Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Konrad » Fr 22. Nov 2013, 16:34

Hallo Anton,

ich gehe davon aus, dass Deine Firma etwas grösser ist, und dass es da viele Hierarchieebenen gibt. Leider wird mit steigender Mitarbeiterzahl im Unternehmen die mittlere "Spitze" immer breiter, sprich die Kollegen dort vermehren sich im Handumdrehen. Zur Not werden halt einfach noch mal Ebenen eingefügt.

Mal ein paar kurze Gedanken hierzu:

- wer mal zum "Führungskreis" aufgeschlossen hat, will weiter hinaus (Er/sie hat die Ellenbogen schon bewiesen)
- die Orientierung derselben wird nach oben gehen. Alle Ideen, die vom Management als Visionen präsentiert werden, werden kritiklos/rigoros übernommen und umgesetzt. Je besser man das schafft, desto besser sind die eigenen Aussichten für den weiteren Aufstieg
- Je besser...(siehe oben) geht natürlich auf Kosten der Mitarbeiter unterhalb der "eigenen" Hierarchie

ich gehe davon aus, dass Dein direkter Chef nun zwischen Dir und dem Management, also zwischen 2 Stühlen "sitzt". Selbst wenn er Dir gewogen ist, sind auch seine Möglichkeiten arg begrenzt. Ausserdem sind Ausnahmen bei Umsetzungen in der Unternehmensstruktur ziemlich unbeliebt, da irgendjemand ja "Federn" lassen muss. Dies aber wird jeder aus der "mittleren Spitze" auf jeden Fall vermeiden wollen, weil's schädlich ist für die eigene Karriere.

Ich bin mittlerweile selber seit fast 30 Jahre in einem grossen Unternehmen tätig (Ambitionen auf 80 Stunden-Wochen im Management habe ich frühzeitig begraben), und habe festgestellt, dass nichts in Stein gemeisselt ist. Wenn irgendwas nicht gepasst hat, und ich im ersten Anlauf keinen Erfolg hatte, habe ich die Sache zunächst ruhen lassen. Das jeweilige Thema habe ich aber später am geeigneten Ort, beim richtigen Ansprechpartner wieder angeschnitten. Beim meinem letzten Thema habe ich nach einer gewissen Wartezeit sogar meinen direkten Vorgesetzten übergangen und habe bei einer günstigen Gelegenheit den nächst höheren sachlich(!) angesprochen (ich muss dazu aber sagen, dass ich mit beiden per Du bin, da ich mit ihnen früher auf einer Ebene zusammen gearbeitet habe). Dann war es auf einmal möglich. Ich habe das Ganze aber auch so formuliert, dass niemand sein "Gesicht" verloren hat

Was ich mit dem allem sagen wollte, ist eigentlich: Egal was ist, aber wir als AN sind immer in der schlechteren Position. Ich weiß nicht, wie Du Deinen Brief formuliert hast, aber wenn er dazu führen sollte, dass Du bei der Geschäftsleitung jetzt unangenehm aufgefallen sein solltest, wirds schwierig für irgendwelche Vergünstigungen. Meiner Erfahrung nach führt einzig sanfter Druck und Beharrlichkeit zum Erfolg. Das dauert zwar, aber besser spät als nie :-)

In diesem Sinne wünsche ich Dir Erfolg in Deinem verständlichen Bemühen für ein eigenes Büro

LG Konrad
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Anton » Mo 25. Nov 2013, 15:39

Danke, Konrad,

ich denke auch, dass mein Chef zwischen den Stühlen sitzt.

Meine Antwort auf den ablehnenden Bescheid vom Personalchef, habe ich in cc an unseren zuständigen Hauptgeschäftsführer geschickt. Ich habe so formuliert: Ich möchte nicht glauben müssen..... So stelle ich mir vor... Bei allem Verständnis für die Situation...usw. Ich weiß, dass ich damit nicht durchkomme, aber es hat doch gutgetan, denen mal zu sagen, dass man nicht auf der Wurstbrühe hergeschwommen ist und nicht alles glaubt, was die Herrschaften so von sich geben. Irgendwie bin ich jetzt ruhiger.
Chef und Sekretärin sind auffällig freundlich zu mir (Kann ich gar nicht ab, so was.) und räumen schon mal alles so um, wie ich es wünsche. Trotzdem ist dieser Raum laut, zugig und durch die Sekretärin "tuttelig" (will sagen: mindestens 10 hässliche Pflanzen überall, Plüschtiere auf dem Computer, Babybilder an der Wand... und man hat keine Möglichkeit, sich mal 5 Minuten zurückzuziehen - ein Albtraum.

LG
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Geysirforscher » Mo 25. Nov 2013, 20:17

Grundsätzlich musst Du Dir nicht alles gefallen lassen, Anton. Zwar hat der Arbeitgeber ein Direktionsrecht und kann somit Arbeitnehmer in ein anderes Büro umsetzen. Das Direktionsrecht findet aber seine Grenzen im Diskriminierungsverbot und der Fürsorgepflicht. Bist Du also der einzige Arbeitnehmer, der sein Büro räumen muss, kann hierin ggf. eine Diskriminierung eines chronisch kranken Arbeitnehmers gesehen werden.

