Partner mit Morbus Crohn, W17

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.
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Yaso
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Partner mit Morbus Crohn, W17

Beitrag von Yaso »

Hallo,
ich bin ein 17 jähriges Mädchen.
Ich suche vor allem Personen, denen es ähnlich geht, damit ich Leute habe, die mich verstehen, denn daran fehlt es mir im meinem derzeitigen Umfeld.
Ich bin mit meinem Freund seit mehr als 2 Jahren zusammen, manche ziehen uns damit auf, dass wir ja schon seit mehr als 2,5 Jahren zusammen wären und vorher waren wir beste Freunde. Ich war noch nie wirklich ein Fan von Beziehungen, aber ich liebe ihn wirklich.
Bei meinem Freund wurde jedoch vor einem Jahr Morbus Crohn diagnostiziert und ich bin durch das gesamte Verfahren mit ihm zusammen gegangen. Es scheint aber kein Ende in Sicht. Die Tabletten, ich glaube Azio, haben keine Wirkung gezeigt, sodass er trotzdem weitere Schübe bekommen hat. Seine Schübe umfassen jedoch alle 2 Monate um die 6 Wochen, wobei er 2-4 Wochen das Bett vor Schmerzen nicht verlassen kann. Der Gastroenterologe hat ihm dann eine Therapie durch Spritzen verschrieben, die er sich jede Woche verabreichen muss. Diese brennen aber bei der Verabreichung und an dem Tag und dem Tag danach hat er Muskelschmerzen, als hätte er extremen Muskelkater in dem Bereich. Seine Bauchschmerzen haben sich trotzdem nicht verbessert, obwohl keine Entzündung mehr zu erkennen ist.

Immer, wenn er einen Schub hat, leide ich mit ihm. Ich kriege auf Grund des Stresses teilweise auch Bauchschmerzen und es macht mich emotional einfach extrem fertig. Hinzu kommt, dass wir gerade die 11. Klasse absolvieren und mir seine vielen Fehltage auf Grund der Krankheit Sorgen bereiten, da er in der Zeit den Stoff Zuhause nicht ordentlich nachholen kann.
Ich sprech mit ihm natürlich über seine Krankheit, aber ich glaube, ich wirke immer wütend auf ihn, obwohl ich einfach nur frustriert bin, dass anscheinend nichts hilft und keine Verbesserung in Sicht ist.
Eigentlich bin ich relativ introvertiert und versteh mich nur mit wenigen Leuten, wodurch ich nicht viele Freunde und sozialen Kontakt habe. An Gruppenaktivitäten will ich meist auch nur mit seiner Anwesenheit teilnehmen. Auch Sachen, die wir seit langen mit Freunden geplant hatten, will ich nicht ohne ihn ausführen, da ich ihn auf Grund seiner Krankheit nicht ausschließen will. So kommt es dazu, dass mich seine Krankheit zum Teil auch sozial isoliert.
Auch ist es ein hoher zeitlicher Aufwand. Ihm setzt es verständlicher Weise psychisch zu, dass er so eine lange Zeit ohne richtige soziale Kontakte Zuhause ist. Wir haben auch keinen so gefestigten Freundeskreis, dass sie ihn mal Zuhause besuchen kommen. Dadurch bin ich sein einziger sozialer Kontakt und damit Freudesquelle in der Zeit. Dies setzt mich persönlich unter großen Druck, da ich Schuldgefühle habe, wenn ich ihn nicht oft besuchen fahre, was neben Schule, Familie und Sport zeitweise sehr schwierig ist.
Zusätzlich bin ich emotional eher labil und hab durch den ganzen Stress ein schwaches Immunsystem, weshalb ich auch viele Fehltage habe und ihn noch weniger sehen kann.

Alles in allem bin ich unglaublich überfordert mit der Situation, da ich ihn liebe und ihm helfen will, was ich aber nicht kann. Das belastet mich wirklich enorm.
Dazu kommen die Gedanken, dass es mir vielleicht besser gehen würde, wenn ich einen gesunden Freund hätte, weil ich dann etwas mit ihm unternehmen könnte, anstatt nur mit ihm im Bett zu liegen, weil er nicht mal stehen kann vor Schmerzen. Diese glücklichen Erinnerungen und das Bewegen würden mir physisch und psychsisch gut tun.
Aber ich will ihn auch nicht nur wegen seiner Krankheit verlassen.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen?
Ich fühl mich so einsam. Aber allein das Lesen dieses Forums hat mich zwar sehr zum Weinen gebracht, mir aber auch schon geholfen.

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Mondkalb
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Beiträge: 424
Registriert: Fr 21. Dez 2012, 20:32
Diagnose: CU

Re: Partner mit Morbus Crohn, W17

Beitrag von Mondkalb »

Hallo Yaso,

ich hatte gehofft, dass ein Gleichaltriger dir antwortet, leider ist dies nicht geschehen, somit kann ich nur versuchen, dir zu schildern wie deine Zeilen auf mich wirken und was ich darüber denke.

Wie lange du mit deinem Freund schon zusammen bist, ist nicht von Wichtigkeit, eure Beziehung hat einen Anfang, ihr habt euch gefunden, wofür viele euch sicherlich beneiden.

