Große Probleme in der Familie

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Große Probleme in der Familie

Beitragvon doro » Di 9. Mai 2017, 19:36

Ich habe MC seit 1978, zwei große OPs und schwere Schübe hinter mir. Waren es früher meine Eltern, die mich mit der Krankheit nicht akzeptiert haben, so sind es heute meine erwachsenen Kinder. Oft muss ich mich rechtfertigen, wenn ich mich in einem Schub hinlege,weil es mir einfach schlecht geht. Fremde Menschen sind manchmal netter zu mir oder auch ein Kardiologe, der den MC sehr ernst nimmt. Ich leide sehr unter dieser familiären Situation. Ich habe immer funktioniert, funktionieren müssen. Jetzt kann ich nicht mehr.
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Re: Große Probleme in der Familie

Beitragvon jamchen » Mi 10. Mai 2017, 21:19

Liebe doro,

das finde ich sehr traurig! Wie sind denn deine Kinder früher damit umgegangen und wie alt sind sie nun?

Ich kann nachvollziehen, dass es manchmal auch für meine Kinder nicht immer leicht ist, zu verstehen, dass die eigene Mutter nicht mehr so kann wie sonst. Meine haben das früher nicht bewußt mitbekommen, weil sie zu klein waren.

Jetzt ist es manchmal schwer für sie zu verstehen, wenn ich hier liege, nichts gemacht ist oder manches länger liegen bleibt. Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass in dem Moment vielleicht für andere nicht deutlich zu sehen ist, dass es einem nicht gut geht.
Aber du hast es schon so lange und deine Kinder sind erwachsen. Man sollte meinen, dass da Verständnis vorhanden sein sollte.

Habt ihr mal offen miteinander darüber gesprochen warum sie sich so verhalten? Könnte es vielleicht auch eine Art Hilflosigkeit und die Angst und Sorge um dich sein? Vielleicht haben sie sich alles ganz anders ausgemalt, wenn sie erwachsen sind und kommen jetzt nicht damit zurecht.

Ich kann mir vorstellen, dass du dich von ihnen im "Stichgelassen" und allein fühlst.
Ein offen geführtes Gespräch könnte Klarheit bringen und evtl. käme das zur Sprache, was sonst vielleicht nie ausgesprochen wurde..

Lass den Kopf nicht hängen!
Manchmal rührt die Nichtakzeptanz aus Angst und Unwissenheit wie mit der Situation um zu gehen ist.

Kinder glauben oft, dass ihre Eltern alles überstehen und wenn sie erwachsen werden, wird ihnen klar, dass Eltern verletzlicher oder auch schwächer sein können, als angenommen. Oder die Wut darüber, dass du krank bist und steuern es gegen dich, weil sie nicht wissen wohin mit ihren Gefühlen oder es ist ihnen nicht wirklich bewußt…

Nicht aufgeben, es muss doch möglich sein, dass sich alles einrenkt.

Ich drücke dich ganz doll,
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Re: Große Probleme in der Familie

Beitragvon doro » So 14. Mai 2017, 09:05

Hallo Jamchen,

ich danke Dir für Deine Antwort. Meine Kinder sind jetzt 25 und 23 und werden mit zunehmendem Alter gleichgültiger, sie sind jedoch mit der kranken Mama grossgeworden. Ich musste oft ins Krankenhaus, als sie noch sehr klein waren. Gespräche darüber sind nicht möglich. Mir setzt diese Krankheit mit zunehmendem Alter (57) immer mehr zu.

Ich muss mich wohl damit abfinden...

Euch allen einen schönen Muttertag
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Re: Große Probleme in der Familie

Beitragvon neptun » Mo 15. Mai 2017, 09:38

Hallo Doro,

Deine Sätze klingen für mich danach, Deine Kinder nabeln sich ab, gehen ihren Lebensweg, haben ihre Vorstellungen, ihre Ausbildung oder Arbeit, ihre Interessen und Freunde, haben schon oder werden ihren eigenen Haushalt haben, ihre Beziehung, also einen wichtigen weiteren Menschen in ihrem Leben.

Kann es also sein, daß Du Erwartungen hast, die Deine Kinder zumindest in jetziger Zeit nicht erfüllen?

Ich möchte das nur mal zu bedenken geben, denn sicher ist es auch für Dich als Elternteil ein ganz neuer Lebensabschnitt mit vielen Veränderungen. Und es ist nun einmal so, nicht nur die Kinder haben so etwas vorher noch nie erlebt, auch wir als Eltern stehen schließlich solchen und anderen Situationen zum ersten Mal gegenüber. Wurden auch nicht darauf vorbereitet, informiert. Wie sollte das auch gehen und was würde es letztlich bringen?
Einzig haben wir dem Alter nach schon viel mehr erlebt an Situationen, die auch für uns dann immer neu waren.
Werden die Kinder auch noch merken und sich darauf einstellen müssen zu gegebener Zeit.

