Mesalazin in der Stillzeit

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Unrockstar » Mo 6. Jun 2016, 12:03

Ich habe CU und bin im Moment in der 38. Ssw.

Aufgrund meiner Vorgeschichte (Fehlgeburt zeitgleich mit einem schlimmen Schub nach Medikamentenabsetzen) wurde mir geraten eine niedrige Dosis Mesalazin (3,5 g) durch die Schwangerschaft hindurch zu nehmen. Das hat auch super geklappt und ich bin bisher beschwerdefrei.
Nun war ich vor ein paar Tagen nochmal bei meinem Gastro, um zu besprechen wie es weitergeht mit der Medikamenteneinnnahme während der Geburt und beim Stilen. Er riet mir dann dringend dazu das Mesalazin abzusetzen.

Ich kann seinen Standpunkt schon verstehen, weils mir natürlich auch lieber wäre, wenn mein Kind das nicht abbekommt (und es geht ja in die Muttermilch über), aber ich würde wirklich sehr gerne stillen und natürlich hab ich auch Angst vor einem erneuten Schub, den ich das letzte Mal sofort nach Mesalazinabsetzen bekommen habe. Das und ein Neugeborenes stelle ich mir auch nicht so spaßig vor.

Bei embryotox und in CU-Foren liest man überall vom Stillen mit Mesalazin und ich hab grad Angst, dass ich mit dem Absetzen einen großen Fehler machen könnte und dass das weiternehmen in geringer Dosis da das kleinere Übel sein könnte. Gegen den ärtztlichen Rat will ich mich aber auch nicht stellen. Ich bin aber auch sicher, dass mein Gastro nicht so unglaublich viel Ahnung von CU und Schwangerschaft hat.

Was ratet ihr mir? Wo könnte ich mir denn noch Infos holen?

Lieben Dank!
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Re: Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Sabbel » Di 7. Jun 2016, 10:07

Hi,

ich hatte nach der Schwangerschaft vor 2 Jahren einen Darmverschluss und bin so schließlich zu meiner Diagnose gekommen. Ich leide heute noch darunter, dass ich mich nicht richtig um mein neugeborenes kümmern konnte und mein Mann viel machen musste. Gestillt habe ich nur 4 Wochen, dann kamen die Beschwerden und ich musste abstillen.
An deiner Stelle würde ich ehrlich gesagt auf das Stillen verzichten und somit deine eigene und die Gesundheit deines Kindes am meisten schützen. Das das Baby nicht gestillt wird, wird es sicher besser verkraften als das Medikament in der Muttermilch oder eine Mutter im Schub, die sich nicht kümmern kann und schließlich doch abstillen muss.
Ich nehme zur Zeit Humira und würde bei einem zweiten Kind dann wohl auch aufs Stillen verzichten, auch wenn es natürlich schwer fällt, grade wenn man es sich so gewünscht hat. Das musst Du Dir einfach selbst erlauben so zu entscheiden, ich verstehe voll und ganz, dass man als Mutter immer alles perfekt für das Baby machen möchte, aber riskier lieber keinen Schub und genieß die Zeit einfach :-)

Lg
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Re: Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Carmen » Di 7. Jun 2016, 13:32

Hallo Unrockstar,

Du könntest Deinen Gastroenterologen auf die Einschätzung von Embryotox ansprechen. Ich persönlich finde es nicht besonders tragisch, wenn mein Arzt nicht zu jedem Detailthema von sich aus auf dem neuesten Stand ist. Solche Quellen sollte er jedoch, nachdem sie ihm bekannt sind, auch in seine Empfehlung einbeziehen. Natürlich bergen solche Situationen Konfliktpotential, wenn sich der Arzt nicht vom Patienten "belehren" lassen will. Ein bisschen Fingerspitzengefühl tut der Sache dann gut.

Du könntest die Sache auch von der anderen Seite her aufziehen und Deinen betreuenden Gynäkologen um Rat fragen.

Viele Grüße
Carmen
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Re: Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Koala » Mi 8. Jun 2016, 21:11

Hallo Unrockstar,

Dr. Dignaß hat schon vor vielen Jahren eine Falk-Broschüre zu dem Thema geschrieben. Ich habe die Version von 2015 im Netz gefunden und da schreibt er zum Thema Stillen: "Während der Einnahme von Cortison- und 5-ASA-Präparaten können Kinder gestillt werden, da nur vernachlässigbare Mengen über die Muttermilch in den kindlichen Organismus gelangen und keine negativen Auswirkungen für den Säugling bekannt sind." Ich würde bei diesem Thema nie nach den Empfehlungen des Arztes vor Ort gehen, sondern mich nach den Aussagen von Embryotox richten. Die Gastros haben davon keine Ahnung, sind im Zweifelsfall übervorsichtig und raten vom Stillen ab. Wenn man Medis nimmt, die sich mit dem Stillen wirklich nicht vertragen, kann man nichts machen, dann lässt man es eben mit dem Stillen, aber wenn es unnötig ist, darauf zu verzichten, würde ich es mir an Deiner Stelle nicht nehmen lassen, nur weil Ärzte schlecht informiert sind! Ich wünsch Dir alles Gute.

