Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Über die sonstigen medizinischen Probleme.

Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon mprivat » Sa 28. Jul 2018, 19:17

Hallo Leute,

nachdem ich ein bisschen im Forum gesucht habe, konnte ich leider nichts finden, was mir wirklich geholfen hat.

--> Während eines schweren CU Schubs, wurde mir der gesamte Dickdarm entfernt und nun habe ich einen Pouch. Die letzte Operation ist nun 2 Monate her, also ist der Pouch seit 2 Monaten in Betrieb. Ca. 10 Tage später hat die nächtliche Inkontinenz angefangen - bis dahin ging alles gut, ich schlief sogar ohne Einlage. Auch tagsüber geht alles gut.

Ich wache bis zu 3 Mal nachts auf und gehe dann teilweise schon vorsorglich auf Toilette, weil ich immer Flüssigkeit (recht wenig) und selten auch Stuhl in meiner Einlage vorfinde - jede Nacht!

Eine Messung der Stärke meiner Schließmuskeln ergab, dass der, den ich nicht bewusst steuern kann, normal stark ist, der, den ich bewusst steuern kann, außerordnentlich stark ist, also kann es daran laut meines Chirurgen nicht liegen, wobei er mir auch keine andere Erklärung nennen kann.
Ich muss dazu sagen, dass ich ziemlich Probleme durch den säurehaltigen Stuhl habe, der Analkanal sehr stark gereizt war und aktuell auch immer noch leicht gereizt ist. Colestyramin allein reicht bei mir wohl nicht aus. Ich nehme Flohsamen und nachts Loperamid.

Leidet noch jemand unter diesem Poblem? Gibt es Aussicht auf Besserung? Weiß jemand etwas darüber? Ich mache mir langsam Sorgen, dass das nie mehr weggeht. :cry:
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Re: Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon Bab85 » Mo 30. Jul 2018, 11:08

Hallo mprivat,

ich vermute dass dein Stuhl noch sehr flüssig ist. Deine Rückverlegung ist noch nicht so lange her, von daher kann es gut sein dass es noch etwas dauert bis dein Dünndarm/Pouch lernt den Stuhl etwas einzudicken.
Wichtig ist, gerade am Anfang, zum Essen so wenig wie möglich zu trinken. Ich weiß jetzt nicht wie du dich aktuell ernährst, aber Kartoffeln dicken gut ein sowie auch Bananen.
Wurde seit der Rückverlegung dein Pouch mal gespiegelt?
Bzgl. dem gereizten Analkanal gäbe es auch Colestyramin Zäpfchen, die dir etwas helfen könnten. Diese muss man aber in einer speziellen Apotheke bestellen oder deine Apotheke setzt sich mit dieser in Verbindung.
Wenn du möchtest kann ich dir die Adresse von der Apotheke geben.

LG
Babs
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Re: Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon mprivat » Di 31. Jul 2018, 22:24

Bab85 hat geschrieben:Hallo mprivat,

ich vermute dass dein Stuhl noch sehr flüssig ist. Deine Rückverlegung ist noch nicht so lange her, von daher kann es gut sein dass es noch etwas dauert bis dein Dünndarm/Pouch lernt den Stuhl etwas einzudicken.
Wichtig ist, gerade am Anfang, zum Essen so wenig wie möglich zu trinken. Ich weiß jetzt nicht wie du dich aktuell ernährst, aber Kartoffeln dicken gut ein sowie auch Bananen.
Wurde seit der Rückverlegung dein Pouch mal gespiegelt?
Bzgl. dem gereizten Analkanal gäbe es auch Colestyramin Zäpfchen, die dir etwas helfen könnten. Diese muss man aber in einer speziellen Apotheke bestellen oder deine Apotheke setzt sich mit dieser in Verbindung.
Wenn du möchtest kann ich dir die Adresse von der Apotheke geben.

LG
Babs


Vielen Dank für deine Antwort!

Teilweise flüssig, jedoch oft auch schon sehr dickflüssig, fast fest. Mein Pouch wurde gespiegelt, weil sich durch die Säure mein Analkanal entzündet hat, jedoch sieht der Pouch von innen wohl super aus, ist also nicht entzündet. Und da meine Schließmuskeln auch okay sein sollen, kann mir keiner so genau sagen, woran das nächtliche Austreten von Flüssigkeit nun liegt. Hoffentlich hört das irgendwann auf. :(
Ich habe nächste Woche einen Termin mit einer anderen Chirurgin, mit ihr werde ich meine Probleme mit der Säure und nächtlicher Inkontinenz noch einmal besprechen und komme bzgl der Zäpfchen eventuell auf dich zurück, hat mir bis jetzt auch noch keiner etwas von erzählt. :x
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Re: Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon fennersun » Sa 4. Aug 2018, 17:25

Hallo,

das Problem habe ich leider auch. Meine Rückverlegung ist jetzt ein gutes Jahr her. Anfangs ging es jede Nacht in die Einlage. Jetzt vielleicht noch 1-2 mal in 2 Wochen, also auch schonmal ne Woche ohne. Trotzdem schlafe ich immer mit Einlage, weil es einfach schwer zu kontrollieren ist.

Was hat geholfen?
    Ich esse abends nicht mehr allzu spät, so 18-19Uhr Abendbrot, dann möglichst nichts mehr, höchstens ne Kleinigkeit. Vorm Schlafen gehen dann nochmal Toilette, logisch, und damit sind nachts keine Riesenmengen im Gedärm unterwegs. Anfangs hatte ich auch 2-3 nächtliche Toilettengänge, heute 1-2. Und es gab auch schonmal ein Durchschlafen von 6 Stunden. Die Freude war groß, die Entwicklung passt. Es braucht halt Disziplin. Dein Pouch ist noch frisch, er wird durch Dehnung noch etwas an Volumen zunehmen, auch das hilft, wenn man mehr Fassungsvermögen hat.

    Ich trinke nichts mit Kohlensäure, da bin ich eisern und blähende Lebensmittel meide ich. Denn nach meiner Erfahrung ist der nächtliche Abgang meist durch zu viel Druck im Pouch verursacht. Es ist der Pubs der abgeht und leider vom flüssig/breiigen Stuhl was mitnimmt. Es war bei mir nie eine vollständige Entleerung.

    Sport, bilde ich mir jedenfalls ein. Anfangs hatte ich gezielt Beckenbodengymnastik gemacht. Heute hebe ich regelmäßig Gewichte im Fitnessstudio. Nicht um wie Hulk auszusehen, sondern einfach um dem Körper was gutes zu tun. Und ich bilde mir ein, dass es dem Beckenboden und den Nerven da unten auch ganz gut tut. Genau wie bei dir sind meine Schließmuskel kräftig und intakt. Da die nächtliche Inkontinenz unwillkürlich ist, kann es nur eine Nervensache sein (meine persönliche Interpretation). Und so denke ich das Faktor Zeit, die von OP gestressten Nerven können sich wieder erholen, und eben Bewegung im Beckenboden helfen kann.

    Loperamid hatte ich eine Zeitlang versucht, brachte allein nicht den zuverlässigen Erfolg. Also hab ich aufgehört es zum Schlafen zu nehmen.

Mit saurem Stuhl hatte und habe ich keine Problem. Wunder Po nur anfangs, dann immer schön Zinksalbe drauf. Anfangs nach jedem Stuhlgang, dann nur noch nächtlich (wegen der Abgänge) und heute gar nicht mehr. Hier denke ich mir, haben 2 Dinge wesentlich geholfen

    Ich vermeide alles mit Fruchtsäure. Denn das trägt mit zum sauren Stuhl bei.

    Hygiene nach jedem Stuhlgang. Unterwegs auch mal mit nicht-parfümiertem Feuchttuch (Da nehme ich Einmalwaschlappen aus der Drogerie, schneide die zu Hause noch kleiner (in vier Teile, reicht völlig), und mach die auf Toilette am Waschbecken eben nass/feucht. Hilft beim Reinigen ganz gut.)
    Zu Hause haben wir ein Bidet, für sowas ideal.
    In Hotels oder so dann ab in die Dusche.
    Viel Aufwand, aber bei mir hat es geholfen, dass Thema Wund sein in Griff zu bekommen.

Um den Stuhl etwas dicker werden zu lassen oder auch die Durchlaufzeit zu erhöhen, gibt es keine allgemein gültige Empfehlung. Da hat jeder seine Erfahrung. Hier musst du probieren. Nach OP hatte ich mit Aplona, dann mit Flohsamenschalen und auch mit Loperamid experimentiert. Auch mal Pommes, die wirkten in meiner Zeit mit Stoma recht stopfend. Heute habe ich für mich gekochten Reis entdeckt, einfach perfekt. Schon eine kleine Portion wirkt bei mir besser als Loperamid. Wenn ich also mal länger unterwegs bin, dann vorher ne Portion Reis gegessen und ich hatte für Stunden Ruhe. Als wenn ein Propfen sich langsam durch den Darm arbeitet.

