Kinderwunschbehandlung

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Kinderwunschbehandlung

Beitragvon Erdbeere » Sa 11. Okt 2014, 18:14

Liebe Leute!

Gibt es hier CED Patienten, die Erfahrungen in einer Kinderwunschklinik gemacht haben?

Ich bin weiblich, Anfang dreizig und habe MC (Diagnose 2002). Ende des Monats haben mein Mann und ich einen Termin in der Kinderwunschklinik.
Mein Mann hat das OAT Syndrom.
Bei mir ist bisher Gynäkologisch alles gut gewesen! Wir werden dort beide noch untersucht und dann werden uns unsere Möglichkeiten vorgeschlagen.
Ich habe seit ca zehn Jahren einen sehr ruhigen Verlauf und nehme seitdem kein Aza mehr. Ich komme im Falle eines Schubes mit Budenofalk aus.
Salofalk nehme ich täglich in geringer Dosis.

Ich wollte gerne wissen, welche Behandlung ihr gemacht habt und wie euer Darm so mitgemacht hat. :?:

Liebe Grüße, Erdbeere.
Erdbeere
neu hier
 
Beiträge: 1
Registriert: Sa 11. Okt 2014, 17:52

Re: Kinderwunschbehandlung

Beitragvon MissBee » Sa 6. Dez 2014, 14:52

Liebe Erdbeere,

Deine Frage ist ja nun schon einige Wochen her. Vielleicht bist Du schon schwanger?

Ich selbst hatte vor über fünf Jahren eine IVF. Und ich bin sofort beim ersten Mal schwanger geworden! Aber mal von vorn.
Ich habe inzwischen seit 24 Jahren einen Crohn mit recht schweren Verläufen. Ich musste Jahrelang Azathioprin nehmen, hatte ein Ileozökalresektion, Nachresektion und eine Rektovaginale Fistel, die nach Jahren erfolgreich operiert werden konnte, Stenosen und immer viele Schmerzen und Durchfälle.
Leider war mein Gesundheitszustand so schlecht, dass ich nie schwanger wurde. Dann hatte mein Mann Hodenkrebs beidseitig und eine natürliche Schwangerschaft war von diesem Zeitpunkt an ausgeschlossen. Leider konnten vor seiner OP nur sehr wenige Spermien "gerettet" werden, weshalb eine künstliche Befruchtung nur zu einem gesundheitlich sehr guten Zeitpunkt erfolgen konnte. Wir hatten kein "Material zum Experimentieren". Wir haben Jahre gewartet (wir haben sehr jung geheiratet), eine Aktupunkturbehandlung bei einer chinesischen Ärztin über 1,5 Jahre laufen lassen, schön weiter alle Medikamente genommen und es dann probiert. Vom Zeitpunkt der Befruchtung an habe ich meine Medikamente abgesetzt. Und tatsächlich: Ich wurde sofort schwanger und habe nun einen prächtigen, gesunden Sohn von fast fünf Jahren. Der Kleine hatte ein stolzes Geburtsgewicht von über 4000 g.
Ich selbst habe die Schwangerschaft tatsächlich als für meine Verhältnisse gesundheitlich sehr ruhige Zeit erlebt. Zwei Mal war ich wegen schwerer Magen-Darmgrippen im Krankenhaus, aber der Crohn selbst hat sich sehr bedeckt gehalten.
Leider war das mit dem Moment der Geburt vorbei. Drei Stunden später begannen meine Durchfälle wieder, und zwar in schwerster Form. Tag und Nacht musste ich rennen und hatte zum ersten Mal große Mengen Blut mit dabei.
Und ich muss auch sagen, dass ich mich leider für eine natürliche Geburt entschieden hatte. Denn ich war trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gerissen und entwickelte wieder eine rektovaginale Fistel. Auch diese wurde inzwischen erfolgreich genäht. Ein paar Monate darauf musste mir wieder ein Teil meines Dünndarmes entfernt werden, weil ich praktisch verblutet bin und auch Humira mir nicht weiterhelfen konnte.
Und auch jetzt liege ich wieder im Krankenhaus, weil meine starken Blutungen nicht in den Griff zu kriegen sind und ich ein paar Transfusionen brauche.

Merkwürdigerweise bin ich in all dem nicht unglücklich.
Ich wollte schon sehr früh Mutter werden und als es so aussah, dass es wohl nie dazu kommen würde, begann ich zunehmend depressiv zu werden. Ich bekam den es einfach nicht in den Griff, mich vom Muttersein zu verabschieden und meine Uhr begann langsam zu Ticken. (Ich war 34 als ich unser Kind bekam.)
Ich hatte auch großes Glück, dass ich mit der Geburt von extrem euphorisierenden Hormonen überschüttet wurde. Ich war über Monate wie auf Drogen. Trotz Schlafmangel und Durchfällen war ich immer irgendwie high und glücklich. (Ich war etwas in Sorge, weil meine Freundin eine Wochenbettdepression bekam.)

Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich meine Medikamente nicht hätte absetzen sollen oder dass ich sie zumindest direkt nach der Geburt wieder hätte nehmen sollen. Aber ich wollte unbedingt stillen, und zwar ohne Medikamente, weil ich Angst hatte, meinem Kind Schaden zuzufügen. Nun glaube ich, dass das sehr leichtsinnig war. Aber ich habe das Stillen so sehr geliebt. Ich konnte es auch 9 Monate lang genießen. Aber ganz ehrlich: Ich konnte in der Zeit auch nicht klar denken. Immer übermüdet, immer überwältigt.

Aber wir konnten uns in dieser Zeit auch sehr auf unsere Familien verlassen. Ohne Hilfe hätten wir es kaum geschafft und auch nicht ohne eine Haushaltshilfe, die uns die Krankenkasse bezahlt hat.
Was ich im Nachhinein auch anders machen würde: Ich würde allen Verwandten, Freunde und Bekannten klar sagen, dass mich Besuche überfordern und sie bitten, nicht böse zu sein, wenn wir nicht so viele Gäste empfangen können. Aber alle hatten sich so sehr für uns gefreut und wollten das Baby sehen. Aber ich konnte monatelang nur kurz auf den Beinen sein, weil die Fistel und der Beckenboden so geschmerzt hatten und ich immer zu erschöpft war, um mich um Gäste kümmern zu können.

Das war meine Geschichte. Hat sie Dir irgendwie weiterhelfen können? Ich war so ausführlich, weil ich in der Zeit mit Aspekten konfrontiert wurde, mit denen ich nicht gerechnet hatte und die ich im Nachhinein anders gemacht hätte. Aber wer weiß: Ob es dann tatsächlich besser gelaufen wäre?

Auch Deine Geschichte wird wieder ihren eigenen Verlauf nehmen und ich drücke Dir die Daumen, dass Du genauso gern Mutter sein wirst wie ich und dass Du genauso schnell schwanger wirst! Aber ohne ausgeflipptem Darm danach! ;)

Ich grüße Dich und Deinen Mann von Herzen!
MissBee
MissBee
neu hier
 
Beiträge: 1
Registriert: Fr 5. Dez 2014, 15:16


Zurück zu Partnerschaft, Schwangerschaft und Angehörige

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste