Wann von Krankheit berichten?

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon Rirumu » Di 5. Nov 2013, 10:57

Hallole,

im Moment versuche ich wieder einmal jemanden kennenzulernen. Allerdings bin ich mir unschlüssig, wann ich ihm von meiner Erkrankung bzw. von meineN ErkrankungeN erzählen soll, da ich Angst habe, dass es evtl. wegen der Multimorbidität (geiles Wort, gell?) auseinandergehen könnte.

Gruß

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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon curlygirl » Di 5. Nov 2013, 14:01

Hallo :-)

Hmm, keine leichte Frage bzw. eine gute Frage die nicht leicht zu beantworten ist...
Bei mir hat das immer meine innere Bauchstimme geregelt ;) Ich war mit Typen zusammen denen habe ich gar nichts erzählt und das war im Endeffekt auch die richtige Entscheidung weil die Beziehung eh relativ schneller wieder in die Brüche ging.
Meinem Mann habe ich damals relativ früh von meiner Krankheit erzählt. Das hatte sich irgendwie ergeben und in dem Moment auch richtig angefühlt. Das habe ich auch nie bereut :)
Liebe Grüße
Babsi
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon arda » Di 5. Nov 2013, 14:26

Hallo Rirumu,
Du wirst es wissen, wann es soweit ist. Denk nicht viel drüber nach, sondern verlass Dich auf Dein Gefühl.
Und wenn eine Beziehung wegen der Krankheit auseinander geht, dann war es nicht der Richtige!
Liebe Grüße,
Arda
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon SiMoni08 » Mi 18. Dez 2013, 12:45

Hi ihr,

ich weiß nicht, ob deine Frage noch aktuell ist Rirumu aber ich gebe auch einfach mal meinen Senf dazu.

Ich bin jetzt 2,5 Jahre mit meinem Freund zusammen und er ist mein Erster seit ich Colitis habe und auch generell mein erster Freund.
Da ich, als ich ihn kennengelernt habe keine auffälligen Beschwerden hatte, hab ich auch gar nicht wirklirch daran gedacht ihm davon zu erzählen. Wenn ich mit ihm zusammen war, waren meine Gedanken ganz woanders ;)
Irgendwann hab ich dann daran gedacht, dass ich es ihm eigentlich mal mitteilen müsste, einige Male habe ich es mir vorgenommen aber mich dann doch nicht getraut. Obwohl ich in der Familie und im Freundeskreis relativ offen mit der Krankheit umgehe, hatte ich irgendwie Angst vor seiner Reaktion und je weiter ich es aufschob, ihm davon zu erzählen, desto stärker wurde eigentlich die Angst.
Letzendlich hat es fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich ihn darüber aufgeklärt hab, hab mich dann auch direkt entschuldigt, dass ich es ihm nicht schon früher erzählt hab. Er hat glücklicherweise sehr verständnisvoll reagiert und fande es auch nicht so schlimm.
Ich habe daraus gelernt es beim nächsten Mal viel früher zu erzählen (vielleicht nicht beim ersten Date aber so bald wie möglich). Ich habe mich verrückt gemacht und letzendlich war alles halb so schlimmt. Wenn jemand kein Verständnis dafür hat, ist er sowieso nicht der Richtige für mich und dann ist es ja besser, das früher zu wissen und es ist ja eigentlich auch fair, den Partner wissen zu lassen, was alles auf ihn zukommen könnte wegen der Krankheit.

Allerdings hoffe ich, dass es gar kein nächstes Mal geben wird, weil ich sehr glücklich mit meinem Freund bin :)

Vielleicht warst du, Rirumu, bereits erfolgreich beim Kennenlernen oder auch nicht, beidenfalls viel Glück :)
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon Genevieve » So 1. Jun 2014, 21:01

Auch wenn es vielleicht nicht mehr aktuell ist, gebe ich mal meinen Senf dazu.

Ich habe meinem "heute Ehemann" nach dem 1. Date eine Mail geschickt mit einem Link über morbus Crohn und dazu gesagt dass er sich das bitte mal anschauen soll und dann überlegen soll, ob er damit klar käme wenn seine Partnerin sowas hat.

Ergebnis war Hochzeit und eine kleine Tochter. :D
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon mausi » Sa 17. Jan 2015, 19:33

Hallo
ich gebe auch mal meinen Senf dazu...
Bei mir war es nach der Diagnosestellung 2012 so, das ich mit meinem Partner auch nicht darüber geredet habe. Er konnte es Anfangs gar nicht einschätzen, wie gut oder schlecht es mir ginge, weil ich
einfach nichts gesagt habe. Er wusste zwar, was die Diagnose ist, allerdings konnte er sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen.
Ich kam dann auch ein halbes Jahr lang in Remission, wo es sich auch nicht hätte gelohnt, darüber zu sprechen.
Als dann bei mir Mitte 2013 die Talfahrt anfing, mir es mal gut und dann wieder sehr schlecht ging, habe ich endlich mal den Mund aufbekommen und wollte mit ihm sprechen und ihn über alles was diese Krankheit beinhaltet aufklären. Es sprudelte förmlich so aus mir heraus mit Informationen über Informationen.
Als ich fertig war, schaute ich nur in ein total entgeistertes Gesicht. (mein eigener Fehler)
Er war total überfordert mit mir und der ganzen Situation, konnte das gar nicht begreifen.
Seine Worte: "Da müsse man doch was manchen können, was das heilt....was hast du nur für Ärzte....."
Wir hatten lange Zeit daraufhin Diskussionen gehabt, weil er es nicht verstanden hat.
Ich bin natürlich auch jemand, die ihren Arzt verteidigt...sogar sehr
Naja, die Diskussionen und Auseinandersetzungen gingen lange, die wir hatten bis ich von einem APS wiedergekommen bin und ihm all möglichen Unterlagen über MC und CU in die Hand gedrückt habe, zum Nachlesen.
Das tat er auch fleißig und hat es auch irgendwann verstanden, dass es eine chronische Erkrankung ist, die halt immer wiederkommen kann.

Also, ich kann nur sagen, setzt euch mit euren Partnern zusammen, erklärt Ihnen von vornerein die Situation, wie sie ist und wie sie sein kann.
Erklärt, wie Ihr euch fühlt im Schub.
So richtig werden Sie es nie nachvollziehen können. Wie auch, Sie haben es selbst ja nicht.
Versucht zu erklären, das Er/Sie der Partner ist und und nicht der Krankenpfleger (für die zu fürsorglichen Partnern).

Dann kann man viel Ärger vermeiden und erspart sich so einige Diskussionen.
Ich würde es so machen, wenn ich die Zeit nochmal zurückdrehen könnte.

Lieben Gruß
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon Angiemaus » Do 22. Jan 2015, 18:19

hi,
also ich laufe nicht mit nem schild um den hals rum wo draufsteht: ich bin krank!
aber ich kann es auch nicht ewig verstecken, weil ich z.b. nicht alles essen kann. dummerweise alle zwiebel- und lauchgewächse... und wenn man mit dem potentiellen neuen essen geht und die kellnerin erstmal ausfragen muss was für gewürzmischungen verwendet werden usw. kommt natürlich die frage warum. zuden hatte ich perianale fisteln und mehrere op's und die haben ne ziemliche narbe hinterlassen, also spätestens wenns ernster wurd haben es die männer gesehn.
ich hatte jetzt 2 lange beziehungen und hab von anfang an reinen tisch gemacht und auch berichtet wie es mir bei einem schub geht, dass ich bei cortison immer sehr aufschwämme usw.
mein erster freund hat sich nicht sonderlich dafür interessiert wenns mir schlecht ging, vielleicht wusste er auch nicht wie er mit mir umgehen soll.. aber meine gewichtsschwankungen haben ihn nie gestört und die krankheit war mit sicherheit nicht der trennungsgrund.
mein jetziger partner, versucht alles dass es mir gut geht, manchmal zu arg, wenn ich einfach meine ruhe will wenn die schmerzen zu arg sind. wieder ist mein gewicht kein problem!
ich würd sagen, spiel von anfang an offen, weil wenn er/sie dann sagt: will ich nicht, wär es sowieso nix geworden, weil du wirst die krankheit dein leben lang haben und auch immer wieder schübe.

