beruflich daneben gegriffen - wer hat 'ne Idee?

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

beruflich daneben gegriffen - wer hat 'ne Idee?

Beitragvon beere » Do 22. Aug 2013, 13:27

Hallo liebe Leute, ich stell mich kurz vor, hab Crohn seit 01 und bin verheiratet und Mama seit 03. Ich hab Schübe und Remissionsphasen. Bevor ich Azathioprin nahm, waren die Schübe bedrohlich und ich reagierte kortisonrefrektär, d.h. es ließ sich so gut wie nicht runterreduzieren und ich hab auch mal 20kg in 3 Wochen zugenommen. Außerdem vertrag ich Kortison psychisch schlecht, es macht mich wahnsinnig, sogar mein Therapeut sagt, er kennt 2 von mir, mit Kortison wirke ich auf ihn völlig anderst als ohne.
Mein letzter heftiger Schub ist 5 Jahre her, nach einem Schiksalsschlag. Seitdem lebe ich gut und habe auch immer gute Entscheidungen für mein Leben getroffen, so z.B. ein paar Jahre nicht in meinem sozialen Beruf zu arbeiten sondern mich um Haus u. Familie zu kümmern und Jobs anzunehmen. Mein Beruf macht Spaß, nur die Arbeitszeiten werden mir mehr und mehr zum Verhängnis, denn mein Mann schichtet auch.
Vor wenigen Monaten habe ich wieder zu arbeiten begonnen. Hab mir Zeit gelassen bei der Suche beim alten Betrieb (großer Arbeitgeber, viele Bereichen, z.B. Pflege). Allerdings hab ich Warnhinweise überhört und Kompromisse geschlossen. Und jetzt arbeite ich nicht so, wie ich es gewohnt bin, sondern wesentlich unstrukturierter. Mein Arbeitsplatz ist selten sauber, ich finde verschimmeltes Essen, ich habe keine Zeit für Menschen und renne nur herum. Bin ständig im Multitasking bei höchster Verantwortung und hab Angst, falsche Tabletten zu verteilen, und meine Dienstzeiten sind chaotisch.
Ich hab das in einer Besprechung meinen Kollegen genannt. Hoffte auf eine fruchtbare Diskussion. Schließlich jammern Kollegen auch über die Zustände. Aber die Kollegen ertragen das und werden es weiter ertragen. Ich habe mich sofort weiterbeworben, im selben Betrieb (Kinderbetreuung zu Schulzeiten, mein Traum). Aber dann kamen die späten Sommerferien und ich bekam davor keine feste Zusage. Und dann kam die Blutkontrolle und Leukozyten waren über 17000, daß CRP normal. Das bei gesundem Stuhlgang. Der Arzt schrieb mich 3 Wochen krank und erhöhte das Aza. In der Zeit habe ich mit dem Betriebsarzt und meinem Vorgesetzten gesprochen, und beide wollen mir helfen, wenn das mit der neuen Stelle nicht klappt. Dann hab ich wieder gearbeitet, in der Hoffnung, durchzuhalten, mit dem Wissen, ich geh bald.
Aber ich bin nach jedem Dienst erschlagen. Meine Muskeln, Knochen und Gelenke (Kreuz, Hüfte, Knie) tun mir weh. Ich schaff neben der Arbeit keinen Haushalt mehr und zick meine Familie an. Betriebsarzt ist im Urlaub, Arzt hat Vertretung und keine Zeit mehr für mich. Im Betrieb find ich in den Ferien wegen Mangelbesetzung keine Hilfe. Jetzt bin ich krankgemeldet, weil ich das Gefühl habe, zusammenzuklappen. Dazu das blöde schlechte Gewissen, die Kollegen im Stich zu lassen. Morgen will mich der Arzt mit Kortison dopen, mich nächste Woche zum arbeiten schicken und nix mehr hören. Das hilft mir aber nicht. Mit Kortison hab ich wieder Kraft, werd aber durchdrehen bei dem vielen Schmutz und keine Geduld für die Arbeit mehr haben. Vielleicht bekomme ich ein Kortisongesicht. Das macht normal nichts, aber in drei Wochen will ich mich vorstellen gehen und auf dem Bewerbungsfoto von vor drei Wochen hab ich kein Kortisongesicht! Wie kommt das denn an??? Ich hab Angst, mir die Chance zu verbauen.
Das erhöhte Aza schlägt an, meine Leukos gehen ganz langsam runter. Ich kann den ganzen Tag arbeiten außer in meinem Job.
Kortison könnte beim runterreduzieren einen "richtigen" Schub auslösen, im Moment sind es "nur" die Gelenke.

