Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.
NewShatterHand
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Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von NewShatterHand »

Hallo,
meine Freundin leidet unter Colitis ulcerosa. Bevor sie die typischen Darmprobleme bekommt, tritt stets eine vermehrte Unzufriedenheit und innere Unruhe auf, die dann zu einer übersteigerten Gereiztheit und letztendlich zu Wutausbrüchen führt. Abhängig von der Intensität entscheidet der Körper in dieser Phase dann, ob durch den Stress die Krankheit ausbricht oder sich alles wieder beruhigt.

Ich frage mich, wie ich als Partner auf die Entwicklung positiven Einfluss nehmen kann: Selbst wenn ich versuche möglichst mitfühlend, neutral und sachlich, bzw. vorsichtig und behutsam mit ihr umzugehen und über die psychologische Seite der Krankheit zu sprechen, blockt sie und flieht vor der Auseinandersetzung, so dass eine Konfliktlösung nie in Aussicht steht. Einen Psychologen lehnt sie generell ab, was ich teilweise nachvollziehen kann, aber irgendwie sollte es doch voran gehen, bevor die Krankheit ihren Körper noch mehr Schaden zufügt. Kann mir hier im Forum jemand diesbezüglich helfen, wie ich damit umgehen kann ?

1. Vielleicht kann mir eine von der Krankheit betroffene Person sagen, wie ich meine Freundin unterstützen und was ihr während des Schubs helfen könnte, da wieder raus zu kommen ? (Dabei meine ich besonders den psychologischen Aspekt)

2. Wie geht ihr (als Angehörige) damit um ? Wie verarbeitet ihr die gehäuften Streitereien und Wutangriffe, die einem entgegen gebracht werden ?


Ich bin mir nicht sicher, ob jeder, der an Colitis ulcerosa leidet, die gleichen Ursachen für die Krankheit aufweist ? Bei meiner Freundin spielt fehlende Selbstliebe eine größere Rolle. Ich kann auch Parallelen zur Borderline-Erkrankung erkennen, was die Stimmungsschwankungen betrifft, aber ich bin auch kein Psychologe. Ich erwähne es nur, um ein besseres Bild zu umschreiben. Die Beziehung empfinde ich mittlerweile als sehr anstrengend, weil ich selbst nicht perfekt bin und es schwer ist einzuschätzen, in welchen Bereichen ich mich zurücknehmen sollte und wo sie an sich arbeiten könnte.
Vielleicht kann jemand meine Situation nachvollziehen und mir Tipps geben, wie man damit besser umgehen kann. Welche Strategien oder Lösungen es für Konflikte und in den Phasen der Schübe gibt ?

Liebe Grüße

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neptun
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von neptun »

Hallo,

willkommen im Forum.
Anscheinend hat Deine Freundin eine nicht so stark ausgeprägte cu mit einem öfteren Wechsel zwischen Entzündung/Rezidiv und Remission, also entzündungsfreier Zeit.

So sollte erst mal eine adäquate Behandlung erfolgen. Damit gar nicht solche Situationen auftreten können und weil es die logische Reaktion ist, eine Erkrankung zu behandeln.

Gibt es wirklich nachgewiesene Entzündung, man soll rektal behandeln mit Mesalazin. Je nach Höhe der Entzündung mit Zäpfchen, Schaum oder Klysma zur Nacht, damit der Wirkstoff möglichst lange auf der entzündeten Darmschleimhaut liegt. Dies kann man ergänzen durch einen cortisonhaltigen Schaum am Vormittag, wenn man min. eine halbe Stunde nicht auf die Toilette muß.

Dazu nimmt man nach Leitlinie cu auch Mesalazin oral ein. Während des Rezidivs min. 3g/d. Aber man nimmt auch in Remission dauerhaft über Jahre Mesalazin oral mit min. 2g/d, weil es dem Remissionserhalt dient und auch der Darmkrebsprophylaxe.
Die Leitlinie cu beinhaltet das aktuelle Wissen rund um die cu und dient auch als Handlungsempfehlung für Ärzte.
Hier der Link dorthin:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-009.html

Eine Entzündung kann man direkt durch eine kleine Rektoskopie (Goldstandard) nachweisen, die ohne Abführen und ohne Sedierung geht und nur 2-3 Minuten dauert. Oder indirekt durch den Calprotectinwert im Stuhl als spezifischer Marker für Entzündungen im Magen-Darm-Trakt.

