Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Über die sonstigen medizinischen Probleme.

Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon StratosPaladin83 » So 14. Jul 2019, 16:27

Hallo,

neben meinem Morbus Crohn leider ich unter einem Refluxmagen, der mir weitaus mehr Beschwerden bereitet als der Morbus Crohn selbst. Hin und wieder greife ich daher zu Magentabletten (Pantoprazol 40mg).

Im Internet kann man jetzt gehäuft lesen, dass Protonenpumpenhemmer zu Nahrungsmittelallergien führen können. Im Beipackzettel kommt dieses Thema allerdings überhaupt nicht zur Sprache.

Hat jemand von Euch davon schon gehört bzw. Erfahrungen gemacht?

Ich habe nun folgendes Problem: Vor gut einem Monat hatte ich mit meinem Magen wieder Probleme und habe über 4 Tage hinweg Pantoprazol 40mg eingenommen habe. Bis dorthin war mein Stuhlgang normal feste und geformt, teilweise sogar etwas hart. Nachdem ich das Pantoprazol nach 4 Tagen wieder abgesetzt habe habe ich plötzlich Verdauungsprobleme, die vorher nicht da waren. Häufiger Stuhldrang, weicher bis breiiger Stuhl, es mag sich jetzt vielleicht etwas blöd anhören, aber sobald ich auf der Toilette war habe ich zudem noch so ein leichtes Vibrationsgefühl im Enddarm. Jetzt habe ich Angst, dass ich mir wegen dieses Medikamentes auch noch eine Allergie ins Haus geholt habe. Das kann ja nicht sein, dass ich wegen Magenproblemen ein Medikament einnehme und hinterher noch eine Krankheit mehr habe. Bin ratlos.

Ich würde mich jedenfalls über jeglichen Hinweise Eurerseits freuen.

Viele Grüße
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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon Salamander » Do 8. Aug 2019, 09:12

Hallo StratosPaladin83,

ich bin Pharmazeutin und ich habe eben für dich nochmal in den Fachinfomationen von Pantoprazol nachgelesen. Man kann gegen Pantoprazol selbst allergisch sein (sogar stark allergisch), dass es allerdings Allergien gegen andere Stoffe auslöst, ist zumindest in der Fachwelt nicht belegt. Nach der Zulassung von Medikamenten läuft auch die Pharmakovigilanzphase, d.h. jede Unerwünschte Arzneimittel Wirkung wird registriert und ab einer gewissen Häufung wird nachgeforscht. Dementsprechend kann ich mir nicht vorstellen, dass die Allergie durch das Panto ins Haus kam.
Gleichzeitig muss man immer bedenken, dass der Magen ja eigentlich seine Säure braucht, sie ist essentieller Bestandteil der Verdauung. Dass man bei einer Refluxösophagitis dankend Pantoprazol schluckt, ist auch gut so, denn die Schäden in der Speiseröhre schmerzen nicht nur, sondern können auf Dauer zu malignen Veränderungen (Krebs) führen. Durch die dauerhafte Einnahme von diesen Protonenpumpenhemmern verringert man unter Anderem natürlich auch die Aufnahme von Nähr- und Mineralstoffen, sowie anderer Medikamente! (4 Tage sind nicht dauerhaft, ich spreche hier von Wochen ;) ). Dass sich allerdings nach Absetzen die Stuhlkonsistenz ändert, kann gut sein, schließlich kann der Körper dann "endlich" wieder Säure produzieren.
Sollten diese Stuhlprobleme allerdings anhalten, solltest du zum Arzt gehen (dein Post ist ja schon zwei Wochen her, ich gehe davon aus, dass ich das hier für zukünftige Suchende schreibe).

lg Salamander
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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon StratosPaladin83 » Do 8. Aug 2019, 12:21

Hallo Salamander,

ich danke dir für deine umfangreiche Antwort. Die ganze Sache ist leider immer noch ein ganz aktuelles Thema für mich. Ich schildere dir noch einmal kurz den genauen Ablauf:

Ich habe am 13.06.2019 vor dem zu Bett gehen 40mg Pantoprazol eingenommen (ca. 2 Uhr Nachts). Desweiteren am 14.06. und 15.06. nochmals 40mg Pantoprazol vor dem Zubettgehen (wieder zwischen 0.00 und 2.00 Uhr Nachts). Das vierte und letzte Mal habe ich 20mg Pantoprazol am 17.06.2019 (Montags) morgens vor dem Frühstück eingenommen, ca. um 09.30 Uhr/10.00 Uhr. Am 17.06.2019 habe ich abends gegen 20:30 Uhr eine Tüte Grießbrei (halber Liter laktosefreie Milch) gegessen. Am Dienstag (18.06.2019) war verdauungstechnisch noch alles normal. Dienstag Abend (18.06.2019) habe ich dann gegen 20:30 Uhr eine Tüte Milchreis (halber Liter laktosefreie Milch) gegessen. Bereits einige Stunden später, vielleicht so gegen 23 Uhr rum bemerkte ich im Bauch ein Ziehen, welches vom Gefühl her typisch für mich ist, wenn sich einmal Durchfall ankündigen sollte. MIttwoch morgen (19.06.2019) kam bei der Morgentoilette erst fester und zum Schluss weicher Stuhl. Mein "Durchfallgefühl" vom Vorabend hatte sich bestätigt. Hinzu kamen weitere Symptome wie anhaltender Stuhldrang. D.h. dass ich mich erstens nach dem Toilettengang nicht richtig entleert fühle und auch vermehrt am Tag auf die Toilette musste. Zudem habe ich ein leichtes "Viebrieren" im Enddarm, wenn ich auf Toilette war. Ein bis dorthin mir unbekanntes Gefühl. Nun sind 7 Wochen bereits vergangen und ich habe seitdem einiges ausprobiert. Ich habe eine Packung Perenterol Forte (1 Kapsel täglich) eingenommen, zudem noch Probiotika. Nach eigenem und mehrfachem Test vertrage ich Ziegenkäse, den ich bis vor meinem Beschwerdebild "tonnenweise" gegessen habe nicht mehr. Bereits 4 Stunden nach dem Verzehr eines Brotes mit diesem Käse muss ich auf die Toilette und ein voluminöser breiiger Stuhlgang kommt. Auch bei Pizza sowie weiteren Milchprodukten geht es mir so. Lasse ich gezielt Milchprodukte wie den Käse und die Milch weg, so ist mein Stuhl wieder ganz normal geformt.

Ich habe mich jetzt hinreichend mit dem Thema versucht auseinanderzusetzen und was ich im Internet finden konnte waren diverse Informationen, auch auf Allergieportalen, dass PPI Nahrungsmittelallergien begünstigen können.

Interessanterweise wurde dieses Thema auch erst vor kurzem in Österreich/Wien behandelt und eine Studie aufgestellt, welche die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie aufgrund des Studiendesigns jedoch stark kritisiert.

Hier einmal ein Link zu einer Seite: https://www.deutsche-apotheker-zeitung. ... n-foerdern
Hier der Link zu der Studienkritik der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ ... rt-studie/

Abschließend:
Fakt ist, dass ich seit der letzten 4tägigen Einnahme der PPI Verdauungsbeschwerden habe, welche auftreten, sobald ich verstärkt Milchprodukte verzehre.

Nach den Infos, welche ich über PPI und dem Zusammenhang zwischen der Entstehung einer Allergie finden konnte, erschließt sich für mich folgende Schlussfolgerung:

Meine Magensäureproduktion wurde durch Einnahme der PPI gehemmt. Die letzte Einnahme waren 20mg am Morgen des 17.06.2019. Dienstag Abend, 18.06.2019, war die normale Magensäuresekretion ganz sicher noch nicht wieder vollständig hergestellt. Ich habe den Milchreis (halber Liter Milch) um ca. 20:30 Uhr gegessen. Jetzt folgen zwei ungünstige Umstände: Zum einen ist um diese Uhrzeit die Verdauung ohnehin schon gedrosselt und desweiteren die normale Säuresekretion durch die PPI gehemmt gewesen. Die Milcheiweißbestandteile haben somit den Magen passiert, ohne richtig aufgespalten zu werden. Somit sind die Allergene im intakten Zustand im Darm gelandet und dort mit Pech wohl in den Blutkreislauf gelangt. Hier werden sie als Fremdkörper erkannt und es werden Antikörper gegen sie gebildet.

Ich war bereits beim Hausarzt, der mich weiter zum Gastroenterologen schicken möchte. Mein Hausarzt sagte, dass ich jedoch nicht der einzige seiner Patienten wäre, der mit dieser Problematik zu ihm käme.

Dass an solch einer Studie, dass PPI Allergien auslösen kann, natürlich erstmal heftig Kritik ausgeübt wird wundert mich jetzt nicht. Schließlich hängt ein Milliardengeschäft an diesen Medikamenten.
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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon Salamander » Fr 9. Aug 2019, 19:38

Hallo Paladin,

wie gesagt, die Pharmakovigilanz läuft unendlich weiter nachdem ein Präparat auf den Markt gekommen ist. Selbst Jahrzehnte später kommen erst noch Nebenwirkungen heraus, die man vorher noch nicht entdecken konnte oder (vor 1970: wollte...!).
Ich würde dir ganz klar raten, das abklären zu lassen beim Arzt (was du ja auch vorhast). Allgemein funktionieren bei Sodbrennen natürlich auch die Magnesium/Aluminium Präparate (Maaloxan etc., etc.!).
Die Kritik an der Studie wird allerdings nicht ausschließlich von Seiten der Hersteller geübt, und die Gastroenterologen verdienen nichts an den PPI, von daher...

