Morbus Crohn und Multiple Sklerose?

Über die sonstigen medizinischen Probleme.

Morbus Crohn und Multiple Sklerose?

Beitragvon Zorro » Mo 19. Sep 2016, 11:38

Hallo,
nach einem MRT des Kopfes hat der Radiologe die Verdachtsdiagnose MS in den Raum gestellt. Eigentlich wurde das MRT wegen langjähriger starker Migräne durchgeführt, die Flecken (Gliosen) im Gehirn waren daher eher ein Zufallsbefund.
Morbus Crohn habe ich bereits seit 1984, seit meinem 17 Lebensjahr, mit jahrelangem schweren Verlauf. Seit fast 15 Jahren ist die Krankheitsaktivität zum Glück mehr oder weniger ruhig. Das bedeutet für mich, es gibt alle paar Jahre kleine Schübe, die mit Kortison nach ein paar Wochen wieder vorüber gehen und ich nehme seit 2 Jahren täglich 100 mg Azathioprin, um den MC wieder in ruhige Fahrwasser zu bringen.

Ich habe nun eine Überweisung zum Neurologen, der den MRT-Befund des Kopfes einschätzen soll und dann auch eine entsprechende Diagnostik machen wird. Der Termin ist allerdings erst im Dezember, eher war ein Termin leider auch mit Intervention des Hausarztes nicht möglich.
Mich beschäftigt die Verdachtsdiagnose MS nun natürlich. Vor 3 Jahren hatte ich starke Sehstörungen (nebeliges Sehen), das wurde damals als Ovitis also als Begleiterkrankung des Morbus Crohn gesehen, auch wenn meine Augenärztin mir geraten hatte einen Neurologen aufzusuchen, um das differenzialdiagnostisch abklären zu lassen. Das habe ich nicht gemacht, da ich davon ausgegangen bin, dass das nichts neurologisches sein wird.

Meine Frage ist also, ob jemand Erfahrung hat mit beiden Erkrankungen Morbus Crohn und MS?
Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.

Viele Grüße Zorro
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Re: Morbus Crohn und Multiple Sklerose?

Beitragvon Korona » Mo 19. Sep 2016, 13:25

Hallo Zorro,

willkommen im Forum!

Ich finde es etwas leichtfertig, so eine Diagnose in den Raum zu stellen. Sicher ist es schwierig, die Notwendigkeit rüberzubringen, dass ein Befund überprüft werden muss, ohne dass man den Patienten in Panik versetzt. Aber das sind Profis, die sollten sorgsam mit diesen Aussagen umgehen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Du jetzt beunruhigt bist!
Ich habe aus einem ähnlichen Grund vor ein paar Jahren ein paar Tage in großer Angst auf der Neurologie verbracht, weil fiese Diagnosen von MS über Myasthenie und dgl. in den Raum gestellt wurden. Es wurden diverse Untersuchungen gemacht, von denen ich einige abgelehnt habe, weil sie mir unsinnig erschienen, oder weil irgendwelche Testmedikamente mir den Darm zu stark belasteten.

Letztlich wurde gesagt, dass bei den heutigen extrem gut auflösenden Geräten die Ergebnisse von Ultraschallgeräten oder MRT's Zufallsbefunde (bei mir sah man auch irgendwelche Flecken) hervorbrächten, die man früher gar nicht erkennen konnte oder heute überbewerten würde. Dann würde die Diagnosemaschine in Gang gesetzt, die am Ende nur Unruhe brächte, aber keine verwertbaren oder therapierelevanten Ergebnisse. Das war dann die Aussage des Neurologen, nachdem er merkte, dass ich nicht willenlos alles über mich ergehen lasse.

Vielleicht beruhigt Dich das vorerst etwas.
Du muss gucken, was Du untersuchen lassen willst und ob die Ablehnung einer Untersuchung angemessen ist und Du hinterher mit der Unklarheit zurecht kommst.
Interessant ist in dem Zusammenhang ja auch erstmal die Frage, ob Du überhaupt irgendwelche Symptome hast, die auf MS schließen lassen. Und auch die Frage, was denn bei einem positiven Befund die therapeutische Konsequenz in einem möglichen Frühstadium wäre und ob dadurch irgendetwas vermieden oder aufgehalten werden kann.