Ist die Entzündung stärker, der Arzt wird eine Cortisoninduktionstherapie empfehlen als Akutmaßnahme. Da fängt man mit 1 mg je kg Körpergewicht an und schleicht nach Plan über ca. 3 1/2 Monate aus.

Wenn man um die eigene Reaktion weiß, auch beim Ausschleichen von Cortison kann man aggressiv oder depressiv werden, dann sollte man lernen, damit auch bewußt umzugehen und gegenzusteuern.

Du kannst nicht wegen der cu Prügelknabe sein. Das muß Deiner Freundin bewußt sein oder werden.
Niemand kann etwas dafür und es fehlt bisher die Erkenntnis, warum es die CED gibt, also den Grund oder die Gründe, wie man auch nicht weiß, warum es zu einem bestimmten Zeitpunkt anfängt, warum es ein Auf- und Ab gibt, und dann gibt es noch weitere ungeklärte Fragen.
Mit cu hat man eine Erkrankung, aber man ist weder dauerhaft krank, noch muß man unbedingt darunter leiden. Es ist auch eine Sache der Einstellung.
Was man äandern kann, soll man ändern, was nicht, das muß man hinnehmen.

Zu Borderline kann ich nichts schreiben. Es waren in den Jahren wenige Borderliner im Forum.

LG Neptun

NewShatterHand
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von NewShatterHand »

Vielen Dank für deine Antwort. Zu den Medikamenten sind wir bereits ganz gut informiert. Was fehlt sind genügend Erfahrungen, wie man an die psychologische Seite ran geht und das Miteinander besser gestalten kann.

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neptun
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von neptun »

Gerne.
Wenn es keine Entzündungsschübe gibt durch adäquate Behandlung und Remissonserhaltung, es sollte das Problem der übersteigerten Gereiztheit und der Wutausbrüche nur noch selten geben. Oder habe ich das falsch verstanden?

Wenn der Grund allerdings ein anderer sein sollte, dann will ich nichts dazu schreiben.

LG Neptun

NewShatterHand
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von NewShatterHand »

Sie hat die Wut nicht wegen dem entzündeten Darm, sie hat einen entzündeten Darm wegen ihrer Wut!

Ich habe im Forum nicht die einzelnen Beiträge gelesen, anhand der Überschriften klang es aber so, als wenn der eine oder andere hier schon über die psychologische Seite spricht ? Oder hab ich irgendetwas falsches gesagt, dass niemand mehr etwas zum Thema sagen möchte ? Oder bin hier im falschen Forum :?: :!:

Butterfly_85
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von Butterfly_85 »

Hallo NewShatterHand

Für mich hört es sich wie zwei Krankheitsbilder an - aber ich bin keine Ärztin! Ich kann dir nur meinen Eindruck schreiben, den ich habe.

Früher ging man davon aus, dass die CED-Patient:innen psychische Probleme haben, die sich dann auf den Darm auswirken.
Heute ist der Ansatz umgedreht, die CED-ler:innen haben Probleme mit dem Darm und je nach Resilienz können sie (wie bei jeder Erkrankung) psychische Probleme bekommen - sei es wegen Nicht-Verarbeitung (siehe auch Phasen der Trauer) oder folgender Depression (die sich auch wieder als Aggression äussern kann, was meist eher bei Männern passiert; Frauen neigen eher zum Leiden als „Rumwüten“).

Falls deine Freundin also psychische Probleme hat, können diese Stress verursachen und sich negativ auf den Darm auswirken. Ich würde aber keineswegs soweit gehen zu sagen: Sie hat einen entzündeten Darm, weil sie wütend ist. Da stellen sich mir die Nackenhaare. Wir haben CU und Rheuma in der Familie, teils von Kindesbeinen an. Genetische Faktoren spielen eine Rolle. So viel Wut kann man da noch gar nicht angesammelt haben - das würde ja dann nur über Vererbung gehen. ... das ist mir zu viel Erbsünde-Logik.

Wichtig ist, dass du dir Hilfe suchst. Angehörige psychisch Erkrankter können ebenfalls eine Therapie machen. Schliesslich entsteht da eine Art „Koabhängigkeit“. Das würde dir helfen zu wissen, wie du handeln/unterstützen kannst oder ob du die Kraft hast auf Dauer die psychische Erkrankung mitzutragen.

