Antibiotika als Schubauslöser? Meine Geschichte..

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
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Schorsch
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Antibiotika als Schubauslöser? Meine Geschichte..

Beitrag von Schorsch »

Hallo Zusammen,

mein Name ist Schorsch, ich bin 30 Jahre alt und komme aus dem Südosten Deutschlands.
Im Jahre 2009 wurde bei mir nach längerer (und "typischer") Beschwerden MC mit Entzündung der Ileozökalklappe (zumindest steht im Bericht, es weise vieles darauf hin...) diagnostiziert. Leider war mir zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht genau bewusst, was das eigentlich ist, und welche Auswirkungen damit verbunden sind. Kurz gesagt hat mich die Behandlung des damaligen Arztes nicht wirklich interessiert, Medikamente dagegen nahm ich so gut wie keine.
Und so hatte ich mich die nächsten 3 Jahre mehr oder weniger im dauerhaften Schub befunden und den Alltag versucht zu meistern. 2013 begab ich mich dann zu einem Gastroenterologen, bei dem ich bis heute in Behandlung bin. Mit der bisherigen Therapie und den damit verbundenen Maßnahmen schätze ich mich glücklich. Auch, weil meine Beschwerden und mein Verlauf gemessen an dem, was ich bedauerlicherweise hier im Forum lese (bin seit Jahren stiller Mitleser), eher gering sind und ist. Wenn gleich die Beeinträchtigung für mich persönlich voll da ist, und ich die Diagnose zum Teil bis heute nicht vollständig akzeptiert habe.

Meine Behandlung sah so aus, dass ich im Jahr 2013 Aza bekam, Budesonit wirkte nicht soweit ich mich richtig erinnere. Aufgrund starker Nebenwirkungen (Bauchspeicheldrüsenentzündung mit 7 tätigem Krankenhausaufenthalt) hat man das direkt wieder abgesetzt. Weiter ging es mit Prednisolon, das nahm ich knapp über 1 Jahr, bis ich es komplett ausschleichen konnte. Begonnen hatte ich mit 40mg/Tag.

Soweit so gut, ab 2014 begann ich eine Erhaltungstherapie mittels MTX, 10mg pro Woche (Pfizer Lantarel), parallel dazu einmal pro Woche Vitamin D Weichkapseln (20.000 IE). Damit ging es mir die kommenden Jahre sehr gut, und ich bekam kein erneuten Schub.
Das war ein echt tolles Gefühl, die Krankheit rückte in den Hintergrund (hier und da habe ich bestimmte Lebensmittel nicht vertragen, aber war okay).

In dieser schubfreien Zeit genoss ich das doch recht sorgenfreie Leben sehr. Ich konzentrierte mich auf meinen Beruf, reiste viel und überhaupt stellte sich bei mir eine positivere Einstellung ein. Wie gesagt, die "Krankheit" rückte in den Hintergrund. Während der Erhaltungstherapie musste ich 4x pro Jahr zur Blutabnahme, um Leberwerte zu prüfen, sowie alle 2 Jahre zur Darmspiegelung. Stets ohne negativen Befunde.

Das ging soweit gut, bis in den September/Oktober 2019. Allgemein war ich in 2019 von Unzufriedenheit geplagt. Beruflich gab es Veränderungen, die nicht total negativ waren, aber eben auch wenig positiv. Dazu gab es einen Todesfall innerhalb der Familie.

Ende September hatte ich eine Entzündung der Prostata, ohne zu wissen woher. Eine äußerst schmerzhafte Erfahrung, die mich noch länger begleiten sollte. Da ich auch hier die Beschwerden nicht einordnen konnte, machte ich erstmal nichts und wartete ab. Irgendwann ging es dann doch zum Urulogen, der mir dann 4 Wochen Antibiotika verschrieb. Das nahm ich auch ein, und die Beschwerden der Prostata verschwanden fast komplett.
Im Oktober dann erste Anzeichen eines Schubs. Wie gesagt, der letzte Schub war bei mir ca. 6 Jahre her. Da MC zwar irgendwo präsent war aber so weit in den Hintergrund rückte, meinte ich erst, ich würde verschiedene Lebensmittel nicht mehr vertragen, oder aber zu viel Stress haben. Positiverweise (und viel zu spät) hörte ich mit dem rauchen auf. Es half aber nichts, ich kam nicht um eine medikamentöse Behandlung herum.
Die Behandlung sah die Einnahme von Budesonit (Entocort) für 3 Monate vor (9mg / 6mg / 3mg). Erfreulicherweise schlug die Behandlung direkt an. Auch nach dem Absetzen kam ich sehr gut zurecht.
Das war Anfang Januar 2020.

Ende Januar begannen meine Beschwerden mit der Prostata erneut. Und sie wollten nicht verschwinden, egal wie lange ich Antibiotika einnahm. Die Beschwerden besserten sich zwar, aber verschwanden nie vollständig. Und so nahm ich über knapp 2,5 Monate mit kurzen Unterbrechungen Antibiotika ein. Und es kam, wie es kommen musste.
Vor knapp einer Woche ging es wieder mit dem Darm los. Schon nach der ersten Behandlung der Prostata, als ich danach einen Schub erlitt, hatte ich den Eindruck, dass das Antibiotika (Cepfodoxim 200mg) hier maßgeblich dafür verantwortlich sein musste. Wohlwissend, dass es (korrigiert mich) immer noch keine belegten Informationen darüber gibt, was einen Schub tatsächlich auslöst. Beschwerden der Prostata habe ich komischerweise plötzlich nicht mehr.

