Beitrag von sozialen Faktoren an CED...

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.
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mates
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Beitrag von sozialen Faktoren an CED...

Beitrag von mates »

Hallo liebe Forumgemeinde,

ich habe mich entschlossen dieses Thema zu erstellen, denn es würde mich interessieren wie CED Betroffene
in einem schwierigen sozialen Umfeld zurechtkommen, auf dessen Hilfe sie teilweise aufgrund der CED angewiesen sind.
Wie können CED Betroffene die Diplomatie am besten für sich nutzen?

Ich habe seit 2002 eine C.U.. Seit der Diagnose weiss ich noch mehr, dass das Leben ein ständiger Kampf und ein ständiges Auf und Ab ist: zwischen Schub und Remission, zwischen guten und schlechten Zeiten.
Die Familie (Eltern, Geschwister, Kinder) sind zum Teil für einen da, wenn es einem schlechter geht (so sollte es jedenfalls sein), doch zum Anderen sind/können sie häufig auch der Auslöser sein für weitere Schübe und starken emotionalen Stress (emotionaler Stress mit einer Reduktion an Lebensqualität einher). Damit werden CED-Betroffene dann zusätzlich belastet und alleine gelassen.

Häufig habe ich das Gefühl, dass Familienmitglieder nur etwas von einem wollen. Das man Funktionieren muss und das viele Dinge, die man für die Familie macht, schon längst selbstverständlich geworden sind. Die Familie vergisst, das man eigene gesundheitliche Probleme hat, dennoch wird so getan als ob, die CED längst kein Thema mehr ist, weil man äußerlich fit erscheint. Im Berufsleben ist es genauso und die "Schwächeren" werden bewusst oder unbewusst aussortiert.

Ist die Empathie und menschliche Wärme der wirtschaftlichen Profitmaximierung zum Opfer gefallen? Ist Inklusion nur noch ein leerer Marketingbegriff?

Der Mensch ist zum großen Teil ein Produkt seiner Umwelt bzw. er ist stark von seiner sozialen Gruppe und dem Wirtschaftssystem geprägt, deswegen mache ich den Familienmitgliedern keinen direkten Vorwurf.
Jedoch gerate ich durch meine Kritik in die moralische Isolation (weil ich mit meiner Kritik in der Familie alleine bin) und physische Isolation (weil ich mich bewusst von diesen Ego-Strukturen abwende).
Dies führt zu einem Teufelskreis, weil man in der Isolation auf Dauer nicht glücklicher wird und man in Notsituationen auf Hilfe von Familie und Gesellschaft angewiesen ist.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gesammelt, dass Eure Familie die CED vergessen hat und nur ein "Funktionieren" erwartet wird?
Wie geht Ihr mit dieser Problematik um?

Michael8000
ist öfter hier
Beiträge: 45
Registriert: So 15. Dez 2019, 15:22

Re: Beitrag von sozialen Faktoren an CED...

Beitrag von Michael8000 »

Hallo,
mates hat geschrieben:Hallo liebe Forumgemeinde,

ich habe mich entschlossen dieses Thema zu erstellen, denn es würde mich interessieren wie CED Betroffene
in einem schwierigen sozialen Umfeld zurechtkommen, auf dessen Hilfe sie teilweise aufgrund der CED angewiesen sind.
Wie können CED Betroffene die Diplomatie am besten für sich nutzen?
Wie kann ein schwieriges Umfeld hilfreich sein?
Diplomatie besteht auch aus schmerzhaften Entscheidungen. Ob diese Entscheidung dann für die Krankheit richtig war, kann niemand im Voraus wissen.
mates hat geschrieben: Häufig habe ich das Gefühl, dass Familienmitglieder nur etwas von einem wollen. Das man Funktionieren muss und das viele Dinge, die man für die Familie macht, schon längst selbstverständlich geworden sind. Die Familie vergisst, das man eigene gesundheitliche Probleme hat, dennoch wird so getan als ob, die CED längst kein Thema mehr ist, weil man äußerlich fit erscheint. Im Berufsleben ist es genauso und die "Schwächeren" werden bewusst oder unbewusst aussortiert.
Mit der Familie über die Krankheit reden. Auch im Schub. Aber: Die Familie ist auch nicht der alleinige Pflegedienst.
Zu sagen "ich kann nicht" ist keine Schande. Die Familie muss die Krankheit schon erkennen.
mates hat geschrieben: Ist die Empathie und menschliche Wärme der wirtschaftlichen Profitmaximierung zum Opfer gefallen? Ist Inklusion nur noch ein leerer Marketingbegriff?
Nein. Wir haben eine soziale Marktwirtschaft. Es gibt Vereine, Gleichgesinnte,...
mates hat geschrieben: Dies führt zu einem Teufelskreis, weil man in der Isolation auf Dauer nicht glücklicher wird und man in Notsituationen auf Hilfe von Familie und Gesellschaft angewiesen ist.
Alleinstehenden Rentnern muss es nicht unbedingt schlecht gehen.
Wenn man die Familie nicht überfordern will, kann man auch den Pflegedienst einschalten, falls dies von der Krankenkasse genehmigt wird (?).
mates hat geschrieben: Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gesammelt, dass Eure Familie die CED vergessen hat und nur ein "Funktionieren" erwartet wird?
Wie geht Ihr mit dieser Problematik um?
"Funktionieren" kommt in den besten Familien vor.
Spontanität kann hilfreich. Weniger Pläne machen.

Gruß
Michael

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