Stenose und Kinderwunsch

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Stenose und Kinderwunsch

Beitragvon Chrissi872007 » Sa 27. Jan 2018, 14:02

Hallöchen,

kurz zu mir: Ich bin 30 Jahre alt, bin verheiratet und leide seit 10 Jahren an Morbus Crohn und seit 2 Jahren an Hashimoto. Ich habe 3 entzündete Stellen, die nie weggegangen sind. Was den MC betrifft bin ich laut meinem Arzt eher eine untypische Patientin, ich habe lediglich mal einen schlechten Tag im Monat mit Schmerzen an dem es mal nicht so gut geht, ansonsten bin ich beschwerdefrei. Ich nehme seit 3 Jahren Aza und vertrage es gut. Seit Sommer letzten Jahres haben wir einen Kinderwunsch, der sowohl mit meinem Schilddrüsenarzt, als auch mit meinem Gastro abgesprochen war, seitdem probieren wir schwanger zu werden. Im Dezember teilte mir mein Gastro mit, dass das Aza nicht den gewünschten Erfolg bringt und er gerne die TNF-Therapie machen möchte und ich dafür den Kinderwunsch erst mal auf Eis legen soll. Gestern war ich beim MRT Sellink, dabei stellte sich heraus, dass mittlerweile eine Stenose vorhanden ist, die er gerne operativ entfernen möchte, da sie mir sonst in einer Schwangerschaft Probleme bereiten könnte.

Nun weiß ich nicht was ich machen soll, weiter versuchen schwanger zu werden auf eigenes Risiko oder OP abwarten und Kinderwunsch erst mal aufschieben?

Ist noch jemand mit Stenose schwanger geworden oder wurde sogar im der Schwangerschaft operiert? Wurde es besser oder schlechter?
Chrissi872007
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Re: Stenose und Kinderwunsch

Beitragvon neptun » Sa 27. Jan 2018, 16:22

Hallo Chrissi,

willkommen im Forum.

Wo sitzt denn die Stenose genau und ist sie entzündlich oder bereits vernarbt?

Häufig befindet sich eine Stenose bei mc im terminalen Ileum oder im Bereich der Ileozökalklappe, also dem Übergang von Dünn- zu Dickdarm.

Eine absolute OP-Indikation wäre vor der Stenose eine Weitung des Darmes, weil dann der Darm porös werden kann und daraus dann auch eine Sepsis folgen kann, die lebensbedrohlich wäre.

Ansonsten müßte man nur handeln, wenn sie die Lebensqualität für Dich unzumutbar einschränkt, also mit Schmerzen oder mehr bei einem Subileus, also einen Darmverschluß. Oder Du könntest nur noch Püriertes essen. Häufig hilft es schon, wenn man eine sogenannte Stenosediät einhält, also nichts ißt, was an der Engstelle hängen bleiben könnte. Das wären Ballaststoffe, faserige Nahrungsmittel, Häute von Obst und Gemüse, Mais, Nüsse, Körner, Kerne. Dazu kannst Du im obersten Thread im Unterforum Ernährung lesen.

Ist die Stenose entzündlich, so ist sie medikamentös behandelbar. Ist sie vernarbt, dann wäre interessant, wie lang ist sie und welches Lumen hat sie noch, also welchen freien Durchgang im Darm?
Danach wären die Möglichkeiten eine Dilatation, also Dehnung während einer Kolo. Oder es wird minimalinvasiv eine Strikturoplastik gemacht, wobei der Darm längs aufgeschnitten und quer vernäht wird.

Oberstes Gebot ist die Erhaltung der Dünndarmschleimhaut. Die ist lebenswichtig.

Eine Resektion, also Rausschneiden, würde nur erfolgen bei o.g. Weitung vor der Stenose.