Liebe Grüße
Koala
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Re: Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Totoi » Di 2. Aug 2016, 19:07

Hallo Ihr,
mich interessiert, wie Eure Erfahrungen beim Stillen mit Mesalazin/Pentasa sind? Konnte man bei Euren Kindern etwas feststellen? Ich habe die gesamte Schwangerschaft über und auch nun im Anschluss die Erhaltungsdosis 2g/Tag Pentasa Retardgranulat genommen. Nun - ca. 3,5 Wochen nach der Entbindung - habe ich leider erstmals wieder Durchfälle und auch Blut im Stuhl. Ich denke, dass das durch die starke Umstellung der Verdauung in Folge der Schwangerschaft kommt. So eine Geburt ist ja auch keine kleine Sache für den Körper ;-) Mein Arzt empfiehlt mir, die Dosis vorübergehend wieder auf 4g/Tag hochzusetzten und zu schauen, ob es damit besser wird (was ich stark hoffe und mir auch gut vorstellen kann).
Mich treibt vor allem die Frage um, wie ich merke, ob das Mesalazin doch Auswirkungen auf mein Kind hat? In der Packungsbeilage stehen ja nur 2 Sätze dazu und allgemein wird Mesalazin in der Schwangerschaft auch "empfohlen. Bisher bemerke ich am Kind auch nichts auffälliges und hoffe, das bleibt so. Trotzdem treibt mich die Frage um (auch jetzt mit der höheren Dosis) und ich würde mich freuen von Erfahrungen anderer zu hören - am liebsten natürlich von Positiven :-)
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Re: Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Koala » Di 2. Aug 2016, 19:21

Hallo Totoi,

da kann ich Dir leider nicht mit eigenen Erfahrungen weiterhelfen, da ich nur Mesalazin-Zäpfchen bzw. -Klysmen genommen habe. Nicht aus Angst vor Nebenwirkungen für das Kind, sondern weil mir orales Mesalazin keine Besserung der Beschwerden bringt (gut, inzwischen bin ich auch auf den Trichter gekommen, dass ich es wahrscheinlich trotzdem regelmäßig einnehmen sollte, aber damals war mir das noch nicht so klar). Da aber bisher keine negativen Auswirkungen auf gestillte Kinder bekannt sein sollen, würde es mich überraschen, wenn es jetzt hier groß Erfahrungsberichte dazu geben würde. Ich würde mir da an Deiner Stelle keine größeren Gedanken dazu machen.

LG, Koala
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Re: Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Schmunzlerin » Sa 6. Aug 2016, 23:31

hallo

habe beide Kinder mit Mesalazin gestillt - völlig ohne Probleme. Dazu kam regelmäßig noch cortison und beim 2. Kind auch azathioprin und cortiment.
Ich habe einen stillfreundlichen Kinderarzt, der mich darin immer unterstützt hat. unter aza wurde der Säugling anfangs hinsichtlich der Leberwerte überwacht. dazu eine gute Anbindung an eine Ambulanz, die ebenfalls recht entspannt waren.
<im Übrigen traue ich auch eher embryotox als allgemeinen bauchempfehlungen von Fachärzten. die wenigsten haben Ahnung von CED UND Stillen Und Kinderheilkunde. kann man auch von keinem verlangen ;).
Mesalazin selbst ist mittlerweile ja wirklich umfangreich erprobt und als unbedenklich eingestuft.
LG und eine gute Stillzeit
CU 2006
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Re: Mesalazin in der Stillzeit

Beitragvon Korona » So 7. Aug 2016, 09:24

Hallo,

ich bin weder Mutter, noch richtig im Thema und daher ist dies nur eine ungeprüfte Idee:

in der Remission wird ja Mutaflor als Mesalazin-Ersatz bei Mesalazin-Unverträglichkeit empfohlen und, soweit ich weiß, auch in den Leitlinien als gleichwertig beurteilt.
Bei Unverträglichkeit zahlt es sogar die Kasse, das kann man dann evtl. ja auch auf die Stillzeit übertragen.
Mutaflor gibt es auch in Tropfenform, so dass man selbst gut feindosieren kann.

Könnte das eine Alternative sein? In Embryotox habe ich Mutaflor nicht gefunden, aber vermutlich kann man das dort hinterfragen?

LG, Korona
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