Mach Dich erstmal nicht verrückt...manchmal können auch die Medikamente, die wir nehmen solche "Erscheinungen"/Symptome auslösen oder imitieren.

Wegen Deiner Migräne könntest Du mal einen Versuch machen und mit einem spezialisierten Physiotherapeuten sprechen, der auch eine Osteopathieausbildung hat.
Die haben manchmal besondere Ideen oder ein gutes Händchen. Es gibt einige Formen von Spannungskopfschmerzen und Migränearten, die auch durch Zahnprobleme, Kieferfehlstellungen oder erhöhten Muskeltonus verursacht werden können.

Und bis zu dem Termin im Dezember kannst Du ja nochmal Deine Augenärztin besuchen und den aktuellen Status Deiner Augen prüfen lassen. Vielleicht kann sie etwas zur Beruhigung beitragen und Du hast gleich noch vergleichendes Befundmaterial für den Neurologen.

LG, Korona
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Re: Morbus Crohn und Multiple Sklerose?

Beitragvon rosenspiel » Mo 19. Sep 2016, 15:26

Hi,

wegen eines heftigen Tinnitus wurde ein MRT des Kopfes gemacht, dabei wurden einmal ein Meningeom gefunden und eben auch diffuse Flecken,

Dass ich das Meningeom habe, beunruhigt mich nicht und ob und was diese weiße Flecken sein sollen? Ehrlich es interessiert mich vorläufig noch nicht. Bevor Du Dich ins KH legst und alles mögliche über Dich ergehen lässt, dann hole Dir doch eine Zweitmeinung ein und wäge dann ab, was Du wissen willst und was nicht. So würde ich das machen.

Herzlich
Anny
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Re: Morbus Crohn und Multiple Sklerose?

Beitragvon Konrad » Mo 19. Sep 2016, 18:33

Hallo Zorro,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.

im Zusammenhang mit meinem CochleaImplantat (Hörprothese) wurde bei mir im Vorfeld auch ein hochauflösendes MRT gemacht.
Für den Eingriff (Implantation) gab es keine Einschränkungen. Empfohlen wurde mir allerdings eine neurologische Untersuchung, weil "Unregelmäßigkeiten" entdeckt wurden.

Toll. Damit wird man zunächst mal allein gelassen. An den Arzt kommt man nicht ran, bleibt nur das I-Net wo man nach den Stichwörtern suchen kann. Das was man da liest trägt auch nichts zur Beruhigung bei, wir lesen ja immer den "worst case", den wir auf uns beziehen. Einen Termin beim Neurologen kriegt man tatsächlich erst etwa ab 8 Wochen+. Man hat also einige Zeit, sich psychisch mit dem Thema zu beschäftigen. So wie es Menschen gibt, die das Ganze in Ruhe abwarten (können), gibt es auch solche, die die Zeit der "Ungewissheit" gelinde gesagt ziemlich quälen.

Korona hat geschrieben:Letztlich wurde gesagt, dass bei den heutigen extrem gut auflösenden Geräten die Ergebnisse von Ultraschallgeräten oder MRT's Zufallsbefunde (bei mir sah man auch irgendwelche Flecken) hervorbrächten, die man früher gar nicht erkennen konnte oder heute überbewerten würde. Dann würde die Diagnosemaschine in Gang gesetzt, die am Ende nur Unruhe brächte, aber keine verwertbaren oder therapierelevanten Ergebnisse. Das war dann die Aussage des Neurologen


Genau das hat dann mein Neurologe auch zu mir gesagt, nachdem er die Bilder gesichtet, und mit mir ein Gespräch geführt hatte.

