Schwanger unter Azathioprin

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Maicatcher » Di 19. Mai 2015, 11:04

Hallo liebe CED'ler...
Ich habe soeben gelesen das es schon einige Fragen gibt, die meiner gleichen. Dennoch finde ich, dass jede Geschichte individuell ist und auch individuell behandelt werden sollte. Aus diesem Grund stelle ich mich und meinen Krankheitsverlauf ein mal vor ;-)

Ich werde im Sommer 29 Jahre alt und lebe nun seit 12 Jahren mit meinem Crohn. Die Diagnose wurde also mit 17 gestellt, wobei ich sagen muss das ich in meiner Kindheit schon Beschwerden hatte die einem MC sehr nahe kamen. Nach dieser Feststellung wurde ich anfangs des öfteren mit Korti behandelt. Schon 1 Jahr nach der Diagnose wurden mir 10 cm meines Dünndarmes entfernt, woraufhin ich 2 Jahre Schubfrei war. Danach wieder schwere Schübe, weiterhin mit Korti behandelt. 2009 kam dann ein Kinderwunsch auf. Da es mir in dieser Zeit gut ging und mein Crohn ruhte, bekam ich das 'go' von dem Ärzten und legte also los :lol: Die erste Schwangerschaft endete leider in einer FG. Kurze Zeit später hat es jedoch geklappt mit einer intakten Schwangerschaft. Somit wurde ich dann 2010 Mutter einer gesunden Tochter, mit der ich eine wundervolle Schwangerschaft hatte. In dieser Zeit ging es mir besser den je. Bis 2 Jahre nach der Entbindung war ich beschwerdefrei. Dann schlichen sich langsam wieder die üblichen Beschwerden ein und ein Schub nach dem anderen donnerte auf mich ein. Ich muss dazu sagen, dass ich einige Ärtze ausprobiert habe, mit vielen schlechten Erfahrungen...Seit einem halben Jahr bin ich nun in Behandlung bei einem Arzt meines Vertrauens. Er hat nach einigen Untersuchungen Azathioprin verordnet (Anfangs zusätzlich Antibiotikum u. Korti). Nun ja...wie soll ich das Gefühl, was ich seitdem habe, beschreiben?! Ich hatte tierische Angst vor diesem Medikament. Es ist ja nun mal auch nicht ohne. Dennoch habe ich es gewagt und ich fühle mich wie neugeboren. Wusste schon gar nicht mehr wie es ist sich gesund zu fühlen. Voller Elan zu sein, richtig zu schlafen, rumtoben zu können mit meiner Tochter, konzentriert zu sein, wieder einem Beruf nachgehen zu können, nicht mehr das Hauptempfinden auf seinem Bauch zu haben. Es ist für mich mittlerweile unvorstellbar bzw. stelle ich mir oft die Frage, wie ich es geschafft habe jeden Tag auf's neue meinen Alltag zu bestreiten, ohne dieses Medikament. Ich habe keinerlei Nebenwirkungen, mein Blutbild ist top und was mich am aller meisten gefreut hat, war die Aussage meines Arztes bei meiner letzten Spiegelung ''Frau xx, ich habe selten einen so gesunden Darm bei einem Patienten mit MC gesehen''.


Es tut mir leid das ich so weit aushole, aber vielleicht kann ich ja einigen hier Mut machen, die sich noch scheuen vor Immunsupressiva :) Nun komme ich zum eigentlichen Problem. Und zwar habe ich vor 3 Jahren geheiratet. Mein Mann ist nicht der Vater meiner Tochter. Und wir zwei wünschen uns ein Geschwisterchen für sie und ein gemeinsames Kind. Er liebt meine Tochter über alles, was mir jeden Tag zeigt was für ein wundervoller Mensch er ist...und was für ein wundervoller 'Vater'. Leider habe ich Ende vorletzten Jahres eine weitere Fehlgeburt gehabt und Anfang letzten Jahres eine Eileiterschwangerschaft die operativ entfernt werden musste. Momentan stehen wir beide zwischen 2 Stühlen. Mein Gastro sagt, ich bin stabil und eine Schwangerschaft unter Aza wäre ratsamer als eine mit Schüben (erwähnte aber auch, dass ich glücklich sein kann ein gesundes Kind zur Welt gebracht zu haben). 2 verschiedene Gynäkologen habe ich zu diesem Thema befragt, die mir beide sehr abgeraten haben dies zu tun. Sie sagten ich solle mein Glück nicht herausfordern, da es unter der Einnahme von Aza zu Missbildungen kommen kann und ja nun mal auch die 50 prozentige Gefahr einer erneuten Eileiterschwangerschaft besteht, da ich schon eine hatte.