Was würdet ihr tun? Kein Schub, nur erschlagen, niemand siehts euch an. Niemand hat Zeit, Arbeit könnte mich jetzt kränker machen, Kortison könnte auch Schaden anrichten. Nochmal 3-4 Wochen krankschreiben dann bin ich über 6 Wochen und der Arzt meint, er kann es vor der Krankenkasse nicht rechtfertigen. Ich muß nur noch 3-4 Wochen durchhalten, dann hab ich eine neue Chance im Leben, auf die ich mich freue. Wie mach ich das nur? Viele liebe Grüße, Beere :roll:
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Re: beruflich daneben gegriffen - wer hat 'ne Idee?

Beitragvon Thilo » Fr 23. Aug 2013, 11:43

beere hat geschrieben:........Was würdet ihr tun? Kein Schub, nur erschlagen, niemand siehts euch an. Niemand hat Zeit, Arbeit könnte mich jetzt kränker machen, Kortison könnte auch Schaden anrichten. Nochmal 3-4 Wochen krankschreiben dann bin ich über 6 Wochen und der Arzt meint, er kann es vor der Krankenkasse nicht rechtfertigen. Ich muß nur noch 3-4 Wochen durchhalten, dann hab ich eine neue Chance im Leben, auf die ich mich freue. Wie mach ich das nur?


Hallo Beere,

dein Arzt ist allem Anschein nach der Krankenkasse mehr verpflichtet als seiner Patientin. Das bringt dich mit deiner schweren psychischen Belastung nicht weiter und lässt nur einen Schluß zu: sofortiger Arztwechsel.

Gemäß der gesetzlichen Krankenversicherung ist man arbeitsunfähig, wenn ein Versicherter seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit aufgrund einer Krankheit nicht mehr ausüben kann oder wenn sich die Erkrankung aufgrund der Tätigkeit verschlimmert. Dies ist doch offensichtlich hier der Fall. Also gehe kurzfristig zu einem anderen Arzt, schildere deine gesundheitlichen Probleme, deine derzeitige psychische Verfassung und lass sich weiterhin krank schreiben.

Einen Vorteil hast du: in 3-4 Wochen bist du nicht mehr in dem sich ständig drehenden Hamsterrad gefangen. Jeder Tag bringt dich dem Silberstreif am Horizont ein Stück näher und bis dahin hälst du durch!

Alles Gute.

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Re: beruflich daneben gegriffen - wer hat 'ne Idee?

Beitragvon beere » Fr 23. Aug 2013, 16:02

Hallo Thilo,
danke für deine Antwort. Tut mir gut. Ich hab mir heute Nacht ähnliches gedacht und meinen Arzt gefragt, ob er mich zur Beratung zu einem Spezialisten in die Crohn-Sprechstunde schickt. Das hat er gemacht, ich habe einen Termin.
Inzwischen denke ich, ich sollte unbedingt 6 Wochen krankgeschrieben sein, erst dann muß mein Betrieb handeln. Damit erspar ich mir erneute Krankmeldungen und erneutes Suchen, sollte es wieder Erwarten mit meiner Wunschstelle nicht klappen. Mein Betrieb ist kirchlich und da hab ich als Kranke am wenigsten Rechte, sagt mein Arzt. Aber nach 6 Wochen Krankmeldung muß jemand vom Betriebsrat kommen und mit mir darüber reden, was für mich geeigneter ist und mir dementsprechend eine andere Stelle anbieten. Ich hab mir auch die Pflichten vom Betriebsarzt durchgelesen und hab gedacht, nachdem ich ihm von meiner Überforderungssituation erzählt habe, hätte er wenigstens eine Arbeitsplatzbegehung machen und sich Dienstplaneinsicht verschaffen können.
Ich freu mich auf die Crohn-Sprechstunde in der Hoffnung, der Arzt hat dann Zeit und eine offenes Ohr für mich, und hoffe, daß ich den Betriebsrat und den Betriebsarzt nicht mehr brauche sondern wie geplant meine Wunschstelle antrete.
Da ich mich registriert habe, stelle ich mich, wenn ich Zeit habe, im Forum vor. Jetzt springt gerade mein Kind mit Freunden um mich herum, sehr unruhig hier.
Viele liebe Grüße, Beere
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Re: beruflich daneben gegriffen - wer hat 'ne Idee?

Beitragvon buddhist » Do 10. Okt 2013, 18:37

Hallo,

darf ich fragen, wie sich die Sache bei Dir weiterentwickelt hat?

Dein erster Beitrag könnte zu 90% von mir sein, fast ein wenig beängstigend. Zwei Gedanken:

1. Das Dein Arzt es nicht rechtfertigen konnte, Dich länger als 6 Wochen krank zu schreiben, ist albern. Anderen Arzt suchen.
2. Ich habe mich nun dazu entschlossen, einen Beruf und einen Betrieb zu suchen, der mit meiner CU vereinbar ist. Hierzu bin ich nun zunächst in die Arbeitslosigkeit gegangen. Ob das im Endeffekt die richtige Entscheidung war, wird sich zeigen. Aber ich rate Dir das Gleiche zu tun. Die Gesundheit ist nun mal das höchste Gut.

Vielen Dank im Voraus
buddhist
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