Bei dir ist der Pouch noch recht neu. Du und er brauchen noch Zeit bis sich alles einspielt. Mach dir keinen Stress, Erfolge kann man eher in Monaten messen. Gib dir ein Jahr Zeit und schaue dann wie es aussieht.
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Re: Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon Wessi1974 » So 5. Aug 2018, 13:05

Ich hänge mich mal mit rein hier,das Problem mit den nächtlichen Kleckereien hab ich auch.Der Pouch ist nun en Jahr alt und es klappt ansonsten eigentlich alles sehr zufriedenstellend...sind zwar immer noch 8-10 Stuhlgänge aber ich finds echt gut behrrschbar und es lässt sich auch super einhalten,wenns nötigt ist 1-2 Stunden.Nur die Kleckereien nachts bleiben...die Chirugen wußten da auch nicht weiter,ausser das es sich noch einspielen würde usw...erhöhen der Mucofalk und Loperamid Dosen haben da auch nicht den gewünschten Erfolg.
Das bleibt auch mal über 3-4 Wochen sauber..aber dann kleckerts wieder....es ist wie schon beschrieben hier...nie vollständig,mehr so en "Furz mit Landgang" :lol: :lol: :lol: Aber doch sehr,sehr lästig halt .

Was jetzt noch auffälig ist: Ich habe Schichtdienst und nach der Nachtschicht schlaf ich ja tagsüber...auch so 6-8 h wenns geht am Stück...und das seltsame ist: Da ist es noch nie passiert..noch nicht einmal
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Re: Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon Korona » So 5. Aug 2018, 16:25

Hallo,

bei der Kolektomie und Pouchanlage kommt es vor, dass die Nerven, die direkt am Ende des Analkanals verlaufen, geschädigt werden. Diese Zone ist zuständig für die Nachtkontinenz.
Da man bei der OP so viel wie möglich von der gefährdeten Schleimhaut entfernen will, ist das Risiko dafür sehr hoch. Auch aus diesem Grund ist es wichtig einen sehr erfahrenen Chirurgen zu wählen.
Auch die Nahttechnik ist ggfs. mit dafür verantwortlich, wenn in der Folge die Kontinenz Probleme macht.

Wenn Du, Wessie tagsüber schläfst und dann keine Probleme hast, wird es an den Aktivitäten und Nacht- und Tagesrhythmus des vegetativen Nervensystems liegen. Tagsüber ist der Sympatikus aktiv, der für mehr Kontrolle sorgt.
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Gruß, Korona
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Re: Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon Wenig_Gebrauchsspuren » So 5. Aug 2018, 17:12

Hallo mprivat,

dass ich einen Pouch hatte, ist schon etwas her, ich hatte diese Inkontinenz auch. Da er nie angeschlossen wurde, kann ich dir nicht sagen, ob das weggegangen wäre. Nach 2 Monaten scheint es mir zu früh zu sein, dir Sorgen zu machen, dass das nicht mehr weggehen wird. Mein Chirurg sagte mir damals, dass das sich Anpassen des Pouches mit gut einem Jahr eingeplant werden muss. Deine Ärzte scheinen es ja ernst zu nehmen und du musst vielleicht einfach noch etwas versuchen, mit den Mitteln und dem Essen zu experimentieren und zudem weiterhin die Geduld nicht zu verlieren.

Ich wünsche dir, dass es dir bald besser geht.

Liebe Grüße
WG
Wenig_Gebrauchsspuren
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Re: Nächtliche Inkontinenz nach Pouch-OP

Beitragvon mprivat » Do 9. Aug 2018, 21:47

Hallo Leute,

erst einmal vielen Dank für eure Antworten!!!

Ich gehe auch sehr stark davon aus, dass das mit den Nerven zu tun hat, die nachts ebenfalls "schlafen". Des Weiteren habe ich große Probleme mit der Säure und wohl eine Art Fistel im Analkanal, die eventuell auch für diese nächtlichen Probleme sorgt. Interessant ist, dass es ca. 10 Tage nach der OP nachts perfekt geklappt hat, erst danach kam die nächtliche Inkontinenz.

Gestern war ich bei einer sehr erfahrenen Chirurgin, was diese Op betrifft. Nächste Woche werde ich stationär aufgenommen und es werden diverse Untersuchungen vorgenommen, da sie der Meinung ist, dass es mit der Naht unten zu tun haben könnte (hatte dort eine Engstelle, da die Narbe sehr dick ist und wurde deshalb ca. 10 mal bougiert, bevor der Pouch angeschlossen wurde). Wenn ich Pech habe, muss unten durchtrennt und erneut angenäht werden - wobei meine Probleme dadurch eventuell gelöst werden können. :/

Jenachdem, wie es mir geht, werde ich euch hier auf dem Laufenden halten. :-)
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