Ich habe mich im Netz dumm und dämlich gelesen. Und bin immer noch nicht schlauer...oder viel mehr gesagt, noch verwirrter. Der eine sagt so, der andere so. Man ist irgendwie hin und her gerissen durch die ganzen unterschiedlichen Meinungen. Vielleicht könnt ihr mir weiter helfen durch eigene Erfahrungen oder damit, mir zu schreiben wie ihr darüber denkt.
Bei Embryotox habe ich mich natürlich auch eingelesen, wo hervor geht, dass die Kinder oft zu früh zur Welt kommen und ein geringeres Geburtsgewicht haben können.
Ich danke euch schon mal dafür, dass ihr euch meiner Geschichte annehmt ;) Einen schönen Tag euch :)
Maicatcher
neu hier
 
Beiträge: 4
Registriert: Di 19. Mai 2015, 10:27

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Martina06 » Di 19. Mai 2015, 13:43

Hallo Maicatcher,

Zuerst fühle ich mit Dir wg der Fehlgeburten und Eileiterschwangerschaften. Ich hatte das auch. Ich habe jedoch den Weg der Kinderwunschbehandlung eingeschlagen. Es hat trotzdem ewig gedauert, da ich vermutlich all die Zeit bereits eine Cu/mc hatte die ich nicht gemerkt habe. Während eines Schubes konnte ich gar nicht schwanger werden. Ich kenne das Azathioprin nicht, jedoch kenne ich Humira und Cimzia (Biologicals) in der Schwangerschaft. Beide Medikamente kann man während der Schwangerschaft nehmen, jedoch ist das Cimzia noch besser, da es aufgrund der Moleküle nicht auf das Kind übergeht und somit das Immunsystem schwächt. Mit Humira empfiehlt man bei der durchgehenden Einnahme in der Schwangerschaft keine lebendimpfungen bis zum 6 Lebensmonat. Humira oder Enbrel z.b. wird sogar empfohlen zu nehmen wenn man nich schwanger werden möchte, da es das Immunsystem runtersetzt und somit die einnistung fördert sowie auch die Eizellqualität. Dazu gibt es in englischsprachigen Foren sehr viele Infos. Was ich Dir und anderen Frauen empfehlen kann ist nicht lange Cortison und in hohen Dosen zu nehmen. Da es die Eizellqualität verschlechtert und man dadurch noch schwerer bis gar nicht mehr schwanger werden kann. Diese Info habe ich von einer sehr guten Ärztin die sich auf Immunologie und Kinderwunsch spezialisiert hat. Ich bIn derzeit schwanger und habe bis ca. 22ssw Humira genommen und bin noch immer gesund. Ich werde sehr engmaschig untersucht..vorallem das Calprotectin und auch die Blutwerte. Das Calprotectin ist jedoch im Falle eines Schubes am aussagekräftigsten. Früher hat man eher den Crp im Blut getestet, jedoch kann so ein Entzündungswert von allem möglichem herrühren und muss nicht unbedingt ein Darmschub sein.

Embryotox ist schon eine sehr gute Adresse um Infos über Medis zu bekommen.

Alles Gute!
Martina06
ist öfter hier
 
Beiträge: 40
Registriert: Di 9. Dez 2014, 12:43

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Cats » Di 19. Mai 2015, 15:22

Hallo Maicatcher,

Schwangerschaften unter AZA sind keine Seltenheit mehr. Auch hier unter den Usern von Forum und Chat gibt es etliche, die unter AZA schwanger waren und völlig gesunde Kinder zur Welt brachten. Wie dein Gastro schon sagte, eine Schwangerschaft mit einem unter AZA stabilen MC ist auf alle Fälle ratsamer als eine ohne AZA, dafür aber mit Schüben.

Euer Wunsch nach einem gemeinsamen Kind ist absolut nachvollziehbar. Deine Geschichte ist ja mit FG und Eileiterschwangerschaft etwas komplexer als "nur" die Angst vor AZA. Deshalb würde ich dir (und ggf. auch deinem Gynäkologen) raten, mal bei Embryotox anzurufen. Eine kompetentere Beratung als dort wirst du mit deiner Problematik schwerlich bekommen.

LG Marina
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.
Benutzeravatar
Cats
ModeratorIn
 
Beiträge: 701
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:19
Diagnose: MC seit 1978

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Maicatcher » Di 19. Mai 2015, 18:17

Zuerst ein mal, vielen lieben Dank für die schnellen und auch Informativen Antworten. Ich werde mich auf jeden Fall mal mit meiner Gynäkologin bzgl. Embryotox zusammen setzen. Ein bisschen Mut habt ihr mir auch gemacht :) Zu den Fehlgeburten wurde mir bis jetzt gesagt, dass mein Körper zu den Zeitpunkten wahrscheinlich nicht stabil genug war für eine Schwangerschaft, da die Untersuchungen der Zellen keine Auffälligkeiten aufgewiesen haben.