Da hilft also nur, sich der Situation zu stellen. Das kann auf vielfältigen Wegen geschehen, aber sich nie mit Forderungen, Vorwürfen, Erwartungen.

Vielleicht hilft Dir dies etwas im Umgang mit der Situation, denn ich denke nicht, daß die angesprochenen Probleme, Probleme mit der CED sind.

LG Neptun
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Re: Große Probleme in der Familie

Beitragvon doro » Di 16. Mai 2017, 08:20

Hallo Neptun, kann sein, dass Du als Mann die Dinge anders siehst. Natürlich hat meine Krankheit als alleinerziehende Mutter (ich bin geschieden) für uns viele Probleme bereitet. Meine Kinder sind nun einmal mit einer kranken Mutter grossgeworden, ich stand oft als Mutter und einzige Bezugsperson nicht zur Verfügung. Meine Eltern ignorieren meine Krankheit bis heute und haben mich nicht unterstützt....lange Geschichte, die keiner hören will. Der Vater der Kinder hat nie begriffen, dass ich eine Krankheit habe. Ich musste mir bezüglich des MC schon viele Sachen anhören...

Meine Kinder haben sich längst abgenabelt leben ihr eigenes Leben. Das hat ja mit meiner Krankheit auch nichts zu tun...klar. Trotzdem reagieren sie barsch und seltsam, wenn ich bei Begegnungen unterwegs auf die Toilette muss oder nicht mehr laufen kann...u.v.a.m. Ich will hier auch nichts weiter aufzählen, sonst wird das falsch verstanden. Aber es würde mich doch freuen, wenn als Antwort eher Berichte kämen, wie es den anderen mit ihrem Umfeld geht in Bezug auf ihre Krankheit. Ich kann zu.B. nicht bei meiner Schwiegertochter auf die Toilette gehen...das ist für SIE ein großes Problem. ..

Vielleicht bin ich ja auch die einzige CED-Kranke mit derartigen Problemen...
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Re: Große Probleme in der Familie

Beitragvon Roxypüppchen » Di 16. Mai 2017, 10:12

Hallo Doro,

Menschen die eine "heile Familie" ihr eigen nennen dürfen können sich schwer in das von Dir geschilderte hinein versetzen aber wollen Dir dennoch mit einer anderen Sicht auf die Dinge versuchen zur Seite zu stehen. Ich glaube nicht das Neptun Dir damit böses will!

Ich glaube, vielen von uns geht es ähnlich wie Dir - sei es innerhalb der Familie und, oder im Freundeskreis.
Ein Patentrezept im Umgang damit gibt es leider nicht. Ein Stück weit müssen wir damit umgehen lernen auch wenn dies bedeutet Beziehung zu beenden oder sich extrem zurück zu ziehen.
Aber, ich kann Dich auch sehr gut verstehen, weil ich selbst betroffen bin und inzwischen auch stellenweise drüber reden kann... Hier ein kleiner Auszug aus meiner Physche.
Ich habe leider eine sehr vergiftete Kindheit hinter mich gebracht und das Schlimmste daran ist, dass ich das damals erlebte häufig unbewusst in mein Erwachsenenleben hinein interpretiere. Somit"getriggert" werde. Ein Beispiel; mein Vater hatte auf alles wie es mir gerade ging - selbst wenn ich todsterbenskrank war (jammern war generell von Hause aus nicht erlaubt)-immer nur die eine Antwort "...Ich brauche Dich nicht fragen wie es Dir geht - es gibt ja nichts Neues..." Nur seine Belange waren wichtig und richtig. Sollange ich keinen Stress machte war ich meinen Eltern egal. Das ein Kind oder später eine erwachsene Tochter einfach nur ein wenig Zuspruch brauchen könnte kam ihnen nie in den Sinn. Was aus dieser Beziehung geworden sein muss kannst Du Dir sicher denken.


Ich kann Dir nur auf den Weg geben, wenn nicht sogar schon geschehen, Dir einen guten Therapeuten zu suchen und alles einmal aufzuarbeiten. Dein Umfeld kannst Du leider nicht ändern.

Ich wünsche Dir Kraft und alles Liebe!
Roxy

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Re: Große Probleme in der Familie

Beitragvon Thilo » Di 16. Mai 2017, 10:26

doro hat geschrieben:........Ich muss mich wohl damit abfinden...


Hallo doro,

damit hast du dir selbst die Antwort auf deine Fragen gegeben. Eventuell kannst du einen Weg suchen, um besser mit dieser belastenden Situation umzugehen.

Menschen, die derart abweisend auf eine schwere Erkrankung der Mutter und Schwiegermutter reagieren, werden auch auf mittlere Sicht kein Verständnis aufbringen. Das dieses abweisende Verhalten dich sehr kränkt und verletzt ist absolut verständlich.

