Erschöpfung

Über die sonstigen medizinischen Probleme.

Erschöpfung

Beitragvon Trüffel » So 3. Mär 2019, 20:34

Hallo liebes Forum,
im Zusammenhang mit CED hört und liest man immer wieder davon: Erschöpfung.

Auch wenn mich der MC schon lange begleitet, bin ich immer wieder auf die Beine gekommen und habe nach Tiefs und Rückschlägen stets an Kraft und Energie zurückgewonnen. Seit meinem Dauerschub und den dazugehörigen Medikamenten, KHs, OPs ist bei mir die Luft draußen. Ich fühle mich wie ein platter Reifen, den man nicht aufpumpen kann. - Kennt ihr das auch?

Das geht schon am Morgen los. Bereits nach dem Aufstehen fühle ich mich oft so müde, dass ich mich gleich wieder hinlegen könnte.
Derzeit bin ich noch AU geschrieben, die Reha geht erst in ein paar Wochen los und mein Chef hat mir vor 1 Monat während meiner Ausbildungsprobezeit aufgrund der Erkrankung gekündigt - aber trotzdem versuche ich am Alltag teilzunehmen, d.h. ich helfe im Haushalt mit, koche etc. Um nicht einzurosten, gehe ich täglich 30-60 min. spazieren. Das tut meiner Seele gut und macht den Kopf frei. Allerdings sind auch kleine Tätigkeiten oftmals extreme Anstrengungen für mich, sodass ich mich nach kurzer Zeit erschöpft ausruhen muss.

Dass ich mich müde und kraftlos fühle, zieht sich jetzt schon über mind. 2,5 Jahre hin. Erst habe ich es dadurch erklärt, dass mir die Krankheit viel Kraft raubt, jetzt denke ich, dass einfach das Vergangene noch ordentlich nagt und auch die schlaflosen Nächte ihren Teil dazu beitragen.
In der operierten Bauchgegend habe ich immer wieder Schmerzen, die Narben tun weh und da, wo mal der Darm war, zwickt es hin und wieder ziemlich heftig. Für mich sind das Zeichen, dass mein Körper sich noch von all den zurückliegenden Strapazen erholen muss und sich in der Heilungsphase befindet. Das würde vielleicht auch erklären, dass er einfach noch Ruhe braucht.

Was mich ziemlich traurig macht, ist die Tatsache, dass ich mich nicht mehr richtig konzentrieren kann. Früher war ich eine absolute Leseratte, aber wenn ich heute ein Buch in die Hand nehme und eine Seite lese, weiß ich am Ende der Seite nicht mehr, um was es eigentlich gegangen ist. Auch bei Gesprächen habe ich so etwas schon bei mir beobachtet: Ich höre meinem Gegenüber zwar zu, aber merke, dass ich abdrifte und nur die Worte höre, aber nicht ihren Sinn in mich aufnehme.

Dass ich mich müde, ausgelaugt, erschöpft, energie- und kraftlos fühle und ich mich schlecht konzentrieren kann, habe ich auch schon beim Gastro angesprochen und die Antwort von dort: Alle Laborwerte (insb. Hb, Eisen etc.) in Ordnung, können also meine Symptome nicht erklären.

Von Bekannten bin ich darauf angesprochen worden, Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine u.ä.) zu nehmen. Aus der Werbung kennt man ja auch "Aufputschmittelchen". Ich habe keine Ahnung, wie viel Sinn es macht, sich darauf einzulassen. :?:

Ich übe mich seit Anfang des Jahres im Entspannungstraining. Auch das tut der Seele gut, aber gegen meine Erschöpfung hilft es mir nicht.

Meine Sorge ist, dass der Zustand so bleibt und ich nicht mehr richtig in die Gänge komme.
Irgendwann möchte ich beruflich/finanziell auf eigenen Beinen stehen können. Im Herbst wage ich einen Neustart (ob Studium oder Ausbildung ist derzeit noch unklar; ich bin noch in der Orientierungsphase), aber die Angst ist da, dass ich es nicht schaffe.

Das tut mir leid, dass ich euch jetzt so zugetextet habe. Aber irgendwie musste es einfach mal raus. Ich bin z.Z. ziemlich ratlos. Klar werde ich es auf der Reha ansprechen und ich hoff einfach so, dass ich dort wieder auf die Beine komme.

LG, Trüffel
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Re: Erschöpfung

Beitragvon neptun » So 3. Mär 2019, 21:28

Hallo Trüffel,

eine weitere Idee meinerseits ist die Abklärung, was Deine Schilddrüse so macht. Laß mal die Schilddrüsenwerte im Blut prüfen, falls nicht bereits geschehen. Vielleicht hast Du eine Unterfunktion.

