Mesalazinunverträglichkeit?

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
Pooh Bear
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Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von Pooh Bear »

Hallo Zusammen,

Ich habe meinen ersten richtig schweren Schub bekommen, nachdem ich zum erstenmal in Behandlung war und nach 5 Tagen aus versehen das Prednisolon abgesetzt wurde. In der Zeit bekam ich gleichzeitig Mesalazin als Klysma, granulat und Zäpfchen. Ein paar Tage dem Absetzen kamen dann krasse Durchfälle, ich konnte einienhalb Wochen fast nichts drin behalten, auch Wasser war schwierig, hatte erhöhte Temperatur und konnte nur im Liegen mit Wärmflasche einiger Maßen existieren.

Dann bekam ich wieder Prednisolon, 60 mg, und es wurde schnell wieder besser. Hatte aber trotzdem immernoch Porbleme und Schleim und Blut im Stuhl. Deswegen und weil ich stark übergewichtig bin, möchtemeine Ärztin mir Adalimumab geben in zwei Wochen. Cortison hat bei 30mg schon viel schlechter gewirkt, bin jetzt wieder bei 40mg.

Ich hab aber die ganze Zeit das Mesalazin im Verdacht, Nebenwirkungen zu produzieren. Meine Ärztin ist nicht der Meinung...Das sei ja so Nebenwirkungsarm und ich hab halt eben einfach einen Schub gehabt und meine Entzündung ist halt einfach heftig sagt sie.

Nun hab ich, da ich eh das Adalimumab bekommen werde, eigenmächtig das MEsalazin vor zwei Tagen abgesetzt. Kann Zufall sein, aber seitdem ist mein Stuhl fest, ohne Blut und fast gar kein Schleim mehr. Ich werde in 2 Tagen das Prednisolon noch mal auf 30 reduzieren und sehen ob es weiter so läuft. >Gleichzeitig nehme ich jetzt zwei TL Flohsamen als Ersatz für das Mesalazin.

Was haltet ihr von der Sache? Handle ich fahrlässig?

Liebe Grüße,
Pooh Bear

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neptun
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von neptun »

Hallo Pooh Baer,

es ist zwar selten, aber im Forum wurden schon solche Geschichten zu Unverträglichkeit mit Durchfall und Blut beschreben.
Fahrlässig ist solch Auslaßversuch sicher nicht, denn es muß schon möglich sein, bei solch einem Verdacht zu handeln.
Überdies ist Mesalazin nun zwar Basismedikation, aber damit doch auch ein recht mildes Medikament, welches der Theorie nach ohnehin nur auf der entzündeten Darmschleimhaut wirken soll. Trotzdem wird aber einiges in den Körper aufgenommen, und es mag eben bei Dir Nebenwirkungen verursachen.

LG Neptun

Pooh Bear
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von Pooh Bear »

Hallo Neptun,

danke für deine Antwort.

Wie würdest du denn an meiner Stelle bezüglich des Adalimumab handeln, wenn es mir nun nach Absetzen des Mesalazins bei gleichzeitiger Einnahme von Flohsamenpulver (zwei TL am Tag), besser geht? Mein Stuhl heute war auch wieder frei von Blut und Schleim. Nehmen wir mal an unter 30mg Cortison bleibt es so. Sollte ich dann die Immunsuppressive Therapie noch mal überdenken? Erst mal sehen ob ich auch so in Remission komme? Hoffe meine Ärztin macht das mit...

Liebe Grüße

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neptun
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von neptun »

Hallo Pooh Bear,

ich denke, man muß erst mal das Cortison vollständig ausschleichen. Es ist auf Dauer das mit Sicherheit nebenwirkungsstärkste Medikament und keinesfalls zur Daueranwendung geeignet.
Bist Du dann noch in Quasiremission, man kann darüber nachdenken, wie man weiter verfährt.
Noch sind Gedanken dazu sicher verfrüht.

Erst mal solltest Du den Auslaßversuch des Mesalazins machen.

LG Neptun

samira127
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von samira127 »

ich habe eine mesalazinunverträglichkeit und reagiere genau so wie du auf den wirkstoff. hatte damals genau das gleiche wie du, erst cortison und dann mesalazin dazu. bekam dann wieder mehr probleme. also ausgesetzt und es wurde besser. nach einigen tagen bzw zwei/drei wochen wo es relativ stabil blieb hat mein damaliger gastro noch mal einen test gemacht und nochmal die tabletten angefangen, probleme kamen promt wieder. also war es damals recht klar, es lag am mesalazin. habe dann als allternative mutaflor bekommen, das ist bei cu und einer mesalazinunverträglichkeit auch verschreibungsfähig. du brauchst auf jeden fall eine gute basistherapie. cortison ist kein dauermedikament und muss balld wieder abgesetzt werden, sonst gibt es auf lange sicht probleme mit nebenwirkungen. ob da jetzt sofort der einsatz von biologika sinnvoll ist muss man überlegen. mutaflor soll auch remissionserhaltend wirken, ob das ausreicht sieht man leider erst mit der zeit. dann wäre noch aza eine option.

ich an deiner stelle würde das mesalazin noch mal zwei wochen weglassen und das cortison weiter langsam reduzieren. und dann mit dem cortison auf einem level bleiben und mesalazin noch mal dazu. wenn die probleme sofort wiederkommen ist die unverträglichkeit eigentlich schon klar. fahrlässig ist es auf jeen fall nicht so einen test zu machen. ich hatte damals auch noch das glücck anfangs auf das mutaflor zu reagieren. das war für meinen gastro schon absolut unwahrscheinlich und er hat mich erst mal als simulant abgestempelt. naja war anfangs auch alles nicht so einfach.