Leider werden dir Erfahrungen anderer hier nicht weiterhelfen, weil sich konkret dadurch an deiner jetzigen Situation nichts ändern wird. Schlimmstenfalls wirst du auf positive Beispiele menschlicher Nähe, Hilfsbereitschaft und empathischem Verhalten noch trauriger schauen.

Ratschläge sind ohne genaue Kenntnis der speziellen Familiensituation eher nicht hilfreich. An irgendeiner Stelle gab es in der Vergangenheit "Knackpunkte", die ein solch abweisendes Verhalten von Kindern gegenüber ihrer Mutter hervorrufen. Eine Aufarbeitung dessen wird an der Bereitschaft deiner Kinder scheitern.

Ich wünsche dir alles Gute

Thilo
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Re: Große Probleme in der Familie

Beitragvon neptun » Di 16. Mai 2017, 11:01

Hallo Doro,

dann eine Ergänzung und vielleicht doch zum Verständnis meines ersten Beitrages.

Dein erster Satz war leider als Reaktion vorhersehbar.
Trotzdem ist er bedauerlich. Ich gebe Dir aber recht, bei der weit überwiegenden Zahl der Männer mag er zutreffen, wie dabei aber nicht auch die Frauen vergessen werden sollen, mit denen Du Dich vielleicht solidarisch siehst, was gewiß in Bausch und Bogen nicht stimmt.
Solche Allgemeinplätze bereiten mir immer Kopfschmerzen.

Auch nach etlichen Jahrzehnten, in denen über Gleichberechtigung geredet wurde, es hätte besser gleichberechtigte und tatsächliche Teilnahme heißen sollen, da hat sich nicht sehr viel getan.

Nach meiner Überzeugung sind da aber beide Geschlechter ursächlich beteiligt. Sie sind jeweils geprägt. Es gibt wohl auch immer Gründe dafür, die dem einzelnen Menschen vorteilhaft erscheinen. Die Beweggründe sind vielfältig und häufig auch egoistischer Natur, wie ich meine. Nur als Gemeinschaft und dann in der Gesellschaft finden dadurch eben keine grundlegenden Veränderungen statt.
Und wie man im Laufe der Jahre auch erkennen kann durch Gesetzgebung, Ausführungsbestimmungen, etc., die Politik in unserem Lande will es anscheinend gar nicht anders. Sie könnte, sollte und hätte vieles anders machen können, aber bei näherem Hinsehen wurde zementiert, was schon nach dem Kriege galt. Etwas diffiziler, etwas subtiler, etwas differenzierter.

Nun zu meinem Bericht.
Ich wuchs auch quasi ohne Vater auf, der verstarb, als ich noch 3 Jahre alt war. In meiner Familie gab es keine männliche Bezugsperson. Alle tot oder entfernte Verwandtschaft und weit weg.
Meine Mutter war immer Vollzeit berufstätig als Kindergärtnerin. Ich war tagsüber bis zu meinem 16. Lebensjahr im Kindertagesheim. Das war früher noch üblich.
Ich habe 2 Töchter, hatte eine Scheidung. Bei Trennung waren die Kinder 10 und 13 Jahre alt. Danach waren beide Kinder bei mir zu Hause. Wir hatten und lebten in all den späteren Jahren eine sehr gute Aufteilung des gemeinsamen Sorgerechts. Nach 3 Jahren blieb dann die ältere in meinem Haushalt, die jüngere wollte gerne zur Mutter ziehen, die auch immer Vollzeit gearbeitet hat. Somit waren auch meine Kinder im Kindergarten bis einschließlich 10 Jahren.

Zu meinem Verlauf mit der cu und den Folgen wirst Du sicher hier im Forum schon gelesen haben.
Ich habe dabei immer betont und hier als Rat den Anderen versucht zu vermitteln, der Umgang mit den CED erfordert Gleichmut und Geduld. Sie sind kein Untergang und wollen gemeistert sein, für etliche Betroffene sogar für den Rest ihres Lebens.
Und wenn es Einschränkungen im Leben durch die CED gibt, meist ist man nicht direkt krank. Auch wenn es Leute gibt, die meinen, sie hätten nun eine chronische Erkrankung und wären deswegen per se immer krank.
Mir ist auch klar, es gibt starke und dauerhafte Einschränkungen, wie z.B. bei einigen Fisteln, wozu ich gerade schrieb.
Dazu kommt, was weiß man schon, was eine Person noch außerhalb der CED an weiteren Erkrankungen und Einschränkungen hat?

Zum Schluß, ich komme mit meinen Töchtern gut klar, wie sie sicher auch mit mir. Und mit meinen weiteren Bezugspersonen, da sind die Verhältnisse sehr angenehm, vertrauens- und liebevoll.

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