Du scheinst derzeit unter einer starken emotionalen Belastung zu stehen, das Geschriebene im Forum, hier gibt es nichts zu beweinen und ein Rückschluss auf den Verlauf deines Freundes wirst du hier auch nicht finden. Er wird seine eigene Geschichte am Ende haben. Die Frage, die du dir beantworten solltest, ist ob diese Geschichte von euch beiden am Ende erzählt.
Der MC deines Freundes wird das Leben beeinflussen, wie ausgeprägt das wird dir heute niemand beantworten können.

Deine Gedanken mögen egoistisch erscheinen sind jedoch für mich mehr als nachvollziehbar. Du bist jung und erscheinst hin und her gerissen zu sein zwischen deinen Empfindungen der Liebe für deinen Freund und der Angst, was der MC an Lebensqualität dir nimmt. Erste Eindrücke hast du schon sammeln können und versuchst dich nun zu orientieren, um zu entscheiden, welchen Weg du an einer Weggabelung einschlagen wirst.

Eine Beziehung mit einem Menschen, den man liebt, daran solltest du festhalten, so viel brauchbare Kandidaten, bei denen so empfunden wird, kommen im Leben nicht vorbei.

Auch eine Beziehung erlaubt etwas allein zu unternehmen, das seine Krankheit dich zum Teil sozial isoliert erscheint mir nicht haltbar zu sein. Isolation geschieht unter Zwang oder selbst gewählt, bei dir erscheint es mir selbst gewählt zu sein.


Yaso hat geschrieben:
Mo 6. Jul 2020, 22:58
Ihm setzt es verständlicher Weise psychisch zu, dass er so eine lange Zeit ohne richtige soziale Kontakte Zuhause ist.
Das kann ich nachfühlen.



Schuldgefühle sollten dich nicht daran hindern den richtigen Weg für dich zu finden, dass man für jemanden da ist, bedeutet nicht, sich aufzugeben. Versuche, ein Gleichgewicht für dich zu finden.
Einen "gesunden Freund" zuhaben verheißt dir nicht glücklicher oder gar zufriedener zu sein, die Chemie, das Zwischenmenschliche muss stimmen.


Yaso hat geschrieben:
Mo 6. Jul 2020, 22:58
Hat jemand ähnliche Erfahrungen?
Eigentlich in umgekehrter Form, ich wollte meine Frau freigeben, weil ich dachte ihr nichts mehr bieten zu können, mich nur noch als Belastung sah.



Ich hoffe, du findest deinen Weg, um in dieser für dich schwierigen Situation heraus zukommen!

LG Mondkalb
“Wenn man nicht weiß, wo man hin will, kommt man meistens woanders raus!”

Melissa264
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Beiträge: 1
Registriert: Sa 15. Mai 2021, 22:57

Re: Partner mit Morbus Crohn, W17

Beitrag von Melissa264 »

Hallo Yaso,

besser spät als nie eine Antwort von einem "Gleichgesinnten", oder..?
Ich hoffe du liest hier noch..

Nun gut, kurz zu mir: Ich bin 21 Jahre alt, 3 Jahre mit meinem Freund zusammen und seine Diagnose bekam er circa ein Jahr bevor wir zusammen kamen (glaube ich). Naja egal. Jedenfalls weiß ich definitiv wie es dir geht.

Schübe sind immer Sch****, doch ändern können wir es nicht, wir können lediglich versuchen, für den Anderen da zu sein. Und auch das ist schwierig, denn manchmal werden wir weg gestoßen, weil der Partner uns nicht verletzen möchte oder was auch immer. Mein Freund bekommt seit einiger Zeit ein Medikament als Infusionen (alternativ wie bei deinem Freund die Spritzen, möchte er nicht) und kommt damit relativ gut klar. Es ist meistens nicht der Crohn, der ihn ärgert sondern die Begleiterscheinungen wie Durchfälle, Fisteln, Darmverschlüsse usw.. 2019 wäre er fast an einem Darmverschluss gestorben, eine Woche bevor wir in den Urlaub fliegen wollten. Zu dem Zeitpunkt waren wir grade ein Jahr zusammen und für mich ist eine Welt zusammen gebrochen. In den Zeiten hilft es einfach, auf bessere Zeiten zu hoffen, auch wenn es vielleicht mal nur 3 Wochen oder ähnliches sind.
Auch mein soziales Umfeld ist weggebrochen durch seine Krankheit, weil ich mich selbst total zurück schraube, aus Liebe zu ihm. Unternehmen können wir maximal 1x im Monat etwas, und wenns auch nur mal eine Runde spazieren ist. Trifft mich selbst natürlich auch ziemlich hart. Aber da kann ich dir nur raten, unternimm etwas alleine. Nimm dir Zeit für dich selbst, fang vielleicht einen Sport an? Ich habe beispielsweise das Reiten als Hobby, bei dem ich mich mal auf mich selbst konzentrieren kann :)


Morbus ( bzw. generell die CED's) ist eine Krankheit, die man eben (ich hoffe noch) nicht heilen kann, und sie wird Teil des Lebens bleiben. Man muss jede kleine Sekunde genießen, und sie als etwas schönes sehen, denn im nächsten Augenblick kann alles ganz anders aussehen.

Viele Liebe Grüße
Melissa

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