Lass Dich also nicht verrückt machen, zumal wenn weder Dir noch Deinem Umfeld etwas beunruhigendes auffällt.

Alles Gute
LG Konrad
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Re: Morbus Crohn und Multiple Sklerose?

Beitragvon Spinnwebe » Di 20. Sep 2016, 05:30

Zorro hat geschrieben:Vor 3 Jahren hatte ich starke Sehstörungen (nebeliges Sehen),

Solche Symptome macht auch gerne mal ein Bandscheibenvorfall der HWS. Dass es von selber ???? wieder besser wurde, würde auch dafür sprechen, denn Bandscheiben sind gerne etwas in Bewegung. Dass MS diagnostiziert (und darauf behandelt!) wird, bei Symptomen, die von der HWS verursacht werden, kommt gar nicht so selten vor, leider.

Also: wie alle anderen vor mir schon schrieben: Ruhe bewahren. ;)
Herzlich grüßt
die Spinnwebe


MC Diagnose 2005, beschwerdefrei durch TCM und Ernährungsumstellung seit 2009
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Re: Morbus Crohn und Multiple Sklerose?

Beitragvon Zorro » Fr 9. Mär 2018, 20:18

Hallo,
erstmal möchte ich mich für eure unterstützenden und offenen Rückmeldungen zu meinem Anliegen bedanken. Ich möchte mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur damaligen Situation berichten.
Mittlerweile hat sich die Situation für mich etwas "entspannt". Als ich 2016 nach einer MRT Untersuchung die Nachricht erhalten hatte, dass sich auf dem MRT meines Gehirns zahlreiche Entzündungsherde zeigen und der Radiologe von einem typischen Bild einer Multiplen Sklerose sprach war ich sehr beunruhigt.
Seitdem sind gut 1,5 Jahre vergangen und ich habe eine neurologischen Schwerpunktpraxis für MS gefunden. Sicher ist, dass es sich um Entzündungen im Gehirn handelt und diese so zahlreich seien, dass man den Befund nicht ignorieren könne. Ich bin vom Neurologen sehr ausführlich und gut beraten worden und weiß nun, dass es unterschiedliche Ursachen für solche Veränderungen im Gehirn geben kann. Letzten Endes hatte ich mit den Sehstörungen nur einmal Symptome, die für MS typisch wären. Der Neurologe hat mich aber auch darauf hingewiesen, dass es auch durch den Morbus Crohn Entzündungen im Gehirn verursacht werden können. Was nun die Ursache ist konnte bisher nicht geklärt werden und ich habe mich gegen eine umfassende stationäre Diagnostik, mit Hirnwasseruntersuchung entschieden.
Wir sind jetzt so verblieben, dass ich jährlich eine MRT Kontrolle mache und man nach Veränderungen sucht. Ich nehme seit 2014 Azathioprin wegen des Morbus Crohn, ein Medikament welches früher auch bei MS eingesetzt wurde. Solange ich das wegen des Darms weiternehmen muss würde der Neurologe auch keine weitere Medikation empfehlen. Erst wenn ich die Immunsuppression beenden würde, müsste über eine andere Medikation nachgedacht werden. Die MRT-Kontrollen waren bisher ohne Veränderung. Und ja, ich kann mit dieser Unsicherheit mittlerweile gut leben. Ich habe keine Beschwerden, die auf neurologische Ursachen hinweisen und lasse das jetzt einfach so stehen. Ich weiß, dass ich mich sofort an eine qualifizierte Fachpraxis für MS wenden kann, was mir Sicherheit gibt, dass ich dann auch schnell die fachlich richtige Unterstützung bekommen würde.
Ganz interessant ist, dass gerade an der Uni Heidelberg eine Studie durchgeführt wird (im Bauchredner war eine Info dazu), die den Zusammenhang von entzündlichen Veränderungen im Gehirn und Morbus Crohn untersucht. Also ein interessantes Projekt.
Also, vielen Dank noch einmal für eure Antworten und Anregungen und viele Grüße
Dagmar
Zorro
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