Meine persönliche Meinung:
Körperlich chronisch Erkrankte/Behinderte und ihre Partner:innen haben ein gemeinsames „Feindbild“ und können zusammen an Symptomlinderung arbeiten oder verschlechterte Gesundheitsbilder gemeinsam akzeptieren. Psychisch Erkrankte sind ihr eigener Gegner und häufig gar nicht in der Lage sachlich zu denken und logisch zu argumentieren. Als Partner:in steht man ohnmächtig daneben, mit Argumenten ist nicht beizukommen - und das Schlimme, das Paar hat keinen gemeinsamen Gegner.
Im Familien-/Bekanntenkreis kenne ich nur ein einziges (!) Paar, dass gut mir der Depression des Mannes umgeht (sehr vorbildlich, er hat die Depression akzeptiert und hört auf seine Gefühle und ihren Eindruck). Leider kenne ich auch zwei Fälle, in denen ein Suizid am Ende stand (Borderline und Depression, beide haben abgelehnt psychisch erkrankt zu sein) und die anderen „wurschteln“ sich irgendwie durch (wobei der/die „gesunde“ Partner:in heute nicht mehr so „gesund“ sind).

Ich wünsche dir viel Kraft.

Viele Grüsse
Butterfly

Michael8000
hat sich häuslich eingerichtet
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von Michael8000 »

Hallo NewShatterHand,

kennt deine Freundin ihre persönliche Ursache (nicht die Ursache) ihrer CU?

Vorschläge:

A) Gehe mit ihrer Erkrankung spielerisch um. Sag ihr, wenn sie wütend wird, dass sie Durchfall bekommen wird. Du kannst auch mal eine Situation provozieren. Z.B. "Ach weißt du was, ich möchte, dass du morgen Darmblutungen bekommst. Dazu muss ich dich jetzt wütend machen. Gerne filme ich dich dabei."

B) Übersteigerter ständiger Sex. (Verschiedene Varianten) SM könnte als Kompensation dienen, wobei sie die "S" Rolle einnehmen sollte.

C) Sie sollte jegliche Situationen, die bei ihr Wut auslösen, vermeiden. Extreme Situationen können sein: Hitze, Kälte, scharfes Essen, fettiges Essen, Meetings, große (komplizierte) Reisen, Probleme mit Verwandten/Arbeitskollegen, tiefgehende Gespräche. Lernen: "Ist mir Scheiss egal."

D) Ist sie hochsensibel? Wenn ja, entsprechend handeln, siehe YouTube Videos.

E) Lernen zu weinen statt zu bluten. Es ist verpönt in der Öffentlichkeit zu weinen, aber akzeptiert auf der Toilette zu bluten. Also, statt Wut wäre Weinen angesagt.

Aber: Wenn du dich nicht wohl fühlst, macht dass alles keinen Sinn. Sie muss dir entgegenkommen.

Gruß
Michael
Weiterhin empfehle ich professionelle Hilfe sowie die jeweils gültige Fassung der S3 Richtlinie zu CU/MC.

Butterfly_85
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von Butterfly_85 »

:shock: ... nicht dein Ernst.

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Cats
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von Cats »

Hallo Michael8000,

ich hoffe, dass dein Beitrag nicht so ganz ernstgemeint war. :roll:
Vorschläge wie „SM zur Kompensation“ oder „You Tube Videos“ sind in der Situation von NewShatterHand wenig sinnvoll.

Stattdessen wäre , wie von Butterfly schon geschrieben , professionelle Hilfe angesagt.

VG Marina
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Michael8000
hat sich häuslich eingerichtet
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Re: Tipps: Wie geht man mit den Wutschüben des Partners um ?

Beitrag von Michael8000 »

Hallo NewShatterHand,

nach Einspruch der Moderatorin nehme ich meinen vorherigen Beitrag zu 100% zurück.

Auch der Einwand von Butterfly "nicht dein Ernst" hat mich schlussendlich überzeugt.

SM ist etwas schlechtes, und ist für eure Situation nicht geeignet.

YouTube Videos zum Thema "Hochsensibel" wie von Frau Erna Hüls, Frau Sandra Würdenbaum, WDR, Psychologie im Alltag, Herr Dr. Reinhard Pichler, Auf Klo, Frau Sylvia Harke,... lehne ich ab. Und passt auch nicht zu eurer Situation.

Professionelle Hilfe kann nur funktionieren, wenn die Patientin auch freiwillig mitmacht. Sehe ich jedoch aus deinem Beitrag nicht. Aber gut. Ich rate zur professionellen Hilfe.

Dem Beitrag von Butterfly stimme ich zu. "und das Schlimme, das Paar hat keinen gemeinsamen Gegner."
Finde den Gegner und du findest die Lösung.

Viele liebe Grüße

In Gedanken bei euch
Michael
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