Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Alles zum Thema Essen und Ernährungstherapie.

Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon Joachim » Fr 15. Nov 2013, 10:17

Ich leide seit Mitte der Neunziger Jahre unter MC. 1999 hatte ich einen Durchbruch und wäre fast daran gestorben. Nach der OP in 1999 war ich - von vielen und heftigen Durchfällen abgesehen - relativ schmerzfrei. Dann Ende 2012 der Schock. Bei einer Spiegelung wurden mehrere Geschwüre und Ödeme entdeckt. Laut Arzt bestand starke Perforationsgefahr. Es folgte eine Behandlung mit Budesonid (erfolglos). Dann Prednisolon hochdosiert (erfolglos). Danach Azathiopren, welches aber leider ebenfalls keine Wirkung sondern nur Nebenwirkungen zeigte (akute Bauchspeichdrüsenentzündung). Dann sollte ich MTX oder Remicade nehmen. Beides habe ich abgelehnt. Das war im Sommer 2013. Stattdessen habe ich meine Ernährung radikal umgestellt:
- Zuckerkonsum drastisch reduziert
- Kohlenhydrate reduziert (insbesondere keine Nudeln mehr)
- Weizen komplett vom Speiseplan gestrichen
- Keinerlei Fertigkost mehr
- Keine Zusatzstoffe, Farbstoffe etc. mehr
- Alkoholkonsum (Bier und Wein) gestrichen, stattdessen Hin- und Wieder einen Whiskey, Cognac oder Wodka
- Kaffeekonsum von ca. 5 Tassen tgl. auf ca. 5 Tassen wöchentlich reduziert (stattdessen Grün- und Kräutertees und Wasser ohne CO2)
- Milch und Milchprodukte vom Speiseplan verbannt (Ausnahme: Sahne)
- Viel mehr Obst und Gemüse
- Viel mehr Eiweis in Form von Eiern, Fleisch (kein Schwein!) und Fisch

Ende Oktober habe ich eine erneute Spiegelung durchführen lassen. Ergebnis: Geschwüre und Ödeme verschwunden. Keine Entzündung/Crohn sichtbar! Seit der Ernährungsumstellung habe ich knapp 10 kg abgenommen (187cm, 89kg), obwohl ich mich immer richtig satt esse. Heißhungerattacken oder Müdigkeistanfälle kenne ich gar nicht mehr. Ich fühle mich mindestens 10 Jahre jünger und mir geht es richtig gut. Die Lebensqualität hat enorm zugenommen.

Nun fange ich an zu testen, welche der reduzierten oder abgesetzten Lebensmittel ich nicht vertrage. Mein Verdacht liegt bei Weizen und/oder Milchprodukten. Aber so eindeutig kann ich das noch nicht sagen, dazu muss ich noch einige Monate experimentieren.

Weizen scheint überhaupt ein Riesenproblem nicht nur bei MC- und Zöliakie-Patinten zu sein. Gemeint ist hier der "moderne" kurzhalmige Inzucht-Weizen, der in den letzten Jahren fast flächendeckend angebaut wird. Diesen vertrage ich definitiv nicht. Z.Zt. probiere ich selbst gebackene Brote aus Urweizen (Einkorn) mit Buchweizen gemischt. Diese scheine ich sehr gut zu vertragen. Zu dem ernstzunehmenden Thema "Weizen" kann ich jedem von uns folgendes Buch eines amerikanischen Kardiologen dringend ans Herz legen "Die Weizenwampe - Warum Weizen dick und krank macht". Es ist zwar etwas polemisch geschrieben. Man muss sich halt für sich die Dinge herauspicken die wichtig sind.

Ich gehöre wohl glücklicherweise zu den Patienten, bei denen der Crohn ernährungsbedingt verursacht ist. Aber bis vor Kurzem wusste ich das nicht. Viele Jahre Leid hätte ich mir ersparen können, hätte ich den Schritt bereits früher gewagt. Ich kann nur Jedem von uns empfehlen es einmal mit der Ernährungsumstellung auszuprobieren. Vieleicht hilft es euch ja auch.
Joachim
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon Kony » Di 26. Nov 2013, 14:27