Eine entzündliche Stenose kann auch je nach Lage im Darm mit topisch wirkenden Medikamenten behandelt werden, also welche, die vor Ort wirken.
Da wäre bei der Ileozökalklappe das Mesalazin (Pentasa) und/oder das spezielle Cortison Budesonid (Entocort oder Budenofalk).

Insgesamt wäre auch ein Versuch mit dem systemisch wirkenden Cortison Prednisolon möglich. In einer Schwangerschaft ist Cortison durchaus möglich und auch üblich.

Selbst ein Biological als 3. Stufe der Behandlung wäre eine Zeitlang möglich. Dazu kannst Du auch auf der Seite von http://www.embryotox.de lesen.

Vielleicht solltest Du Dir unter den nun genannten Prämissen, wenn sie nicht auf eine absolute OP-Indikation hinweisen oder Dich derart einschränken, doch eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einholen.

LG Neptun
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Re: Stenose und Kinderwunsch

Beitragvon Chrissi872007 » Sa 27. Jan 2018, 17:37

Hallo Neptun,

Vielen Dank für die schnelle Antwort.
Mein Gastro sprach nur davon, dass er das vernarbte Gewebe entfernen möchte, da bei einer Schwangerschaft das Kind auf diese Stelle drücken und das schmerzhaft werden könnte. Einschränkungen habe ich zur Zeit keine, auch mit dem Essen habe ich wenig Probleme.
Die Bilder vom MRT hat er behalten, im Befund steht leider nur, dass es sich um 3 Engstellen mit Lumenreduktion zwischen 2,5 und 4cm und einer Vernarbung der Darmwand mit stenosierenden Effekt handelt.

Bisher habe ich mich in dieser Praxis sehr gut aufgehoben gefühlt, nur im Moment weiß ich nicht was ich von all dem halten soll.

LG. Chrissi
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Re: Stenose und Kinderwunsch

Beitragvon neptun » Sa 27. Jan 2018, 17:52

Hallo Chrissi,

ein Grundsatz bei uns ist, man sollte alle Befunde in Kopie bei sich zu Hause haben.
So bist Du besser informiert, kannst auch immer mal wieder nachlese, und es kann ja durchaus sein, man zieht mal um, etc.

Es gab auch schon mehrfach den Fall, wo Betroffene gar nicht recht über den Umfang ihrer CED aufgeklärt wurden. Und wie Du siehst, allein für Deine Entscheidung jetzt, brauchst Du eigentlich viel mehr an Information.

Es ist nicht nur ein Spruch, der Dünndarm ist lebenswichtig und wenn da etwas reseziert wird, man weiß nicht, ob sich die Entzündung verlagert und dann mehr Dünndarm betroffen sein wird. Zudem hat jeder Abschnitt im Dünndarm seine speziellen Aufgaben. Beim letzten Stück, dem terminalen Ileum, ist dies die Resorption von Vitamin B12 und auch der Gallensäure. So gibt es etliche Betroffene, die das Vitamin B12 mit Spritzen lebenslang substituieren müssen. Und die Gallensäure, wenn sie in den Dickdarm kommt, sie macht chologene Durchfälle, also ist die Anzahl Stühle vermehrt, sie sind durchfällig und am Anus brennt es. Abhilfe kann dann zwar Colestyramin bringen, aber ach dies ist eben dauerhaft zu nehmen und insgesamt kann es auch zu Steinen kommen in der Galle, wenn ich es recht erinnere.

Es wäre also einiges zu bedenken und Dein Arzt hat Dir anscheinend noch nicht viel erzählt. Wie ich anfangs schrieb, erst mal wäre der Ort der Stenosen wichtig. Ob es Dünndarmcrohn ist, weil es gleich 3 Stenosen sein sollen, ob nur der Übergang betroffen ist, oder ob sie sich im Dickdarm befinden.

Da Dich die CED lebenslang begleiten wird, wenn man auch seinen Verlauf nicht kennt, so ist es schon sehr wichtig, gut informiert zu sein.

LG Neptun
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