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Re: Erschöpfung

Beitragvon glöckchen09 » So 3. Mär 2019, 21:37

hey trüffel,

ich hab das selbe problem seit Jahren.
Fühle mich dauerhaft erschöpft, ausgelaugt, müde.

ausgeschlafen aufwachen? fit in den tag starten? energie haben? was ist das?

sämtliche ärzte die ich bisher gefragt habe waren ratlos.

blutwerte sind gut, auch die schilddrüse.
krankheit ist seit bald 4 jahren mehr oder weniger aktiv in jeglicher hinsicht und ausführung.

findest du ein allheilmittel gib mir bitte bescheid!
mit der müdigkeit wird man echt depressiv-.-

das ganze leben empfinde ich als so ultra anstregend, für mich selber tue ich garnichtsmehr. mein tag geht für arbeiten und schlafen drauf.
sport, bewegung, hobbies, ales was gut tun könnte/würde kann ich nicht leisten. dazu bin ich einfach zu erschöpft.

du bist nicht allein damit..

grüße, glöckchen09
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Re: Erschöpfung

Beitragvon Trüffel » So 3. Mär 2019, 22:02

Hallo ihr beiden!

Jetzt habe ich gleich in meinen Laborwerten nachgesehen. Bisher war der TSH-Wert immer in Ordnung (zuletzt im Dezember 2018: S TSH 1.90 mU/l (als Referenzbereich 0.4-3.77 mU/l)).
Ich meine, irgendwo gehört zu haben, dass der TSH-Wert nicht alleinig ausschlaggebend für eine Schilddrüsenerkrankung sein muss, bin mir da aber nicht mehr sicher. Zumindest haben mein Papa, meine zwei Schwestern und meine Oma mütterlicherseits alle was mit der Schilddrüse, u.a. Hashimoto. Aber bei ihnen waren auch die Blutwerte immer auffallend.

Oh je, glöckchen09, was du schreibst! Da können wir ein zwei ein Lied singen, und wahrscheinlich noch einige andere. Man wird zwar davon nicht gesund/fitter, wenn man liest, dass es anderen auch so geht, aber man ist nicht allein und das tröstet ein wenig.

LG von Trüffel
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Re: Erschöpfung

Beitragvon neptun » So 3. Mär 2019, 22:11

Hallo Trüffel

aus
https://de.wikipedia.org/wiki/Hashimoto-Thyreoiditis#Diagnose

Für eine Beurteilung der Stoffwechsellage der Schilddrüse sind folgende Hormonwerte relevant:
TSH (Thyroidea-Stimulierendes Hormon)
T3 (Trijodthyronin), bzw. freies T3 (= fT3)
T4 (Levothyroxin = L-Thyroxin = Tetrajodthyronin), bzw. freies T4 (= fT4)

Eine Schilddrüsendiagnostik, die sich ausschließlich auf den TSH-Wert stützt, ist zur Erkennung einer Hashimoto-Thyreoidis meist nicht aussagekräftig genug, denn auch ein normwertiger TSH-Spiegel oder normwertige freie T3- und T4-Werte sind keine Ausschlusskriterien für eine Hashimoto-Thyreoiditis.

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Re: Erschöpfung

Beitragvon Trüffel » Mo 4. Mär 2019, 10:03

Hallo Neptun, danke für die Hinweise!
Was die Schilddrüse angeht, werde ich das in der nächsten Zeit abklären lassen. Selbst wenn nichts dabei rauskommen sollte: Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert.
Lg Trüffel
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Re: Erschöpfung

Beitragvon Mischkas » Mo 4. Mär 2019, 10:49

Hallo Trüffel

ja das sind bei mir nun auch schon bald drei Jahre das die Ärzte nach einem Grund der Müdigkeit, Erschöpfung ohne Erfolg suchen.

Von Anfang an wurde in meine Krankenakte der Ausdruck Asthenie sévère (schwere) geschrieben.
Was nun genau Asthenie sein soll wie es entsteht oder behandelt wird konnte mir keiner der Fachärzte sagen.
Insofern sehe ich die Asthenie als Trostwort für : Selbstverständlich spielt sich das nicht nur in ihrem Kopf ab sie leiden unter Asthenie wir können ihnen aber nicht helfen den wir wissen selbst nicht was das ist.

Die ganzen von Euch beschriebenen Untersuchungen haben bei mir auch nichts ergeben.Nahrungsergänzungsmittel (Vitamin B12,D, Magnesium etc. vom Arzt verschrieben) hatten bei mir leider auch keinen Erfolg.
Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten wie fixes Schlafen gehen und Aufstehen, regelmäßige Aktivitäten hatten leider auch nichts gebracht oder waren schlicht nicht durchführbar.

Es ist frustrierend wenn man bei kleinen Beschäftigungen wie Kartoffeln schälen auf einmal das Messer hinlegt und erschöpft ist als ob man eine Stunde Hanteln gehobenen hätte.

Wie oft kam Freude auf wenn ich abends Lust auf einen Spatziergang bekomme.Ich habe mich vorbereitet ging schnell auf das WC (Routinemassnahme) setze mich hin zum Schuhe anziehen und auf einmal kommt ein Erschöpfungsgefühl auf als ob ich ein Marathon gesprungen wäre.Dann sitze ich auf dem Stuhl schaue die Eingangstüre an und würde am liebsten weinen.

Das fiese die Erschöpfung steht einem nicht in das Gesicht geschrieben da bekommt man dann von Kollegen so tolle Tipps wie leg dich doch ein wenig hin dann geht das schon wieder.Selbst wenn die Möglichkeit zum hinlegen besteht nutzt es nichts denn trotz Müdigkeit, Erschöpfung kann ich nicht schlafen ich liege dann nur da und fühle mich wie gelähmt.

Nun schön seit sechs Monaten habe ich aufgehört mich bei den Ärzten über die Müdigkeit (Asthenie?)zu beschweren und siehe da nicht ein einziger hat sich mal die Zeit genommen mich zu fragen wie es mit der Müdigkeit abläuft.....

Wie Du so schön schreibst Trüffel tut halt trotzdem gut zu wissen daß man nicht alleine ist denn manchmal kommt man sich wie ein Simulator oder Hypercondriaque vor.

Auch ich wäre glücklicher Abnehmer für das Allheilmittel.

LG Mischkas
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Re: Erschöpfung

Beitragvon Trüffel » Mo 4. Mär 2019, 11:08

Hallo Mischkas,
das ist traurig, wenn man nichts findet und die Ärzte nicht weiterhelfen können. :(
Wir werden uns wohl zusammensetzen und einen Wundertrank brauen müssen...

Ich hab mal in google nach Asthenie gesucht und bin bei wikipedia auf folgenden Eintrag gestoßen: Asthenie kommt vom altgriechischen asthéneia (altgriechisch ἀσθένεια) und bezeichnet Schwäche oder Kraftlosigkeit. Meist ist sie ein Begleitsymptom anderer Erkrankungen, wie Infektionen oder eine Nebenwirkung von Medikamenten. Sie kann auch mit ungesundem Lebensstil, unzureichendem Schlaf oder mangelnder Bewegung zusammenhängen. Länger andauernde Asthenie sollte durch einen Arzt abgeklärt werden.
Leider steht da nicht, was man dagegen macht. :(
Am Ende des Artikels bei "siehe auch" wird u.a. das chronische Erschöpfungssyndrom (G93.3) genannt.

Bei den Nebenwirkungen der CED-Medis wird häufig Müdigkeit genannt. Das verstehe ich aber nicht unter dem, was wir hier unter Erschöpfung schildern.

Die Tipps von Kollegen/Verwandten etc. sind zwar in vielen Fällen gut gemeint, aber sie helfen uns halt irgendwie nicht weiter. Leider.

LG Trüffel
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Re: Erschöpfung

Beitragvon neptun » Mo 4. Mär 2019, 11:09

Hallo Trüffel,

gerne. :)
Ich bin gespannt auf das Ergebnis.
Sicher wäre dann auch die Sono der Schilddrüse wichtig.
Vielleicht berichtest Du dann.

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Re: Erschöpfung

Beitragvon Leinelchi » Mo 4. Mär 2019, 12:07

Hallo,

ich habe die gleichen Probleme mit der Müdigkeit. An manchen Tagen bin mittags wieder im Bett, schlafe dann wie tot zwei Stunden dann etwas besser. Spaziergänge und Qi Gong helfen mir zu entspannen und B12 Spritzen bringen mir kurzzeitig Besserung.

Seit der OP Juni 2019 wurde es nur schlimmer. Stenose und Fistel weg, aber Beschwerden viel schlimmer als vor OP. Dank eines Psychologen wo ich wöchentlich in Behandlung bin, schaffe ich es das Ganze zu meistern.

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