Bescheinigung für CED???

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Bescheinigung für CED???

Beitragvon Leipzigerin » Di 10. Apr 2018, 15:18

Hallo liebes Forum,

mich würde mal eure Meinung und Erfahrungen interessieren.

Ich bin seit fast 4 Jahren an MC erkrankt und momentan häufen sich die Tage, wo es mir schlecht geht und ich nicht zur Arbeit kann. Überwiegend habe ich diese Probleme in der Frühschicht.
Meine Ärztin riet mir, erstmal keine Schichtarbeit zu machen, sondern normal in Tagschicht zu gehen, da ich dort weniger Probleme habe.
Das Problem ist, in meinem Unternehmen, wo ich tätig bin, wird nur in Schichten gearbeitet.

Mein AG weiß über meine Krankheit Bescheid. Allerdings bin ich derzeit nicht mehr wirklich nützlich in dem Unternehmen weil ich meistens in der Frühschicht ausfalle.
Jetzt wurde mir angeraten, mir ein Attest oder Bescheinigung vom Arzt geben zu lassen, wo meine CED bescheinigt wird und das ich keine Schichten arbeiten soll.

Kann mir nur nicht wirklich vorstellen, das ein Arzt sowas macht. Ich weiß nur, das es Bescheinigungen gibt, für die Zuzahlungsbefreiung.

Bevor ich jetzt zum Arzt renne und nachfrage, wollte ich mich vorab hier informieren.

Gibt es so eine Bescheinigung bzw. Attest vom Arzt?
Oder gibt es andere Möglichkeiten?

LG Leipzigerin
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Re: Bescheinigung für CED???

Beitragvon Trixitrax » Di 10. Apr 2018, 18:25

Hallo Leipzigerin,

jeder Arzt hat die Möglichkeit ein individuelles Scheiben zu erstellen. Habe mir auch für einen speziellen Zweck was erstellen lassen. Das war bei meiner Ärztin kein Problem.
LG
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Re: Bescheinigung für CED???

Beitragvon Kaja » Di 10. Apr 2018, 18:49

Hallo Leipzigerin,

kannst Du aus Deinem 2- / 3- Schichtsystem bei Deinem AG in die Normalschicht oder Spätschicht gehen?

Hast Du da schon mal vorgefühlt?

Gäbe es auch einen sogn. "Schonarbeitsplatz" für Dich? Dies geht auch gut mit einem entsprechend hohen GdB und natürlich einem ärztlichen Schreiben.

Habt ihr einen Werks-/ Betriebsarzt? Dann ist es im Grunde auch gut diesen mit ins Boot zu holen sowie Deine Schwerbehindertenvertretung (ist dem Betriebsrat angegliedert).

Hat Deine Firma eine Inklusionsvereinbarung? Wenn ja, was steht dort drinnen und wo findest Du Dich dort?

Natürlich ist alles besser, wenn es auf dem "kleinen Dienstweg" geht und Dir mit dem Attest der Ärztin komplikationslos eine andere Schicht angeboten werden kann und das noch zeitgerecht.

Aber es ist halt nicht jedes Unternehmen mal so eben so flexibel, weil man möchte wahrscheinlich Deinem Wunsch entsprechen, aber an den Schichten hängen ja noch andere Kollegen/innen die ggf. auch in eine Verschiebung müssen.

Nur Du kannst jetzt einschätzen, was Dein AG Dir ad hoc ermöglichen kann.

Viele Grüße

Kaja
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Re: Bescheinigung für CED???

Beitragvon Leipzigerin » Mi 11. Apr 2018, 15:44

Hallo,

ich habe leider keine Möglichkeit in eine andere bzw. in die Normalschicht zu wechseln, da es diese nicht bei uns gibt.
Wir haben nur Früh- und Spätschicht. Zumal sind wir (mit mir eingeschlossen) nur 3-4 Mitarbeiterinnen pro Schicht.

Es ist irgendwie alles ein wenig verzwickt. Derzeit ist mein Arbeitgeber eine Zeitarbeitsfirma. Und wie man weiß, wird man dann weiter vermittelt.
Habe heute mit meinem AG telefoniert und die sagten mir, das sie mich nicht kündigen würden, da kein Grund vorliegt bzw. Krankheit kein Grund wäre.

Ich war eigentlich der Meinung, das wenn man für mehrere Wochen arbeitsunfähig ist, dies ein Kündigungsgrund wäre. Aber für die anscheinend nicht.
Da ich heute für weitere 2 Wochen krank geschrieben wurde, bin ich dann insgesamt schon seit 5 Wochen zu Hause. :x

Meine Kolleginnen gehen mittlerweile auch nicht mehr davon aus, das ich noch einmal zurück kommen werde und sind wohl schon fleißig auf der Suche nach neuen Kollegen.

Ein Attest bzw Bescheinigung habe ich im übrigen nicht von meiner Ärztin bekommen. Stattdessen riet sie mir, das ich doch einen Behindertenausweis beantragen soll und ich mit viel Glück einen GdB von 30 bekommen könnte.

Ich war mir bis dahin nicht bewusst, das man für eine CED auch sowas beantragen kann?! Frage mich aber auch gleichzeitig, ob dieser Ausweis irgendwelche Vorteile hätte?
Lohnt es sich den zu beantragen oder hat man da eher kaum Chancen?

Habe mich mit sowas noch nie so richtig beschäftigt, da ich davon ausgegangen bin, das ein Schwerbehindertenausweis nur für Menschen ist, die geistig oder körperlich sehr stark eingschränkt sind.

LG Leipzigerin
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Re: Bescheinigung für CED???

Beitragvon neptun » Mi 11. Apr 2018, 16:21

Hallo Leipzigerin,

da bleibt ja nur Kündigung, oder Du wartest auf selbige, oder Du widmest Dich nun mal intensiv dem mc und seiner Behandlung, um wieder einsatzfähig zu werden. Zeit genug hast Du ja.

Geklärt sollte sein, wo hast Du aktuell Entzündungsherde.
Auch ein aktueller Calprotectinwert kann von Nutzen sein, weil er einen Hinweis auf die Stärke der Entzündung liefern kann.
Und es sollten Symptome und Beschwerden klar sein für die Ärztin.

Mal ist es Inkontinenz, wobei Du wohl eher imperativen Stuhldrang meinst, dann wieder sitzt Du eine Stunde auf dem Klo.
Ist der Stuhl weich?
Wie oft hast Du Stuhlgang?
Gibt es Schmerzen? Wo und wie äußern sie sich?
etc.

Nimmst Du wieder Aza, es wirkt erst nach 3-6 Monaten. Und es sollte eine Dosierung nach Leitlinie mit optimal 2,5 mg je kg Körpergewicht sein.

Bei den von Dir geschilderten Beschwerden mit Stuhlunregelmäßigkeiten, Du könntest indischen Flohsamen zur Regulierung versuchen.
Und es sollte rektal behandelt werden. Mit Zäpfchen, Schaum oder Klysma. Am besten mit Klysma, weil es am höchsten reicht. Es gibt den Wirkstoff Mesalazin, also die Basismedikation. Die über Nacht, damit der Wirkstoff möglichst lange auf der entzündeten Darmschleimhaut liegen kann.
Die ließe sich dann auch kombinieren mit einem cortisonhaltigen Schaum zum Vormittag. Sehr gut zu applizieren und zu halten ist Colifoam.

Mesalazin kann man auch als Basismedikation bei mc einsetzen. Bei Enddarmbeschwerden wäre wohl Mezavant gut, weil es den Wirkstoff erst im Dickdarm freisetzt.

Dann gibt es den Wirkstoff Budesonid für den Dickdarm, ein spezielles Cortison, das dann direkt vor Ort, also topisch wirkt. Es wäre das Medikament Cortiment.

Du solltest also tätig werden.

Ein GdB von 30, wenn Du ihn denn bekommen würdest, er wäre sicher kein Nutzen für Dich in der derzeitigen Situation.

LG Neptun
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Re: Bescheinigung für CED???

Beitragvon Kaja » Mi 11. Apr 2018, 21:44

Hallo Leipzigerin,

wie Neptun auch geschrieben hat, kann ich Dir jetzt auch erstmal so richtig Dir ans Herz legen, Dich um Dich zu kümmern!

Du schreibst, Du hast mal Deine Medikamente vergessen. Aber Du schreibst nie, mit welchen Medikamenten Du wie behandelt
wirst?

Wann und wie regelmäßig werden aktuell bei Dir Blutbilder gemacht, primär auf die Entzündungsparameter?

Wann war der letzte Calpro-Wert und wie hoch?

Als CED-Patient muss man wirklich seinen Arztbesuchen, den Blutentnahmen, Stuhlproben, Spiegelungen etc. sehr nachkommen!

Wann hattest Du den letzten Termin bei Deinem Gastroenterologen/in?

Wie wurde Dein letzter Schub behandelt und wie lange hat dieser ungefähr gedauert? Wie wurde er medikamentös behandelt?

Bitte, in Deinem Interesse, beschäftige Dich mit Deiner Erkrankung. Weißt Du wo der Crohn bei Dir sitzt??? Weißt Du wo er insgesamt in seiner Ausbreitung sein kann?

Hast Du schon was über Stenosen gelesen? Auswirkungen von Stenosen?

Div. operativen Eingriffen mit Darmentfernungen bzw. als Beispiel Anlagen von Stomas?

Unsere Erkrankung ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen! Ich hoffe, ich konnte Dich etwas sensibilisieren.

Viele Grüße

Kaja
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