Mein nächster Schritt sind Stuhlproben, die ich vorsorglichen schon mal vorgenommen habe, und direkt morgen vor dem Gespräch mit dem Arzt an das Labor schicke. Ich kann es jetzt nicht gebrauchen, wenn gemütlich die Zeit verstreicht, während ich unter den Beschwerden leide (ich denke, die meisten kennen das Gefühl, einfach ausgeliefert zu sein und nichts selbst tun zu können...).
Meine derzeitigen Beschwerden äußern sich im Übrigen so, dass ich morgens nach dem Frühstück ein bzw. zweimal aufs Klo muss, der Stuhlgang ist sehr weich / breiig aber nicht wässrig. Danach ist der "Spuk" vorbei. Ich ernähre mich sehr gesund, esse nicht zu viel (vor allem jetzt nicht), trinke viel. Bauchschmerzen habe ich nur kurz bevor ich aufs WC muss, den restlichen Tag über gar nicht.

MTX nehme ich im Übrigen immer noch (seit nun 6 Jahren), seit dem letzten Rückfall im Okt. jedoch mit 15mg / pro Woche.

Nun gut, jetzt habe ich etwas weit ausgeholt für die eigentliche ursprüngliche Ausgangsfrage. Ich versuche irgendeinen Zusammenhang zu erkennen, was Antibiotika mit meinem Körper und viel mehr mit MC anstellt.
Leider komme ich durch einfaches Fragen bei den Fachärzten nicht weiter. Der Uruloge winkt ab, könnte alles gar nicht sein..., der Gastroenterologe sagt, es kann so viele Ursachen für einen neuen Schub geben. Naja und ich verdächtige eben das Antibiotika...
Konsequenterweise werde ich nun einen Hausarzt kontaktieren, den ich bis dahin nicht hatte. Ich möchte gerne, dass ein Arzt / eine Ärztin ein Blick "von oben" auf das Geschehen hat. Ich schätze die Fachärzte zwar sehr. Jedoch - so ist mein Eindruck - sehen diese stets ihren Tunnel. Mit einem Gastroenterologen über die Prostata zu sprechen, bewirkt nichts, und mögliche Zusammenhänge mit einem Medikament und MC werden, so ist mein Eindruck, per se ausgeschlossen.

Vielleicht noch ein paar Worte zu mir.
Wie ich schon sagte, kann ich die Diagnose MC trotz dessen, dass ich sie vor jetzt über 10 Jahren bekam, einfach nicht fassen.
Die Probleme, die die Krankheit mit sich bringt, belasten mich, da will ich nichts beschönigen. Ich spreche darüber mit niemandem, für mich ist das ein absolutes Tabuthema und für nichts auf der Welt würde ich offen damit umgehen. Ich bewundere jede und jeden, die oder der das kann. Ich kann und will es auch nicht.
Meine Partnerin, mit der ich seit 10 Jahren glücklich zusammen bin, ist informiert. Ich arbeite in einem größeren Unternehmen und würde mich als durchaus erfolgreich bezeichnen, dazu habe ich meistens großen Spaß an der Arbeit. Hinzu kommt, dass ich in einer Position bin, in der mich niemand fragt, wo ich arbeite, oder wie ich meine Termine zu legen habe. Rechenschaft muss ich den wenigsten ablegen. Das werte ich als großes Privileg, speziell hinsichtlich MC.
Eigentlich wird stets alles dem MC untergeordnet. Egal ob das nun Lebensmittel sind und mein/unser Essverhalten ist, Freizeitaktivitäten, Familienbesuche, Jobs und so weiter. Ich muss mich niemals in eine ausweglose Situation manövrieren, aus der ich nicht rauskomme (das typische wo-ist-ein-Klo-Syndrom, auch wenn ich auswärts nicht aufs Klo kann :) ). Schon mehrmals habe ich geplante Treffen mit Bekannten oder eben der Familie am gleichen Tag kurzfristig abgesagt, wenn ich mal wieder auf dem Klo war, weil ich z.B. ein Lebensmittel nicht vertragen habe. Das ist mir in diesem Moment aber schlichtweg egal. Wie gesagt, ich ordne der Krankheit alles unter.
Mein mit größtes Problem ist eigentlich folgendes. Bin ich schub- und beschwerdefrei, so habe ich stets die Angst im Rücken, es "könnte" wieder losgehen. Und damit meine ich gar nicht direkt einen neuen Schub, sondern die Tatsache "mal zu müssen". Ich kann das schwer beschreiben, aber ich kann für mich in einer schubfreien Zeit diese Tatsache nie so richtig akzeptieren und annehmen. Des es könnte sich schlagartig ändern und alles zunichte machen.
Vielleicht kennt ihr das Gefühl auch...

Wie gesagt, die eigentliche Ausgangsfrage war eine völlig andere, nämlich in wie weit sich die Einnahme von Antibiotika auf MC auswirkt. Ich hatte aber das Bedürfnis, ein paar Worte zu erzählen.

Ich danke schon mal jedem, der das liest.

Schönen Sonntag an alle!
Viele Grüße, Schorsch.

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