bei dir ist das ganze auch noch recht neu mit dem stärkeren schub. ich würde jetzt gucken wie es sich entwickelt ohne mesalazin und dann noch mal einen test machen und dann das gespräch mit dem gastro suchen. eine gute dauertherapie ist sinnvoll und notwendig. bei leichten verläufen ist mutaflor schon nicht schecht. bei stärkeren verläufen wären biologika oder auch aza sinnvoll.

wie sich die entzündung entwickelt kann man sehr gut durch stuhluntersuchungen und da speziell durch den calprotectin wert bestimmen lassen. dieser steigt bei entzündungen im darm an und dadurch kann man schon ohne kolo einen hinweis auf die schwere der entzündung liefern. und bei cu hat man den "vorteil" das man auch durch ne kurze spiegelung (sigmoskopie) einen einblick bekommen kann. dafür reicht ein einlauf und es muss kein komplettes abführen sein. ist deutlich schonender.
Hoffnung, ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es gut ist, egal wie es ausgeht.

Vaclav Havel

Wase
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von Wase »

Hi Pooh,
Ich find es richtig,was Du machst.Dein Körper gibt Dir klare Signale und auf die solltest Du hören.Ein ordentlicher Arzt wird mit Dir gehen und garantiert ,egal wie verträglich ein Medi ist,gibt es auch da Unverträglichkeiten.
Wenn ich immer alles geglaubt hätte,was Ärzte erzählen,dann wär Manches schlimm gekommen.Ärzte haben mit Sicherheit studiert und viel Erfahrung,aber manchmal kommts eben anders und wenn Du einen Doc hast,der diese Möglichkeit einzuräumen in der Lage ist, dann bist in guten Händen.
Alles Gute für Dich

Pooh Bear
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von Pooh Bear »

Meine Ärztin hat mir nun geantwortet
"das können wir gerne so versuchen. Mutaflor ist zur Rezidivprophlaxe allerdings nur bei Mesalazin-Unverträglichkeit zugelassen.
Melden Sie sich einfach im Verlauf"

Wie reduziere ich am besten das Prednisolon? Ursprünglich war bei mir angedacht alle 5 Tage um 10mg zu reduzieren angefangen bei 60mg. Als ich dann auf 30 war, wurde es wieder schlimer mit blut und schleim. Dann wieder hoch auf 40, wurde besser, aber nicht gut. Jetzt bin ich ja auf 30 OHNE MESALAZIN und habe weder sichtabres Blut noch Schleimauflagerungen. Das seit Mittwoch. Überlege zu den Flohsamen Lecitin zu nehmen...scheint zu helfen?

Scheinbar will mir die Ärztin jetzt kein Mutaflor verschreiben...Sie denkt wohl imemrnoch nicht, dass ich eine Mesalazin-Unverträglichkeit habe, hm?

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neptun
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von neptun »

Hallo Pooh Baer,

Du kannst mal in diesem Thread meine Erfahrungen zur Einnahme und zum Ausschleichen von Cortison lesen. Darin enthalten ist auch ein Querschnitt der Berichte aus dem Forum, wie andere Betroffene ausgeschlichen haben.
Im unteren Dosisbereich muß man langsamer ausschleichen. Das bedeutet kleinere Stufen und längere Verweildauer.

http://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=3&t=181

Mutaflor dient dem Remissionserhalt. Es kann aber keine Remission herbei führen und dient auch nicht der Darmkrebsprophylaxe.
Man kann Blähungen bekommen, weshalb es auch Mutaflor mite gibt mit weniger Bakterien.

LG Neptun

Pooh Bear
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von Pooh Bear »

Den Thread kenne ich schon. Danke trotzdem Neptun.
Ich bi ja jetzt auf 30. Kann ich nächste woche schon auf 20 runter?

Was könnte noch helfen, als Ersatz für das weggelassene Mesalazin? Aus dem Schub halt raus zu kommen.

Mein Schub gerade übrigens einfach nur, dass mein Stuhl nicht hudert Prozent verdaut ist und ich links unterm Rippenbogen Druck habe hin und wieder. Ander Symptome habe ich Gerade nicht, aber kann sich jeden Tag ändern. Ich warte nur auf Blut und Schleim im Stuhl...

LG

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neptun
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Re: Mesalazinunverträglichkeit?

Beitrag von neptun »

Wie Du ausschleichst, ist einzig und allein Deine Entscheidung.

Auch eine Vorgabe des Arztes kann immer nur eine Empfehlung sein, nie eine Anweisung.
Du bist ja Frau Deiner Sinne und daher kann niemand für Dich entscheiden.
Du hast die Verantwortung für Dein Handeln. Und Du allein hast auch die Folgen zu tragen.

Wie es gehen kann, weißt Du aufgrund des Threads.
Ob es klappt, das weiß niemand.

Ich weiß, es wünschen sich viele Betroffene, der Arzt regelt alles für sie, hat die Erfahrung. Aber zur Rechenschaft kann er nur gezogen werden, wenn er grob fahrlässig handelt. Somit liegt es in der Hand der Betroffenen.

LG Neptun

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