Ob es klug ist, sich gegen die Entscheidung zu wehren, steht auf einen anderen Blatt. Der Arbeitgeber sitzt in der Regel am längeren Hebel und wir chronisch Kranken sind in vielen Situationen auch auf ein gewisses Entgegenkommen angewiesen. Solltest Du Dich gleichwohl wehren wollen, solltest Du entweder Rat bei einer Gewerkschaft oder einem versierten Arbeirsrechtler einholen.

Viele Grüße

G.
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Thilo » Mo 25. Nov 2013, 21:44

Geysirforscher hat geschrieben:........Das Direktionsrecht findet aber seine Grenzen im Diskriminierungsverbot und der Fürsorgepflicht......


Hallo G.,

auch wenn für Menschen mit Colitis Ulcerosa wegen der spezifischen gesundheitlichen Problematiken die Umsetzung von einem Einzelbüro in ein Großraumbüro einen Albtraum darstellen kann, finde ich in diesem Fall die Heranziehung von Diskriminierung und ggf. Verletzung der Fürsorgepflicht doch etwas weit hergeholt.

In der betrieblichen Praxis gibt es manigfaltige Gründe, die zu innerbetrieblichen Umsetzungen führen und bei den hier aufgeführten Gründen -die Räumung des Einzelbüros für einen höhergestellten Vorgesetzten- dürfte es argumentativ recht schwerfallen, dem Arbeitgeber eine Diskriminierung o. ä. nachzuweisen, um die bereits durchgeführte Maßnahme wieder rückgängig zu machen. In der freien Wirtschaft führen sehr oft "Spannungen" im betrieblichen Umfeld zu weitergehenden Zurücksetzungen, gar Mobbing.

Ganz unbestritten wird es der Threadersteller mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen schwer haben unter den neuen und ungewohnten Arbeitsbedingungen seine berufliche Tätigkeit zu verrichten. Ein weitergehender hartnäckiger Disput mit dem Arbeitgeber kann aber auch recht schnell in`s berufliche Abseits führen. Eine Gratwanderung.

Gruß

Thilo
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Geysirforscher » Mo 25. Nov 2013, 23:48

Moin Thilo,

Anton hatte gefragt, ob er etwas gegen die Versetzung tun kann. Ich habe versucht, diese Frage zu beantworten, was mir aber wohl nicht ganz gelungen ist.

Kurz noch einmal die rein juristische Antwort: grundsätzlich weites Ermessen des Arbeitgebers, wenn nichts abweichendes im Arbeitsvertrag, in Betriebsvereinbarungen etc. vereinbart ist. Die Grenze findet das Direktionsrecht im Diskriminierungsverbot, die Beispiele in der Rechtsprechung sind zahlreich und gehen von nicht der Stellung angemessenem Arbeitsplatz über Umsetzung nach Betriesratswahl. Ferner ist das Direktionsrecht in der Fürsorgepflicht begrenzt, das entspricht der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung seit einer Leitentscheidung des BAG aus dem Jahr 1959.

Es handelt sich also um Ausnahmefälle, die sorgfältig geprüft und mit medizinischen Gutachten hinterlegt werden sollten.

Das war die rein juristische Betrachtung. Im Ergebnis teile ich aber deine Auffassung - wie auch schon im vorherigen Post dargelegt. Eine Auseinandersetzung um diese Umsetzung würde ich nicht führen, da Anton ein hohes Prozessrisiko und unabsehbaren Folgen für sein weiteres Arbeitsverhältnis eingehen würde.

Ich hoffe, dass nun alle Missverständnisse ausgeräumt sind.

Viele Grüße

G.
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Thilo » Di 26. Nov 2013, 00:35

Hallo G.,

ich denke es gibt hier kaum Missverständnisse zwischen uns.

Eine Redensart sagt: Recht haben und Recht bekommen sind zwei paar Schuhe, wobei ich aber genau wie du der Auffassung bin, dass Anton selbst in einer denkbaren (rechtlichen) Auseinandersetzung wegen dieser für ihn unangenehmen Umsetzung am kürzeren Hebel sitzen würde. Bedauerlicherweise.

Man muss sich keine Ungerechtigkeiten gefallen lassen, aber doch stets genau überlegen, ob es sich lohnt für aussichtlose Dinge Kräfte zu vergeuden. Eine Diskriminierung nachzuweisen dürfte angesichts einer räumlichen Umsetzung innerhalb des Hauses bei gleicher Tätigkeit und Bezahlung recht schwer fallen. Mit dem Versuch eines solchen Nachweises legt man sich intensiv mit dem AG an. ;)

Letzlich wird ein jeder in seiner ganz speziellen Situation gezielt abwägen, wie weit er in seinem Arbeitsverhältnis zu gehen bereit ist. Bei fehlenden beruflichen Perspektiven winkt am Horizont ALG (II) oder bei schwierigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen evtl. eine mickrige EM-Rente. Im Hinblick darauf sind schon die größten Kämpfer schnell zahm geworden. ;)

Gruß

Thilo
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Anton » Di 26. Nov 2013, 14:13

Hallo, G., hallo Thilo,

sehr interessant. Aber ihr habt schon recht. Am Montag werde ich in den sauren Apfel beißen müssen und umziehen. Ich werde es bei der "demonstrativen Bekundung meines Unwillens" belassen. :(
Mich in aussichtslose Kämpfe zu verwickeln und meine Gesundheit noch weiter ruinieren, das möchte ich dann doch nicht. Da ich keinen Schwerbehindertenausweis habe, hab ich natürlich auch schlechteste Karten.