viel erfolg!
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon Rirumu » So 1. Feb 2015, 16:45

Hallole,

inzwischen ist die Frage für mich nicht mehr aktuell. Mein jetziger Freund musste es erfahren, als ich (einen Monat, nachdem wir uns kennenlernten) plötzlich im Krankenhaus lag. Inzwischen weiß er nicht nur von meiner CED, sondern auch von meinen anderen Erkrankungen und er geht extrem liebevoll mit mir um, ohne mich mit seiner Liebe zu erdrücken.
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon Kathyrinchen » Fr 20. Feb 2015, 20:19

Hallo zusammen,

ich gebe hier nun auch noch meinen Senf dazu da ich das Thema sehr wichtig finde.

Auch für mich war das ein riesen Thema zu Beginn meiner (noch aktuellen ;) ) Beziehung.
Ich wusste echt nicht wie ich das erzählen soll, fand es aber wichtig es zu tun - der Fairness halber. Ich hatte
von Anfang an das sichere Gefühl "der meint es ernst mit mir", fand das natürlich wunderschön! Gleichzeitig hatte ich
große Angst das er nicht mit meiner Krankheit klar kommen könnte, schließlich ist mein Freund top fit, viel unterwegs und
einfach nur enorm aktiv.
Naja, irgendwann, so nach 2 Monaten hab ich dann davon erzählt. Er war verständnisvoll, hat aber nicht wirklich verstanden
was hinter Morbus Crohn steckt, ich konnte auch nicht so gut erklären was das bedeutet. Er hat beteuert das eine Krankheit -egal welche
nichts an seinen Gefühlen für mich ändern wird.

Irgendwann hatte ich dann wieder einen Schub (nicht all zu schlimm, wie immer bei mir) und er ist dann (ich bin recht ängstlich) mit mir zum Artzgespräch.
Er wollte unbedingt dabei sein und hat ein paar(schlichte) Fragen gestellt, schien sehr interessiert. Abends hab ich dann gemerkt
das er intensiver nach Morbus Crohn, Verlauf, Therapie usw. gegoogelt hat. Am Tag darauf hat er mich auch angesprochen, viel nachgefragt wie
es bei mir ist. Ich habe alles wahrheitsgemäß beantwortet und er meinte nur "Hey, aber wenn du Bauchschmerzen oder Durchfall hast, dann sag mir
dass doch und versuch das nicht zu verstecken, außerdem: das schaffen WIR". Und nun nach vielen, vielen Monaten später ist das auch wirklich so.
Er steht mir bei, muntert mich auf, ist verständnisvoll und ich kann ihm immer alles sagen was den Crohn (und auch sonst alles) angeht.

Ich versuche trotzdem die Krankheit nicht zu einem Hauptthema in unserem gemeinsamen Leben zu machen, auch wenn sich mein divenhafter Bauch ab
und zu in den Mittelpunkt drängelt. Vor kurzem hab ich ihn erwischt wie er "Medikamente und Verlauf einer Schwangerschaft bei Morbus Crohn" gegoogelt hat.
Süß, oder?

Liebe Grüße
i
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Re: Wann von Krankheit berichten?

Beitragvon mausi » Sa 21. Feb 2015, 14:40

Hallo Kathyrinchen

Ja, das ist echt süß und er macht sich Gedanken.
Das ist doch schön.
Scheinbar scheint er ja schon Zukunftspläne zu schmieden.
Freut mich für dich. ;)

Lieben Gruß
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