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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon StratosPaladin83 » Fr 9. Aug 2019, 21:11

Hallo Salamander,

du musst meinen vielleicht etwas verärgerten Ton entschuldigen. Es ist für mich einfach nur unwahrscheinlich belastend, dass ich mir mit einer kurzen, laut Ärztin "unbedenklichen" Einnahme eines solchen Medikamentes, welches mir helfen sollte, noch eine zusätzliche Erkrankung eingefangen haben könnte, die mein Leben enorm einschränken wird. Aber wie gesagt, ich werde es abklären lassen, in der Hoffnung, dass eine konkrete Diagnose gestellt werden kann. Was laut den Informationen, die ich finden konnte, wohl gerade bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten/Allergien nicht einfach ist.

Da du selbst aus dem Pharmabereich kommst hätte ich da noch eine fachliche Frage zu der Wirkstoffäquivalenz der einzelnen Protonenpumpenhemmer. Als ich vorheriges Jahr eine leichte Entzündung des Magenschließmuskels hatte wurde mir von Seiten meiner Internisten gesagt, dass ich entweder Omeprazol 20mg bzw. Pantoprazol 40mg einnehmen sollte. Also entsprechen 20mg Omeprazol wirklich 40mg Pantoprazol vom Wirkungsgrad? im Internet konnte ich nur finden, dass diese Erkenntnis lange überholt wäre und 20mg Omeprazol auch lediglich 20mg Pantoprazol entsprechen.

Viele Grüße
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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon Salamander » Fr 9. Aug 2019, 21:41

Hallo Paladin,

Das ist absolut verständlich. Jedesmal, wenn ich ein Nahrungsmittel entdecke, dass ich a u c h wieder nicht vertrage, ist meine Stimmung eine Woche im Eimer... einfach noch etwas, worauf man achten muss.
Ich drücke dir die Daumen, dass du irgendwie zurecht kommen wirst. Manche können ja langsam wieder einsteigen in den Milchverzehr, andere nehmen Lactase Tabletten (wobei ich da bei CU/MC den Arzt* fragen würde).

Zu deiner Frage: Die Lehrmeinung meiner Professoren lautet:
Omeprazol, Esomeprazol und Rabeprazol 20 mg
Lansoprazol 30 mg
Pantoprazol 40 mg
Prinzipiell gilt allerdings, dass man immer mit der geringsten Dosis, die einen Beschwerdefreiheit bringt, arbeiten sollte, wenn nicht anders verordnet. Ich hoffe, das hilft!

Schon vor ein paar Jahren kamen die ersten Stimmen auch auf, dass der Anstieg von PPI in der Therapie nicht nur auf der raschen Symptombekämpfung begründet war, sondern auch auf Unvorsicht. Die PPI ganz zu verteufeln ist natürlich auch nicht gut, denn sie sind z.B. essentiell in der Therapie bei Helicobacter pylori Infektionen.

schönen Abend noch,
Salamander
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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon StratosPaladin83 » Fr 9. Aug 2019, 23:23

Eine Lactoseintolleranz habe ich ja schon seit vielen vielen Jahren, das ist zum ersten aber auch keine Erkrankung sondern eigentlich ein ganz natürlicher Vorgang, desweiteren war das auch nie eine Einschränkung für mich. Viel reine Milch habe ich eh nie getrunken und wenn dann einfach die Minus L Variante. Käse in Aufschnittform habe ich jedoch viel gegessen, der von naturaus laktosefrei ist bzw. auch laktosefreien Ziegenkäse. Zu Pizza oder anderen Mahlzeiten, in denen etwas normale Milch drin ist habe ich Lactase dazugenommen und das war auch niemals ein Problem.

Danke dir, ich hoffe auch, dass ich das einigermaßen in den Griff bekomme und sich das ganze nicht noch negativ auf meinen Morbus Crohn auswirkt, der seit Diagnosestellung in 2003 nur einen ganz milden Verlauf hat.

Verteufeln soll man die PPI natürlich nicht, in gewissen Fällen werden sie ja gebraucht. Nur ganz ehrlich, ich weiß nicht wie ich mich nochmal an diese Medikamente wagen soll, wenn es aufgrund einer Entzündung meiner Speiseröhre notwendig wird. Ich hatte bisweilen noch nie etwas mit Unverträglichkeiten oder Allergien zu tun bis auf die Laktoseintolleranz. Das wird ein echtes Problem werden.

Eine gute Nacht wünsche ich.
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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon Salamander » Di 13. Aug 2019, 14:02

Hallo Palladin,
hier habe ich einen interessanten Link gefunden zu deiner Problematik https://link.springer.com/article/10.10 ... 012-0154-4 .
Vielleicht hilft dir ja vor allem die Quellenliste.

lg Salamander
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Re: Allergie durch Protonenpumpenhemmer???

Beitragvon StratosPaladin83 » Di 13. Aug 2019, 14:48

Hallo Salamander,

ja inhaltlich sagt dieser Artikel ja das aus, was ich hier auch bereits beschrieben habe und eben für ein erhöhtes Allergierisiko bei Einnahme eines PPI spricht.

Liebe Grüße
StratosPaladin83
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