Hallo Joachim, ich finde deinen Beitrag sehr interessant und freue mich, dass die Ernährungsumstellung dir einen so großen Erfolg gebracht hat. Ich bin drauf und dran, das auch mal auszuprobieren. Auch ich habe Morbus Crohn seit 1997, OP und jede Menge Cortison, jetzt Aza seit 5 Monaten. Ob es besser ist, kann man erst nach der nächsten Darmspieglung sagen. Mein Hauptproblem besteht immer noch: Durchfall und zwar unkontrolliert. Das Buch, das du empfohlen hast, werde ich mir besorgen und mich mal eingehend damit beschäftigen, denn diese Immunsuppressiva möchte ich nicht so lange einnehmen. PS: Hast du ein Rezept für ein selbstgebackenes Brot?
Liebe Grüße
Kony
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon Joachim » Fr 29. Nov 2013, 15:37

Hallo Kony,

probiere es auf jeden Fall mal ein paar Wochen konsequent aus. Kein Weizen, kein Zucker, wenig Kohlehydrate, stattdessen Obst, Salat, Gemüse, Fleisch, Fisch und Eier soviel du möchtest. Nur C=2-freies Wasser oder Grün-/Kräutertee trinken. Eine Besserung trat bei mir schon nach wenigen Tagen auf. Es wäre toll, wenn du über deine Erfahrungen hier berichten würdest.

Brot geht ganz einfach:

250g Einkorn oder Emmermehl (oder mischen)
250g Buchweizenmehl (Buchweizen ist KEIN Getriede!)
1 Päckchen Trockenhefe oder 1/2 Hefewürfel
ca. TL Honig dazugeben
1,5 TL Salz
Nach Belieben Sauerteigextrakt oder Brotgewürz dazu geben
350-400 ml warmes Wasser

Alles in die Küchenmacshine mit Knethaken und 10 min kneten lassen und dann in eine rechteckige Backform geben. 45-60 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen. Ab in den Backofen, der auf 220 Grad vorgeheizt ist. Direkt auf 180 Grad runterreglen und ca. 45-60 Minuten je nach Bräunungswusch backen lassen.

Ich habe mittlerweile Übung darin. Die Zeitdauer für die Zubereitung beträgt nur noch ca. 15 Minuten. Ich backe fast jeden Abend ein Brot und der Rest meiner Familie isst es auch gerne. Die Nachbarn und Freunde fragen mittlerweile ebenfalls danach.

Du kannst das Rezept varieren wie du möchtest. Emmer schmeckt nussiger als Einkorn. Mehr Buchweizen macht es trockener/bröseliger, da kein Gluten enthalten ist. Ich gebe auch ab und zu Amaranth , Hirse-, oder Weizenmehl oder Eiweispulver hinzu (alles glutenfrei). Einfach ausprobieren und der Phantasie ferien Lauf lassen.

Einkorn- und Emmermehl sind schwer zu bekommen. Ich bestelle immer bei einem Biobauern im Chiemgau (Mod-Edit: Link entfernt)

Viel Spaß und guten Appetit. Und vor allem: Gute Besserung! :-)
Joachim
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon Joachim » Di 3. Dez 2013, 11:55

Joachim hat geschrieben: Ich gebe auch ab und zu Amaranth , Hirse-, oder Weizenmehl oder Eiweispulver hinzu (alles glutenfrei).


Ich meinte natürlich nicht "Weizenmehl", sondern Maismehl.
Joachim
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon 56ooooo56 » Do 26. Dez 2013, 13:56

Hallo Joachim,
ich habe jetzt auch mit Kohlenhydrate freier Ernährung begonnen (Ende Dezember) und ich muss sagen, es tut sich was zum Besseren.

Ich habe von dieser Diät schon seit längerem gehört und habe damals gedacht: totaler Blödsinn! Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich kein Fett und nur wenig Eiweiss vertrage. Weil ich immer totale Blähungen und übelsten Stuhlgang davon bekommen habe. Mit dem Buch von Dr. Lutz "Leben ohne Brot" wird jedoch klar, dass es nicht die Eiweisse oder Fette sind, sondern unverdaute Kohlenhydrate im Darm und "Komplexe-Zucker" im Organismus - welche den Leuten div. Probleme bereiten.

Dr. Lutz berichtete bereits vor einigen Jahrzehnten, dass sich unter seiner Diät auch eine CU wieder zurückbildet - dauert allerdings durchaus einige Jahre.

