Rechtfertigung

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Rechtfertigung

Beitragvon quintessenz » Do 14. Jun 2018, 01:59

Hallo,
seit ich an CED erkrankt bin, spielen meine Angehörige alles immer runter und meinen, die CED wäre von mir selbst verschuldet und heilbar durch besondere Lebensmittel zu essen. Ich habe bislang kein Zauber-Lebensmittelgefunden. Ständig rechtfertigen dass man tatsächlich erkrankt ist.

Wie geht ihr damit um?
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Re: Rechtfertigung

Beitragvon Mondkalb » Do 14. Jun 2018, 21:39

Hallo Quintessenz,

lass sie reden, ich höre nicht mehr auf so ein Geschwätz und rechtfertigen brauchst du dich nicht.
Lebe so normal wie möglich, probiere aus was du verträgst. Gerster- und Grahambrot vertrage ich sehr gut, ob hier ein Zauber drin liegt, vermag ich nicht zu sagen.

Bis heute gibt es in meinem näheren Umfeld Menschen, die aus Unwissenheit, nicht einordnen können, was ich habe, ich stehe mittlerweile da drüber.

Mich immer zu erklären ist mir zu mühselig geworden, also lasse ich es bleiben und bin dabei, wenn ich es kann und ansonsten lasse ich sie reden.

LG Mondkalb
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Re: Rechtfertigung

Beitragvon Loki » Sa 7. Jul 2018, 11:56

Hallo =),
diese Rechtfertigungen belasten, glaube ich, jeden sehr, der an einer chron. Erkankung leidet und deswegen sich viel einschränken müssen, z.B. Ernährung, Reisen, spontate Treffen. Es ist ja nicht so, als ob man sich dieses Elend ausgesucht hat. Man möchte auch wieder mehr erleben und viel machen, aber es geht nun mal nicht. Jeder 'gesunde' Mensch kann mitfühlend sein, aber irgendwann sind diese auch an einem Punkt angelangt, an dem der Geduldsfaden reißt, weil sie es nicht verstehen können und nur noch das Jammern heraushören. Das darf man denen nicht übelnehmen und dankbar sein, dass sie so verständnisvoll waren. Das Problem ist aber, dass die Leute, die nicht mitfühlend sind, alles runterspielen, wie du es schon sagtest. Man solle sich nicht so anstellen, das machst du ja nicht so oft, du verpasst etwas, etc., also die, die es besser wissen. Du wirst sozusagen offen und persönlich kritisiert, dass du eine Memme oder ein Jammerlappen bist und das ist ganz schlimm! Vorallem, wenn man sich von der Familie und Verwandte nicht verstanden fühlt. Man kann das so oft sagen wie man will, aber sie werden es einfach nicht verstehen. Die nehmen es für den Moment so hin, aber bei der nächsten Gelegenheit fängt das ganze von vorne an. In der Reha hatte ich sieben Jahre nach der Diagnose zum ersten Mal mit Betroffenen gesprochen und ich habe mich zum ersten Mal nie rechtfertigen müssen, wenn ich mal nicht ausgehe. Dann hieß es nur: "Oh ok, dann ruh dich mal aus." Wenn die Leute in deinem Umfeld es nicht verstehen, dann würde ich nicht mehr darauf eingehen. Du fühlst dich zwar in dem Moment alleine, aber besser so, als dich pausenlos rechtfertigen zu müssen und sich durch die schlechte Laune den ganzen Tag vermiesen zu lassen. Denn es ist wie ein Rad, das unaufhörlich dreht, die Diskussion läuft und läuft, jeder hat eine Meinung dazu, um dich zu überstimmen und du antwortest mit Rechtfertigungen, bis allen die Argumente ausgehen, dann prall das Rad irgendwo und zerbricht. Das muss ich aber selbst auch noch lernen. Es ist schwierig, aber du bist nicht alleine damit =) Liebe Grüße
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Re: Rechtfertigung

Beitragvon quintessenz » Sa 4. Aug 2018, 16:56

Mein Problem ist, dass meine Familien-Angehörige sich an meine Ärzte wenden und dann behaupten, ich wäre zu sensibel, neue Krankheiten erfunden etc. Dementsprechend wurde immer eine abgeschwächte Therapie durchgezogen, die dem Darm nicht ausreichte. Angehörige, die absolut keine Empathie besitzen und verlangen, dass sie alle Aufmerksamkeit Erlangen sollen. Natürlich wird meine Erkrankung runter gespielt.

Insgesamt bezweifle ich, ob es die ärztliche Schweigepflicht tatsächlich gibt.
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Re: Rechtfertigung

Beitragvon Kaja » Sa 4. Aug 2018, 20:02

Hallo,

keine Angehörigen können sich an einen Arzt wenden! Schweigepflicht!

Liegt dennoch ein nachweisbarer Verstoß vor, sofort Anzeige erstatten.

Allerdings, warum rechtfertigst Du Dich? Wenn die Angehörigen zu faul sind mal im Internet sich über die
Erkrankung zu belesen.

Ansonsten kannst Du ja auch Prospektmaterial auslegen :lol:

Ignoriere die - spring nicht auf den Zug auf.

Ärgere Dich nicht.

Viele Grüße

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Re: Rechtfertigung

Beitragvon Konrad » Do 9. Aug 2018, 21:10

Hallo,

ich denke nicht, dass wir eine "Bringschuld", also eine Rechtfertigung für unsere Krankheit nötig haben. Mehr oder weniger offensichtlich haben wir ein Handicap.Und tatsächlich geht es doch um eine chronische Erkrankung.Wir erklären es ja jedem der es wissen will. Menschen, die das abtun als "Fehlernährung" o.Ä.haben sich schon disqualifiziert.

Wenn das dann noch in der eigenen Familie, von der man sich zu Recht Unterstützung erhofft, passiert, ist das ziemlich heftig.

LG Konrad

P.S.: Man sieht sich immer zweimal...
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