Also noch mal, Danke. Vielleicht werde ich ja in einigen Monaten positives berichten ;)
Maicatcher
neu hier
 
Beiträge: 4
Registriert: Di 19. Mai 2015, 10:27

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Martina06 » Mi 20. Mai 2015, 08:31

Hallo Macatcher,

an was hat man das fest gemacht, dass Du nicht stabil warst und deshalb wahrscheinlich die Fehlgeburt hattest? Lag es an einem Vitaminmangel, Schub oder Gewicht z. B.?

Lg

Martina
Martina06
ist öfter hier
 
Beiträge: 40
Registriert: Di 9. Dez 2014, 12:43

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Maicatcher » Mi 20. Mai 2015, 11:53

Da ich, wie schon gesagt einige Ärzte hatte die mich nicht entsprechend behandelt haben, kamen wohl mehrere Faktoren zusammen. Später hat sich raus gestellt das mein Darm auch in 'augenscheinlich' stabilen- bzw. in Remissionsphasen nicht mehr in der Lage war der Nahrung Nährstoffe zu entziehen. Somit hatte ich nicht nur einen Eisenmangel. Zudem war es oft so, dass ich dachte, es wäre alles gut und bei der Sono oder Spiegelung festgestellt wurde, dass ich sämtliche Entzündungen hatte (aber keine Symptome) Somit habe ich dann anscheinend in einer fermeindlich gesunden Phase mit der Kinderplanung begonnen. Na ja, das sind wohl 2 Faktoren. Alles andere kann man nur erahnen.
LG :)
Maicatcher
neu hier
 
Beiträge: 4
Registriert: Di 19. Mai 2015, 10:27

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Martina06 » Mi 20. Mai 2015, 13:37

Ich glaube mit der Nährstoffaufnahme..haben sehr viele mit Ibd zu kämpfen. Ich nehme seit längerem schon Vitamin D, Folsäure Metafolat, B hochdosiert und C. Eisenmangel habe ich auch ständig..bekomme hin und wieder eine Infusion oder Spritzen. Vorallem das Vitamin D und B12 sind sehr wichtig, wenn man schwanger werden möchte. Das würde ich immer im Auge behalten. Mein Gastro und Frauenarzt kontrollieren das regelmäßig. Natürlich auch die anderen Werte wie Schilddrüse etc..da es auch oft in Folge der Autoimmunenerkrankung zusammenhängt. Das würde jetzt direkt keine Fehlgeburt auslösen, jedoch ist es trotzdem sehr wichtig auch während der Schwangerschaft. Wurde nach der Fehlgeburt auch das Calprotectin getestet? Das zeigt meistens sehr schnell, ob man in einem Schub ist. Bei der ersten Sono wo ich im akuten Schub war hat man bei mir nichts gesehen..erst bei der Spiegelung und im hohen Calprotectinwert. Das Calprotectin würde ich regelmäßig testen lassen, da es ein sehr guter Indikator ist. Vielleicht hilft Dir das auch etwas weiter.

Viel Erfolg!

Martina
Martina06
ist öfter hier
 
Beiträge: 40
Registriert: Di 9. Dez 2014, 12:43

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Maicatcher » Mi 20. Mai 2015, 18:34

Dankeschön für den Tipp. Aber ja, wurde getestet und er lag im Normbereich. Mein Körper ist schon manchmal seltsam ;) Mit Folsäure etc. das weiß ich noch aus meiner ersten Schwangerschaft. Dennoch werde ich auf einiges mehr achten falls es zu einer weiteren Ss kommen sollte. Bin ja nun auch gut aufgehoben was die Ärzte angeht...
Maicatcher
neu hier
 
Beiträge: 4
Registriert: Di 19. Mai 2015, 10:27

Re: Schwanger unter Azathioprin

Beitragvon Martina06 » Do 21. Mai 2015, 10:06

Gute Ärzte sind sehr wichtig..nur leider nicht immer leicht zu finden. Es muss ja auch nicht immer an der Erkrankung liegen..kann auch nur eine Laune der Natur sein. Vorallem wenn man so gut wie du eingestellt ist und es keine Entzündungen gibt.

Weiterhin viel Erfolg!

Martina
Martina06
ist öfter hier
 
Beiträge: 40
Registriert: Di 9. Dez 2014, 12:43


Zurück zu Partnerschaft, Schwangerschaft und Angehörige

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste