Verbeamtung trotz MC

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Re: Verbeamtung trotz MC

Beitragvon Cedrik289 » Fr 12. Jan 2018, 11:13

Hallo,
Ich gucke seit letztem Jahr schon ab und zu mal hier im Forum rein.
Da mich dieser Thread hier auch direkt betrifft, will ich nun auch mal meine Geschichte erzählen.

Ich befinde mich im Polizeidienst und bin seit Februar 2017 Beamter auf Probe.
Im Juli 2017 bekam ich die Diagnose Colitis Ulcerosa. Und seit dem mache ich mir Gedanken bezüglich meiner Ernennung zum Beamten auf Lebzeit.

Ich habe zum Beispiel gelesen, dass eine Verbeamtung mit einer CED nicht möglich ist. Aber mir dann halt auch die Frage gestellt, was wohl passiert wenn man bereits Beamter auf Probe ist?
Meine Kollegen denen ich mich anvertraut habe, meinten ich soll die Sache einfach versuchen zu verschweigen. Der Vertrauensmann von der Gewerkschaft sagte, es wären schon Leute mit ganz anderen Krankheiten verbeamtet worden.
Aber die haben alle leicht reden, so wie es halt ist wenn man selber nicht betroffen ist.
Der Vertrauensmann sagte mir auch, dass es nicht 100% sicher ist, dass man als Tarifbeschäftigter weiter beschäftigt wird wenn man kein Beamter auf Lebzeit wird.
Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass ich dann nach 5 Jahren Polizeidienst einfach in die Arbeitslosigkeit entlassen werde.
Was meint ihr?

Ich würde über mich behaupten dass ich einen (noch) leichten Verlauf habe.
Ich habe zwar innerhalb von einem Jahr 9 Kilo abgenommen, aber hatte durch die Krankheit noch keine Ausfallzeiten
Cedrik289
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Re: Verbeamtung trotz MC

Beitragvon Lupin » So 14. Jan 2018, 14:36

Hallo Cedrik289,

ich bin Lehrer und habe CU. Ich warte gerade auf die Entscheidung des Amtsarztes, ob ich Beamter auf Probe werde. Als Lehrer habe ich im Gegensatz zu dir allerdings den Vorteil, dass ich sonst tarifbeschäftigt werde, aber auf jeden Fall weiter als Lehrer arbeiten kann.

Ich war schon beim Amtsarzt und habe die CU mit angegeben. Er sagte zwar, dass das problematisch wäre, aber er wartet jetzt erstmal noch den Bericht meines Gastroenterologen ab und trifft dann die Entscheidung. Alle anderen Test, die bei dieser Untersuchung gemacht wurden, fielen bei mir gut aus, also ist die Entscheidung jetzt reine Glückssache.

Wenn du mal im Internet schaust, wirst du sehen, dass das aber leider jeder Amtsarzt anders sieht und auch überall unterschiedliche Dinge getestet werden. Mein Amtsarzt sagte z.B. dass die Verbeamtung mit MC ausgeschlossen wäre, aber mit CU nicht automatisch, da es ja die Möglichkeit gibt, den kompletten Dickdarm entfernen zu lassen, wodurch man die Krankheit dann quasi "heilen" könnte (obwohl ich persönlich das niemals machen würde). Deshalb will er jetzt noch den Bericht vom Gastro haben.

Ich würde die CU auf jeden Fall nicht verheimlichen, denn du musst auch eine Erklärung unterschreiben, dass du keine bekannten Krankheiten verheimlicht hast. Und wenn das in der Zunkunft irgendwann rauskommt, kann das zu ziemlichen Problemen bis zur Entlassung und Lohnrückforderungen führen. Außerdem wollen die ja eigentlich wissen, ob du bis zum Renteneintritt in dem Beruf arbeiten kannst und nicht vorher arbeitsunfähig wirst. Und das ist bei einer CU ja nicht der Fall. Wir fallen deshalb vielleicht immer mal aus, aber die Krankheit wird mit der Zeit nicht immer schlimmer.
Außerdem spricht es ja auch für einen stabilen Verlauf, wenn du in fünf Jahren keinen Ausfall wegen der CU hattest. Hier wäre es sicherlich praktisch, wenn dein Gastro dir so etwas auch bestätigen könnte. Der weiß ja, wie oft er dich krankgeschrieben hat.

Vielleicht konnte ich dir ja ein bisschen weiterhelfen.

Liebe Grüße
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Re: Verbeamtung trotz MC

Beitragvon HankMoody » Mo 15. Jan 2018, 10:23

Hallo Cedrik289,

eine Verbeamtung trotz CED ist generell nicht ausgeschlossen - wie ich ja bereits in früheren Beiträgen geschrieben habe, wurde ich trotz langjähriger, aktiver CU auf Lebenszeit verbeamtet. Auch die Verbeamtungen auf Wiederruf und Probe wurden mir relativ problemlos gewährt.

Aber: wie Lupin dir geschrieben hat, hängt hier leider einiges am zuständigen Amtsarzt. Ich weiß von vielen Studienkollegen, wie unterschiedlich die Bewertungen des Amtsarztes ausfallen können. Da ist einer wegen ein paar Kilo zu viel fast an der Untersuchung gescheitert, während jemand mit schwerer Diabetes nach ein paar Minuten ohne Probleme die Untersuchung bestanden hat.
Wenn dein Verlauf bisher tatsächlich eher leicht ist würde ich mir genau das von deinem behandelnden Gastro bescheinigen lassen und in der Hinterhand behalten, falls im Verlauf der Untersuchung der Amtsarzt Zweifel an deiner gesundheitlichen Eignung äußert.

Ich kann dir (und auch allen anderen, die vor einer Verbeamtung stehen) nur ans Herz legen, den Rat deiner Kollegen nicht zu befolgen! Wenn du Vorerkrankungen vorsätzlich verschweigst kann das weitreichende Folgen haben, falls das jemals herauskommen sollte. Ich arbeite im Personalbereich einer großen Behörde und habe so einen Fall schon live mitbekommen (das volle Programm, das Lupin schon beschrieben hat) und das will man niemandem wünschen.

@Lupin: Wenn beim Amtsarzt weiter Zweifel bestehen, kannst du ja vielleicht einen Deal "aushandeln"? Der Amtsarzt kann ja einer Verbeamtung auf Probe zustimmen, gleichzeitig bzgl. einer Verbeamtung auf Lebenszeit aber Bedenken äußern und eine weitere amtsärztliche Untersuchung vorschlagen, bevor die Verbeamtung auf Lebenszeit ansteht. Dann wird zu einem späteren Zeitpunkt alles nochmal neu bewertet und der Amtsarzt hat einen gewissen Zeitraum, den er als Bewertungsgrundlage für deinen Verlauf nehmen kann. Ist eigentlich auch keine ungewöhnliche Vorgehensweise und auf jeden Fall besser, als bereits an der Verbeamtung auf Probe zu scheitern.

Gruß
HankMoody
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