß man nie.
Und natürlich muss ich nicht sagen, was mir fehlt.
Aber ich weiß, dass es einen komischen Eindruck macht, partout nicht sagen zu wollen, was los ist und so lange zu fehlen.
Darum hatte ich gefragt, was Ihr dazu meint...

Sonnige Grüße!

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Thilo
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von Thilo »

Hallo Pickuptrolli,

bist du denn wenigsten durch die bisherigen Antworten bei deinen Überlegungen einen Schritt weiter gekommen ??? ;)

Pickuptrolli
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von Pickuptrolli »

Lieber Thilo

Danke der Nachfrage.
Weitergebracht hat es mich bedingt...
Es hat mich eigentlich eher bestärkt in dem, was ich schon vermutet habe:
Es gibt hierfür keine perfekte Lösung!
Aber es hat gut getan, Eure Meinungen zu hören! :)

Lieben Dank dafür!

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neptun
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von neptun »

Hallo

Nun gut, Du siehst die jetzige und bisherige Behandlung Deiner cu nicht als das Thema an. Wohl auch, weil Du aktuell das Problem mit der Begründung Deiner krankheitsbedingten Abwesenheit im Vordergrund siehst.

Trotzdem möchte ich Dir ans Herz legen, eine dem Verlauf adäquate medikamentöse Behandlung anzustreben. Es gibt viele Möglichkeiten der Medikation und lange nicht immer werden sie alle vom Arzt benannt, vorgeschlagen, angeboten. So ist es an den Betroffenen, darüber informiert zu sein und auf entsprechende Behandlung zu pochen. Du kannst vieles hier in all den Beiträgen nachlesen und zusätzlich empfehle ich Dir auch die Leitlinie zur cu, denn sie stellt den derzeitigen Wissensstand dar und ist Handlungsrahmen der Ärzte.
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-009.html

Gerade auf den Markt ist Cortiment gekommen, ein Budesonid mit besonderer MMX-Matrix, die dieses bestimmte Cortison bei der Dickdarmpassage kontinuierlich freisetzt. War bisher in den USA unter dem Namen Uceris bekannt. Es wirkt also vor Ort (topisch) und man bekommt eine geringere Dosierung und es wirkt eben nicht über den gesamten Körper(systemisch) wie Prednisolon.

Genau diese Freisetzung (MMX-Matrix) ist auch für Mesalazin erprobt im Medikament Mezavant, wo der Wirkstoff dann auch in den Enddarm, das Rektum kommt. Daran kranken nämlich andere Ummantelungen. Und da die cu immer im Rektum beginnt, dort ihre stärkste Ausprägung hat, so kann man dort auch gezielt und erfolgreich vor Ort behandeln mit Zäpfchen, Schaum und Klysma.

Es muß eben auch nicht immer ein Biological sein, das hilft. Vor allem sollte man bei schlechter Wirkung sich dann auch auf die Basistherapien besinnen.
Vielleicht sind diese Anregungen doch für Dich interessant, um solche Situationen, wie die aktuelle, zukünftig zu vermeiden.

Ich bin seit 1979 mit der Diagnose Proktits dabei, ab 1996 mit Linksseitencolitis. Habe immer einen chronisch aktiven Verlauf gehabt mit eingelagerten schweren Schüben.

LG Neptun

Bichin
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Re: Schub in Probezeit

Beitrag von Bichin »

Hallo pickuptrolli,

ich denke, zu Deiner Frage nach dem Umgang mit der jetzigen Situation gegenüber Deinem Arbeitgeber hat Thilo Dir schon gute Tipps gegeben.
Aber ich möchte mich auch Neptun anschließen und Dir auch raten, für eine gute medizinische Versorgung Deiner CU zu sorgen.

Du hast geschrieben, dass Du in den letzten Jahren etwa einen schweren Schub pro Jahr hattest, der ca. 4-6 Wochen gedauert hat. Ich weiß nicht, welche Medikation Du im Moment nimmst, aber möglicherweise ließen sich solche Schübe vermeiden oder zumindest reduzieren.

Da ich meine Diagnose während des Studiums hatte und mich erstmal über Jahre nur als Studentin mit meiner CU auseinandersetzen musste, war ich auch unsicher, als ich meinen ersten Schub als Arbeitende hatte. Letztendlich hatte ich seit Arbeitsbeginn (allerdings nicht in der Probezeit) zwei Schübe, und bei meiner Arbeit weiß niemand von der Erkrankung (im Fall von Krankschreibungen habe ich genau die Sachen vorgeschoben, die Thilo erwähnt). Aber das Wichtige ist, dass ich jetzt seit knapp einem Jahr wieder stabil in Remission bin. Auch wenn Dich akut die jetzige Situation beschäftigt, würde ich Dir auch raten, zu prüfen, ob Du die optimale Therapie bekommst.
Gerade wenn Dir die Arbeit so viel Spaß macht, was doch eine tolle Sache ist, möchtest Du doch in den nächsten Jahren möglichst wenig fehlen ;)

Ich wünsch Dir alles Gute!
LG, Helene

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