Vielleicht haben die ja nur darauf gewartet, dass ich kündige. Beim letzten Mitarbeitergespräch hat mir mein Chef, im Auftrag der Firma schon Geld angeboten, falls ich freiwillig kündige. Das habe ich ablehnt. Am 20.12. habe ich turnusgemäß, wie alle Mitarbeiter, wieder "Mitarbeitergespräch". Mal sehen, was die Firma mir da anbietet....

Jetzt genieße ich mal noch die paar Tage in meinem schönen, heute sonnigen, Büro.

LG
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Stine » Di 26. Nov 2013, 15:14

Hallo Anton,

es bleibt Dir zu wünschen, dass Du Dich mit der neuen Situation einschließlich der Plüschtiere und Pflanzen ;) arrangieren kannst. Einen Versuch war es wert, aber wie schon einige hier schrieben, erzwingen kann man nichts und Du willst ja weiter dort arbeiten. Vielleicht klappt alles besser als Du denkst.

LG, Stine
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Thilo » Di 26. Nov 2013, 15:58

Anton hat geschrieben:.......... Beim letzten Mitarbeitergespräch hat mir mein Chef, im Auftrag der Firma schon Geld angeboten, falls ich freiwillig kündige. Das habe ich ablehnt............


Hallo Anton,

nach Kenntnis dieser kurzen aber extrem wichtigen Komponente, erscheint mir deine Umsetzung in ein Großraumbüro jetzt in einem ganz anderen Licht. :o Du solltest nun sehr stark davon ausgehen, dass diese unschöne "Maßnahme" auch ein ganz gezielter "Nadelstich" darstellt, um dir dein weiteres Arbeitsleben in diesem Unternehmen möglicherweise zu verleiden.

Einem Mitarbeiter Geld für den Fall einer Eigenkündigung anzubieten signalisiert, dass man leicht auf ihn verzichten kann und bedeutet meist das Einläuten bestehender Trennungsabsichten. Warten wir Interessierte die weitere Entwicklung gespannt ab.

Ich wünsche dir an dieser Stelle für die zu erwartenden Auseinandersetzungen ein"dickes Fell".

Gruß

Thilo
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Re: Hilfe - muss ins Großraumbüro!

Beitragvon Konrad » Di 26. Nov 2013, 18:07

Moin,

Thilo hat geschrieben:...Einem Mitarbeiter Geld für den Fall einer Eigenkündigung anzubieten signalisiert, dass man leicht auf ihn verzichten kann und bedeutet meist das Einläuten bestehender Trennungsabsichten.


...kann sein, muss aber nicht. Bei grossen Firmen geht man bei "Personalanpassungen" gerne so vor, dass man mal alle Mitarbeiter anspricht, die ein gewisses Alter überschritten haben (Anton arbeitet in einer grossen Firma, und ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass er auch kein "Youngster " mehr ist). U.U.gibts was vom Staat dazu, man spart sich die Differenz im Gehalt zu einem jungen Neueinsteiger, man hat weniger Ärger mit der Gewerkschaft, ... Also ein schöner Versuchsballon. Und wer weiss, vllt.kann man ja mit ersten Unterschriften unter Abfindungen die Geschäftsleitung zufrieden stellen, und so Unruhen in der Belegschaft wg.ihrer Arbeitsplätze weitestgehend vermeiden. Wenn's in der Mannschaft rumort, leidet der betriebliche Ablauf immens, es ist äußerst schwierig da dann wieder Ruhe rein zu bringen. Nebenbei bemerkt sind je nach Dringlichkeit bei "Personalanpassungen" diese Angebote gar nicht mal so unattraktiv. Je nach Gehaltsgruppe kann das u.U.schon Mitte der 50er überlegenswert sein.

"Meine" Firma stand in den mindestens letzten 10 Jahren oftmals in den Medien, weil eben diese Personalanpassungen durchgeführt wurden. Dabei werden dann ALLE zum Klientel gehörende Personen gefragt. Unabhängig davon, ob die jemand loswerden will oder nicht. So wurden bei uns auch Kollegen gefragt, die man mit absoluter Sicherheit behalten wollte. Die Anzahl der Köpfe wird sowieso nicht vor Ort bestimmt, sondern von oben diktiert. Und selbst da wird dann gelogen. Somit wissen noch nicht mal die genau wie viele, die die Maßnahmen durchsetzen müssen.

LG Konrad
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