Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
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raspel
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Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von raspel »

Hallo, meine Psychotherapeutin möchte mir dringend zum Schwerbehindertenausweis raten.
Verdient man da mehr als das Existenzminimum (z.B. Hartz IV) und habe ich dadurch irgendwelche Nachteile?

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Thilo
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von Thilo »

Hallo raspel,

mit einem Schwerbehindertenausweis "verdienst" du nichts. Er dient zum Nachweis deiner Beeinträchtigungen und du kannst ggf. sogenannte Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen.

Hier im Forum gibt es zahlreiche Diskussionen zu den Vor- und Nachteilen. Du solltest die Suchfunktion nutzen und hier etwas stöbern.

Gruß

Thilo

raspel
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von raspel »

Ich habe aber bestimmt mehr als Hartz IV oder?

glöckchen09
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von glöckchen09 »

hey raspel,

wie schon geschrieben, hat ein schwerbehindertenausweis nichts mit nem job zu tun.
um geld zu verdienen brauchst nen job. ob du einen hast, bekommst oder behalten kannst weis man ja nicht.
und wieviel du dann verdienst weis man auch nicht. wenn du nur ein paar stunden in der woche arbeiten kannst verdienst natürlich nicht viel.
mit schwerbehindertenausweis bekommst auch nicht unbedingt mehr.

grüße, glöckchen09

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Thilo
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von Thilo »

raspel hat geschrieben:Ich habe aber bestimmt mehr als Hartz IV oder?
Nein - nicht durch einen Schwerbehindertenausweis.

Mit ein paar Stunden Arbeit könntest du dein Hartz-IV-Bezug etwas aufbessern.

simba
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von simba »

Hallo!

Ich hab damals während meiner Ausbildungszeit meinen SB-Ausweis durchgeboxt, hat dann etwas länger gedauert als die Ausbildung, wurde dann Rückwirkend ausgestellt.
Ich bin allerdings fast immer damit auf die Nase gefallen. Ich hätte besser damals auf Einstellung beim Amt geklagt, nach meiner Ausbildung, hatte mich aber dann für was anderes entschieden.
Naja, war dann auch zwischenzeitlich berentet, aber trotz Studium und Berufserfahrung sitze ich jetzt mit 2 kleinen Kindern hier und gebe meine Schwerbehinderung schonmal gar nicht mehr an. Im Sommer hatte ich ne Zusage schriftlich erhalten, sowie den AV. Naja, bis ich von meiner SB erzählt habe. Eigentlich war alles super, und sozial in meinen Augen, hab dann gedacht, die können ja dann auch was mehr Gelder erhalten, wenn Sie mich als Schwerbehinderte einstellen. Mmh, Pustekuchen, ich hänge jetzt mit Anwalt vor Gericht um Schadensersatz zu erhalten! Aufgrund meiner SB bin ich nicht eingestellt worden. Und ich muss sagen, ich bin die letzten Jahre wirklich fit gewesen, ich hab auch bis auf die sowieso nicht abzustellenden Wehwehchen keine Probleme und es hätte auch so alles gepasst. Naja, aber das war dann wohl ein Satz mit "X"!

Ich kann dir empfehlen, wenn du keinen Anspruch auf Hilfen hast, wie Eingliederung etc. und keine feste Arbeit (Voll- oder Teilzeit) ist ein SB-Ausweis eher schlecht. Sowas ist immer am besten, wenn du sowieso schon ewig in der Firma bist, und unbefristet eingestellt. Dann den Ausweis noch zum zusätzlichen Kündigungsschutz zu haben und ein paar Jahre früher in Rente gehen zu können. Nur mit dem Ding ne Arbeit zu finden gestaltet sich schwieriger als du denkst.

LG Simba

simba
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von simba »

Achso und ob du einen SB hast oder nicht, ist egal. Um beim Hartz IV etwas mehr zu erhalten, müsstest du wegen dem Crohn Sondennahrung etc. brauchen, dann bekommst du einen Mehraufwand angerechnet. Nur das muss vom Arzt etc. bescheinigt werden.
Du kannst höchstens bei bestimmten Sachen wie Schwimmbad einen Rabatt erhalten, aber auch nicht überall.

Angiemaus
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von Angiemaus »

hi,
ich habe mc seit ich 15 bin und als teenie möchte man ja nicht "behindert" sein...
aber das war meine schlimmste zeit, böse schübe und diverse fistel-op's und genau dann sollte man einen antrag stellen!
ich habs erst gemacht als ich erwachsen war und es mir relativ gut ging also hab ich gerade so 30% bekommen...
ich muss sagen, nachteile hab ich gar keine, du musst ja deinem arbeitgeber gar nix davon sagen (ausser du hast es auf 50% geschafft),
aber ich habe jedes jahr bei der lohnsteuer eine steuervergünstigung dadurch!

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neptun
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von neptun »

Hallo Angie,

auch als Schwerbehinderter brauchst Du die Schwerbehinderung nirgendwo angeben. Allerdings gibt es dann auch nicht die Nachteilsausgleiche, z.B. im Betrieb. Kennst Du das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)?

Und Du scheinst bei einem Finanzamt zur Veranlagung zu sein, daß die steuerrechtlichen Grundlagen nicht kennt. Aber gut für Dich.
Unter einem GdB 50 gibt es für CED-Betroffene keinen steuerlichen Vorteil. Siehe hierzu meinen Beitrag in diesem Thread, wo es um § 33b EStG geht.

https://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=1 ... uer#p12921

Nur zur Klarstellung.
LG Neptun
Zuletzt geändert von neptun am Do 22. Jan 2015, 16:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Thilo
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Re: Schwierige Entscheidung zum Schwerbehindertenausweis

Beitrag von Thilo »

Angiemaus hat geschrieben:.......du musst ja deinem arbeitgeber gar nix davon sagen (ausser du hast es auf 50% geschafft)
Hallo Angiemaus,

auch über einen bestehenden Grad der Behinderung von 50 oder höher "muss" man seinen Arbeitgeber nicht zwingend informieren. Im Gegenzug kann man im Arbeitsverhältnis aber auch keine Rechte oder Nachteilsausgleiche, wie bspw. der 5-tägige Zusatzurlaub aus der bestehenden Schwerbehinderung ableiten.

Die viel zitierte "Steuervergünstigung" aufgrund einer anerkannten Schwerbehinderung über den sogenannten "Pauschbetrag" ist bei näherer Betrachtung derart gering, dass sie oft nur wenige Euro monatlich ausmacht. Das hängt natürlich immer von der Höhe des Einkommens, der Steuerklasse und den individuellen Steuerfaktoren ab.

Gruß

Thilo

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