Auffällig ist bereits nach kurzer Zeit:
- Stuhlgang klebt nicht mehr so
- kaum noch Blähungen
- auf dem Klo geht "leichter", kaum noch Krämpfe
- ich bin wirklich satt und stopf nicht so eine Menge (Kartoffeln, Reis, Nudeln usw.) in mich rein

Mal sehen wie es sich so weiter entwickelt...

Viele Grüße!
tilo
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon MCCBD » Do 2. Jan 2014, 22:14

Wie Bodybuilder ohne KH ohne Zucker ohne Lactose basisch & Histamin-reduziert bringt allemal eine Besserung !
Schön das auch hier bestätigt zu haben womit ich früher mich einfach aus "bevorzugung" ernährt hatte, ohne merklich arg an mc zu leiden. Dann zuwenig Geld für gutes essen und eher so fertigzeug und süßwaren gegessen -> erster arger ausbruch .. bis ich das "Sie können alles essen" der Ärzte nicht glauben konnte da die meds nicht halfen aber "Nichts essen" schon eine besserung brachte.
Nun Dank den Bitcoins kann i mir genug leisten =D
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon Nick » So 23. Feb 2014, 13:20

Hier kann ich mich nur anschliessen. Ich hab die Ernährung umgestellt und das hilft. Gott was hab ich mich gefreut als ich das erste mal nach einem halben Jahr wieder eine feste W..., oder besser: geformten Stuhl hatte. Und jetzt 1-2 mal täglich, ich kann schon fast die Uhr danach stellen :)

Ich nehms zwar nicht ganz so genau mit der "Diät", aber die Richtung stimmt.
Wenn Du jemanden ohne Lächeln siehst, gib ihm deines
Nick
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon Beetle1 » Fr 28. Feb 2014, 18:47

Hallo,
Ich bin CU Patientin und habe mein rrnährung auch genau so um umgestellt, zusätzlich Mutaflor eigenommen. Zu Beginn hatte ich den Eindruck das ist super, keinen Blähbauch, keine Bauchschmerzen mehr, aber nach 6 Monaten erneuter Schub, mit allem was dazu gehört. jetzt weiss ich auch nicht mehr, ob ich weiter machen soll.
LG beetle
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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon holisticathlete » Sa 5. Apr 2014, 16:32

Beetle1 hat geschrieben:Hallo,
Ich bin CU Patientin und habe mein rrnährung auch genau so um umgestellt, zusätzlich Mutaflor eigenommen. Zu Beginn hatte ich den Eindruck das ist super, keinen Blähbauch, keine Bauchschmerzen mehr, aber nach 6 Monaten erneuter Schub, mit allem was dazu gehört. jetzt weiss ich auch nicht mehr, ob ich weiter machen soll.
LG beetle


Hallo Beetle1

Die Ernährung spielt eine ganz besondere Rolle, was deine Gesundheit betrifft, nur ist das vielen, es recht nicht den Ärzten, bewusst, geschweige denn, welchen
Einfluss du mit der Ernährung im SPeziellen auf die Gesundheit deines Verdauungstraktes ausübt. Ich habe sehr gute Erfahrung mit der Ernährungstherapie bei CU
gemacht und könnte dir, sofern du mithilfe einer Kostumstellung weiter das Ziel hast, die CU besser in den Griff zu bekommen, möglicherweise eine paar gute
Hinweise und Ratschläge dahingehend geben.

VG und gut Besserung

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Re: Positive Erfahrungen mit Ernährungsumstellung

Beitragvon Rosenstolz » Sa 17. Mai 2014, 19:09

Ja Joahim so ähnlich Ernähre ich mich auch, aber bei mir ist nicht so viel das Brot, sondern Hefe im Brot. ich esse Rogen 100% ohne Hefe.Ich habe Histamin als Problem entdekt! Alles andere habe ich aus einem Buch von Thilo Schleip gelernt und es ist sehr schwer sich daran zu halten, aber mir hilft es. Ich soll MC haben seit 2010 und vor 5 Monaten hat man mir die Diagnose gegeben. Ich gehe aber mein Weg und finde es SUPER das du auch selber was machst. Wenn du möchtest, möchte ich dir auch Ratschlag geben, was bei mir gewirkt hat.
Rosenstolz
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